Hochstrom-Supraleiterkabel: Einsatz der Ultraschallprüfungbei Entwicklung und Produktion


Aktuelle Grossprojekte im Bereich der Hochenergiephysik und in der Energietechnik verlangen nach hohen Magnetfeldern (5 Tesla) in grossen Volumina (bis 350 m3). Bei derTeilchenphysik (CERN, FERMILAB) werden diese Magnetfelder für den Nachweis vongeladenen Elementarteilchen benötigt. Auf der andern Seite versucht man die Möglichkeitder Energiespeicherung in grossen supraleitenden Magneten auszunutzen (SMES:Superconducting Magnetic Energy Storage).

Für den Bau von Magneten dieser Grössenordnung war die Entwicklung von neuartigen,mechanisch stabilen Hochstrom-Supraleiterkabeln notwendig. Das Herzstück diesermassiven Kabel besteht aus einigen Dutzend "konventionellen" NbTi Multifilament-Supraleiterdrähten, die zu einem Rutherford-Flachbandkabel verseilt sind. Zur Erhöhung derelektrischen Stabilität des Kabels, d.h. damit bei lokalem Verlust der Supraleitfähigkeit derStrom aufgenommen werden kann, ist das Kabel durch Koextrusion mit hochreinem Aluminium (99.998 %) ummantelt. Zur Erhöhung der mechanischen Festigkeit kann das Kabel zusätzlich durch aufgeschweisstes Hartaluminium verstärkt werden. Je nach Projektwerden bis zu 100 km Kabel benötigt, die einen kritischen Strom bis zu 60'000 A bei 5Tesla und 4.2 Kelvin aufweisen.

Diese Hochstromkabel sind nur einsatztauglich wenn die Bindungen Flachband-kabei/Reinaluminium bzw. Reinaluminium/Hartaluminium einwandfrei sind. Drei Gründefür die Notwendigkeit guter Bindungen stehen im Vordergrund: die indirekte Kühlung desinnenliegenden Supraleiters, die Stromaufnahme durch das Reinaluminium bei Notab-schaltungen und die mechanische Stabilität.

Mit Ultraschallprüfung in Tauchtechnik werden die aluminiumverstärkten Hochstromkabelin den verschiedenen Entwicklungs- und Produktionsstadien untersucht. Dabei werdenKurzproben (20 cm) im Labor mit einem konventionellen Scanner mit Frequenzen bis 50MHz bildgebend analysiert. Detaillierte C-Bilder erlauben eine präzise Lokalisierung vonDelaminationen. Bei der Produktion (1 - 10 m/min) werden die Bindungen kontinuierlichüberwacht. Zunächst wird noch eine partielle Prüfung mit fokussierten Einzel-Prüfköpfendurchgeführt. In einem ersten Einsatz werden 4 km Kabel on-line geprüft. In Zukunft fassen wir eine 100% Prüfung (C-Bilder) mit einem modernen Phased Array System insAuge.


Autor:

J. Neuenschwander, T. Lüthi, Dübendorf (CH), J.L. Horvath, Zürich (CH)

Quelle:

Kurzfassungen der Vorträge und Plakatbeiträge der ZfP Jahrestagung 1996.
Hier der Bericht über die Jahrestagung or Conference Report in English.
Volltext-Bezugsquelle: DGZfP Berlin Email: 100335,3315@compuserve.com
Sprache:Deutsch

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Rolf Diederichs 1. Juni 1996, info@ndt.net