Im Rahmen der zerstörungsfreien Prüfung mit Wirbelstromsensoren tritt immer wieder das Problem der Querempfindlichkeit auf. Die Meßgröße hängt nicht nur allein von der Zielgröße ab, sondern auch von weiteren Einflußgrößen. In der Regel handelt es sich bei diesen "störenden" Einflüssen um die Temperatur T, Permeabilitätsänderung
µ, Leitfähigkeitsvariation 
, oder um Fremdfelder. Bei ferromagnetischen Prüflingen kommt oft noch eine bestehende Vormagnetisierung hinzu.Mit zunehmender Distanz zwischen Wirbelstromsensor und Meßobjekt verringert sich die Empfindlichkeit der Meßgröße, der Einfluß der Störgrößen nimmt zu. Wird jedoch die Zielgröße in der Meßgröße auch für größeren Abstand zwischen Sensor und Meßobjekt abgebildet, kann eine Regression die Störeinflüsse in bestimmten Grenzen ausgleichen. So ist es z.B. möglich, die Anordnung mehrerer Betonstabstähle gleichen Durchmessers aus einem Abstand c von mehr als 50 mm zu erfassen. Dazu wird die komplexe Impedanz Z einer für diese Aufgabe optimierten Spule in einem bestimmten, vertikalen Abstandsintervall ausgewertet. Aus den beiden Abstandskurven für den Real- und den Imaginärteil der Impedanz Z, sowie der Ortskurve in der komplexen Ebene kann der Durchmesser D, der Abstand c und die Anordnung der Stäbe bestimmt werden. Vergleichbare Umgebungstemperaturen und Materialeigenschaften (einheitliche Baustahlsorte), sowie nicht vormagnetisierte Meßobjekte bleiben aber Voraussetzung für eine Unterscheidung von Einzelstab, Doppelstab und Stabbündel (Anordnung von zwei bzw. drei Betonstabstählen). In Kombination mit einem horizontalen Verfahrweg können auch Stabpaare und deren lichter Abstand a untereinander erkannt werden (a/c = 0,24).
Da der Betonstahl im Stahlbetonbauteil hauptsächlich die Zugbelastung aufnimmt, wodurch sich die magnetische Permeabilität µ verändert, wurden Messungen unter Zugbelastung durchgeführt. Dabei befand sich der Wirbelstromsensor direkt am Betonstahl. Auch hier tritt das Problem der Querempfindlichkeit auf. So besteht bei der Messung einer mechanischen Zugbelastung
zug von Stahl das Problem, daß der Gefügezustand in das Meßergebnis miteinfließt. Eine Trennung von Gefüge- und Spannungseinflüssen ist erst durch die Auswertung mehrerer Meßgrößen (z.B. Koerzitivfeldstärke Hc und Maximum der gleichgerichteten Barkhausenrauschamplitude Mmax) möglich. Unter diesem Gesichtpunkt wird zur Zeit die komplexe Spulenimpedanz Z untersucht. Hierbei zeigen der Real- und der Imaginärteil für verschiedene Richtungen des anregenden Magnetfeldes B zur Belastungsrichtung einen linearen Zusammenhang mit der auf den Stahl wirkenden Zugkraft Fzug.