Eine mehr als 20-jährige Tätigkeit als Prüfer und Prüfaufsicht im Apparate- und Anlagenbau für die Petrochemie und die daran anschließende, nunmehr 14-jährige Tätigkeit im Bereich der Betriebsspektrometrie haben den Autor in der Gewißheit bestärkt, daß eine gewisse Gutgläubigkeit in Materialzertifikate und Zeugnisse schwerwiegende Folgen haben kann.Anhand von konkreten Beispielen aus der Praxis wird aufgezeigt, daß eine Materialidentifikation vor dem Schweißen und an der fertigen Schweißnaht wichtig sein kann, weil andere Verfahren der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung nicht in der Lage sind, falsche Werkstoffe zu erkennen. Was hilft es, wenn das Blech mit US auf Doppelung geprüft ist oder die ausgekreuzte Naht mit Magnet- oder Farbeindringungsprüfung auf Risse untersucht wird, und trotzdem verwechselter Werkstoff verschweißt wurde. Auch die Prüfung an der fertigen Naht mit Röntgen-, US-, Magnet- und Farbeindringungsprüfung macht erst richtig Sinn, wenn sicher ist, daß keine Werkstoffverwechslung vorliegt.
Jedoch mit die größte Gefahr für die Schweißtechnik ist das Element Kohlenstoff. So kommt es fast täglich vor, daß statt St 37-2 oder St 52-3 der Werkstoff C45 oder C60 geliefert wird. Solche Fehler werden erst bei der Druckprobe oder der ersten dynamischen Belastung erkannt, wenn nicht im Vorfeld mit Werkstoffprüfgeräten geprüft wird.
Betrachtet man den Werdegang einer Hochdruck- oder dynamisch beanspruchten Schweißnaht mit den dazu notwendigen Produktions- und Prüfschritten, wird klar, daß die Werkstoffverwechslungsprüfung mit mobilen Spektrometern im Wareneingang oder spätestens in der Zustellerei erfolgen sollte. Es gibt aber auch Fälle, bei denen während der Fertigung geprüft werden muß. Nicht weniger wichtig sind die Überprüfung des Schweißzusatzes oder der Schweißhilfsmittel, was anhand einiger Beispiele verdeutlicht wird.
Wie bei jedem Prüfverfahren sind aber auch der mobilen Spektrometrie Grenzen gesetzt, oder aber es wird ein erhöhter Aufwand erforderlich. So stellt sich die Frage, ob die Lichtbogenprüfung unter Luft zur Identifizierung ausreicht, oder ob für die Bestimmung von Kohlenstoff die Funkenanregung unter Argonschutz erforderlich wird. Dabei stellen sich dem Prüfer, abhängig vom Prüfort, Gewichtsfragen.
Aber auch die Vorbereitung der Prüfflächen im Zusammenhang mit der Erwartung des Prüfergebnisses ist wichtig. Die Wahl der unterschiedlichen Adapter hängt von der gestellten Prüfaufgabe und dem erwarteten Ergebnis ab. Auch hierzu werden Beispiele aufgeführt.
Bei der Prüfung mit Funkenanregung unter Argonschutz beträgt die Einbrenntiefe ca. 0,05 mm und mit Bogenanregung unter Luft ca. 0,1 mm. Wir betrachten die mobile Spektroskopie als ein zerstörungsfreies Prüfverfahren mit einem immer wichtiger werdenden Stellenwert in der ZfP-Familie. Eine gründliche Ausbildung in der Spektroskopie ist wie bei jedem anderen ZfP-Verfahren wichtig. Zur Zeit erfolgt diese Einweisung ausschließlich durch die Gerätehersteller.
Die Weiterentwicklung der Gerätetechnik führt weiter zu kleineren und leichteren Geräten. Die Physik kann dabei wohl kein Hersteller überlisten.