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Nach 1975 begannen Bestrebungen, die ComputerTomographie auch für die Werkstoffprüfung zu nutzen, zunächst durch Einsatz von medizinischen Computer-Tomographen, später durch spezielle gerätetechnische Entwicklungen für die Werkstoffprüfung. Mit ihnen wurden z.B. Brennstäbe für Kernreaktoren, Abfallgebinde mit fest eingeschlossenem verglastem, zementiertem oder bituminiertem radioaktivem Abfall, Feststoffraketen und Bauteile von Interkontinentalraketen geprüft. Weitere Systeme wurden für die Untersuchung von Turbinenschaufeln, Stahlgürtelreifen, Munition, Sprengstoffgebinden und Gußblöcken eingesetzt. Eine andere Entwicklung ging in Richtung Mikrotomographie, wo Objekte kleinerer Abmessungen, aber mit höherer Auflösung tomographiert wurden, u.a. Keramikbauteile, glasfaserverstärkte Kunststoffbauteile, Verbundwerkstoffe, Rotorschaufeln von Hubschraubern und Bauteile für die Automobilindustrie. [1, 2, 3]
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß zu den ersten Anwendungen außerhalb der Medizin, möglicherweise die erste Anwendung dort überhaupt, ein Einsatz in der Forstwissenschaft gehörte: der Nachweis und die Untersuchung der Rotfäule der Fichte mit einem speziell dafür gebauten transportablen Computer-Tomographie-Gerät. [6]
Das Verfahren der Computer-Tomographie hat seine besondere Stärke in der Überlagerungsfreiheit des Bildes, da nicht das gesamte dreidimensionale Objekt, wie bei allen klassischen Röntgentechniken, nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Materialprüfung, auf eine zweidimensionale Ebene, den Röntgenfilm, abgebildet wird, was zwangsweise zu Überlagerungen führt, sondern nur eine einzelne, auswählbare, dünne, quasi-zweidimensionale Schicht des Objektes. Es zeichnet sich zudem durch eine hohe Kontrastauflösung aus.
Der Holzkörper dient der statischen Sicherheit des Baumes und wird früher, während der Baum lebt, oder später, wenn er abgestorben ist, im natürlichen Kreislauf von Bakterien und vorzugsweise Pilzen wieder abgebaut. Er ist in der Jugend und im mittleren Alter eines lebenden Baumes von einer geschlossenen Hülle lebender Zellen, der Rinde, umgeben. Sie bietet Schutz gegen Austrocknung und das Eindringen holzabbauender Organismen. Verletzungen der lebenden Rinde stellen Pforten für das Eindringen der Organismen dar, die den nach dem Absterben des Baumes biologisch und ökologisch sinnvollen Abbau des Holzes bewirken.
Im Gegensatz zu dem natürlichen Ablauf ist der Mensch an einem unversehrten Holzkörper des Baumes interessiert, weil er ihn als Werkstoff nutzen will. Holz, Werkstoff mit einer Reihe vorteilhafter Eigenschaften, kann und wird handwerklich und industriell verarbeitet, erlaubt leistungsfähige Konstruktionen und besitzt gute wärmetechnische Eigenschaften. Als nachwachsender Rohstoff ist es ein Energieträger mit günstiger CO2 -Bilanz, der für diese Zwecke auch als Neben- und Abfallprodukt genutzt werden kann.
Weil der Mensch im Gegensatz zum natürlichen Abbau an einem intakten, gut nutzbaren Werkstoff interessiert ist, hat die Untersuchung des Holzkörpers, auch schon am lebenden Baum, insbesondere der Nachweis von Fäulen im unsichtbaren Stamminneren, aber auch von Höhlungen, Rissen, Knoten, Astansätzen, Fremdkörpern und pathologischen Veränderungen, z.B. in der Wasserverteilung, die zwar noch nicht unmittelbar, aber mittel- und langfristig die Werkstoffeigenschaften beeinflussen, erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für die Forst- und Holzwirtschaft.
Aber nicht nur wirtschaftliche Gründe sind es, die Untersuchungen des Holzkörpers von stehenden Bäumen erfordern oder wünschbar machen. Im Hinblick auf die Erhaltung von Bäumen aus ästhetischen Gründen, als Natur- und Landschaftsdenkmale, haben sie Bedeutung im Rahmen der Landschaftspflege und des Umweltschutzes. Die Ermittlung der Stabilität von Bäumen und die Beurteilung der Bruchsicherheit durch Prüfung des die statische und dynamische Sicherheit gewährleistenden Holzkörpers hat im privaten und öffentlichen Bereich, an Straßen, auf Park- und Spielplätzen, auch rechtliche Relevanz.
