Die Prüfung von Schweißnähten gehört zu den Aufgabengebieten der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung, die praktisch seit ihrer ersten Anwendung nie an Interesse und Diskussionsstoff verloren hat. Wo immer sich Praxiserfahrung und Theorie sprich Schweißfachleute, Werkstoffprüfer und Konstrukteure oder Entwicklungsingenieure -zur Diskussion zusammenfinden, stehen die Prüfung von Schweißnähten, die Deutung der Ergebnisse und ihre Bewertung im Hinblick auf die Bauteilsicherheit im Vordergrund des Gespräches.Wie in vielen anderen technischen Bereichen gibt es seitens der Fachleute langjährige und intensive Bestrebungen, die nationale und internationale Normung zu nutzen, um eine fachlich klare und einheitliche Sprache zu entwickeln und eine möglichst von subjektiven Faktoren unabhängige Bewertungsgrundlage zu finden. Das gilt ganz besonders auch für den Bereich der Schweißnahtprüfung.
Trotz aller Bemühungen und Kompetenz der ausarbeitenden Fachleute (Absicht) kann eine Normung, die versucht zu vereinheitlichen, zu verallgemeinern und zu empfehlen, aus vielerlei Gründen nicht die Verantwortung für Bauteilsicherheit und Schadensverhütung übernehmen. In diesen letztlich entscheidenden ingenieurtechnischen Aufgabenstellungen sind zuerst das Wissen, die Fachkompetenz und das Verantwortungsbewußtsein der Ingenieure gefragt - eine Aufgabe, die wahrzunehmen zur Ehre des übergroßen Teiles unseres Berufsstandes gehört.
Ob diese berufliche Aufgabenstellung tatsächlich im Praxisalltag ausgeübt werden kann, hängt jedoch nicht nur von der Berufsehre eines Berufsstandes ab. Sie ist wie fast alles in unserem täglichen Leben geprägt von wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Faktoren.
Entsteht also eine neue Norm mit derartig allgemeinem Charakter und damit letztlich globaler Bedeutung, wie zum Beispiel die EN 12 062, dann ist ihr Erfolg im Zusammenhang mit genau dieser wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Situation (Wirklichkeit) zu sehen.
Anhand ausgewählter Schadensbeispiele soll auf die Verknüpfung von Fachkompetenz, Normung und wirtschaftlichen Bedingungen eingegangen werden.