Schweißeigenspannungen, ihre Ortsabhängigkeit, der Einfluß der Probengeornetrie und der Schweißpararneter sowie ihre Auswirkungen auf das Bauteilverhalten bei nachfolgendenBeanspruchungen sind vielfach untersucht worden und können z. T. erklärt und berechnet werden. In diesem Zusammenhang sind in der Regel makroskopische Eigenspannungen gemeint, die als Mittelwert der Eigenspannungen im Meßvolumen definiert sind und bei Relaxation durch Glühen, Abtrag oder Probenteilung zu makroskopischen Verzügen führen können. Der Einfluß von Makroeigenspannungen auf die Belastbarkeit des Werkstoffs ist weitgehend verstanden.
Durch Verformungen oder Wärmebehandlungen werden neben den Makrospannungen immer auch Verspannungen der Gefügebestandteile untereinander, Mikrospannungen, hervorgerufen. Röntgenographische Eigenspannungsbestimmungen erfassen grundsätzlich Makrospannungen und Anteile der Mikrospannungen. Somit lassen sich zusätzliche Aussagen über die Eigenspannungen zwischen Gefügebestandteilen machen.
Bei der Bewertung von Schweißeigenspannungen wird der Anteil der erfaßten Mikrospannungen in der Regel nicht berücksichtigt. In vielen Fällen ist die Nichtberücksichtigung der Mikrospannungen zwar gerechtfertigt, da diese quantitativ gegenüber den auftretenden Makrospannungen klein sind. Es gibt aber daneben Beispiele, bei denen die Mikrospannungen erhebliche Werte annehmen und unbedingt eine Trennung der verschiedenen Spannungsanteile durchzuführen ist.
Die vorliegenden Untersuchungen umfassen die Ermittlung der Makro- und Mikrospannungen in reibgeschweißten Rundproben eines ferritisch-austenitischen Duplexstahls und eines Vergütungsstahls. Die Mikrospannungen tragen hierbei zu einem wesentlichen Teil zum Meßergebnis der röntgenograpischen Spannungsermittlung an den untersuchten Werkstoffphasen bei. Mit
Untersuchungen zum separaten Einfluß verschiedener Werkstoffbehandlungen wie Verfor-mung, Glühtemperatur, Abkühlgeschwindigkeit u.a. kann das Auftreten der Mikrospannungen beim Reibschweißen qualitativ erklärt werden. Eine Beurteilung des Betrages und Vorzeichens der Mikrospannungen im Hinblick auf Schwingbeanspruchungen ist Bestandteil derzeitiger, Untersuchungen.