2.1 Technische Prüfverfahren zur Untersuchung von Bäumen
Bei den mit technischen Geräten durchgeführten Untersuchungsverfahren unterscheidet man zweckmäßig zwischen Prüfverfahren, die eine Verletzung des Stammes, der Rinde, des Kambiums und des Holzkörpers, bedingen und Prüfverfahren, die zerstörungsfrei arbeiten. [11]
Bei den den Holzkörper verletzenden Methoden wird im allgemeinen ein Kanal in den Baum getrieben, sei es durch eine Bohrung, sei es durch einen in den Baum gepreßten Stahlstift. Entweder wird das entnommene Material geprüft, bei der klassischen Bohrkernentnahme z.B. durch Inaugenscheinnahme, auf Bruchfestigkeit oder auch mit einem aufwendigeren Verfahren, z.B. bei der Röntgendensitometrie durch röntgenographische Untersuchung auf Dichteschwankungen, oder es wird im Bohrkanal beobachtet, z.B. mit einem Endoskop, oder gemessen, z.B. die elektrische Leitfähigkeit in Abhängigkeit von der Tiefe oder die Kraft, die der Nadel oder dem Bohrer beim Vorantreiben entgegengesetzt wird und die ein Maß für die mechanische Festigkeit des Holzes an der jeweiligen Stelle ist.
Zwei gravierende Mängel sind es, die das Bohren, welcher Art auch immer, und alle verletzenden Verfahren, obsolet machen:
Alle verletzenden Verfahren schaffen Eintrittspforten und Infektionswege für Pilze und bergen die Gefahr der Infektion durch das Bohrgerät. Gleich, ob es sich um die früher gebräuchlichen dicken Bohrer wie Zuwachsbohrer, Bohrer für Endoskope oder um dünne Bohrer oder Nadeln handelt, immer wird der Holzkörper verletzt, immer können Pilzhyphen innerhalb des Bohrloches verschleppt oder gar von Baum zu Baum übertragen werden.
Alle Bohrverfahren verursachen - je nach Größe des Bohrloches - Defekte im Holzkörper, die bei hochwertigen und entsprechend teuren Stämmen sogar die wirtschaftliche Nutzung beeinträchtigen können. Alle Bohrlochverfahren liefern auch nur Informationen längs des eindimensionalen Bohrkanals, von dem nur mit Einschränkungen auf die übrige, wesentlich größere Fläche des Stammquerschnittes geschlossen werden kann. Deswegen kann die genaue Ausdehnung von Fäulebereichen und Hohlräumen im Innern eines Baumes letztlich auch nur durch mehrere Bohrungen auf dem Stammumfang in der gleichen Stammhöhe einigermaßen exakt ermittelt werden, durch eine Anzahl von Verletzungen, die in kaum einem Fall zu rechtfertigen ist. Die wichtige Frage z.B. nach der Wandstärke eines hohlen Baumes im allgemeinen und nach der geringsten Dicke der Wand im besonderen zur Abschätzung der Bruchsicherheit ist nur durch eine größere Anzahl Bohrungen auf dem gesamten Stammumfang zu beantworten. Ebenso kann die Höhenlage und die Höhenausdehnung eines Defektes im Stamm nur durch eine Reihe von Bohrungen übereinander gefunden werden.
Von manchen Sachverständigen werden Bohrungen als Sachbeschädigung angesehen, die den Wert eines Baumes quantitativ verringern. In Vorschriften und Empfehlungen zur Baumpflege wird ausdrücklich darauf hingewiesen, möglichst verletzungsfreie, baumschonende Verfahren bei der Baumdiagnose einzusetzen. Bohrmethoden gehören nicht dazu. Bohren ist heute kein für die Ermittlung des inneren Zustandes eines Baumes mehr akzeptables und akzeptiertes Verfahren. [19]
Nichtzerstörungsfreie Verfahren zur Untersuchung des Stammes, die also heute allein Verfahren sind, deren Einsatz am lebenden Baum zu vertreten ist, beruhen - neben den Ultraschallverfahren, die aber wegen der Probleme bei der Ankopplung nicht als wirklich zerstörungsfrei bezeichnet werden können zum größten Teil auf der klassischen Röntgentechnik mit ihrem Nachteil der Überlagerung.
Zu den zerstörungsfreien Verfahren gehört auch die Computer-Tomographie, die die Absorptionskoeffizienten des Materials rechnerisch als digitale Werte ermittelt, im Gegensatz zu den Röntgenverfahren, die die Gesamtabsorption des Röntgenstrahles längs seines Weges durch das Objekt messen und in analoger Form als Grauwert darstellen, im Prinzip also ein auch für die Untersuchung von Bäumen geeignetes zerstörungsfreies Verfahren.
| Abbildung 1: Mobiles Computer- Tomographie- Gerät zur Untersuchung von Bäumen. | |
| Oben: Zum Transport in die einzelnen Komponenten zerlegtes System; Mitte: Transport in einem Kleintransporter zu dem zu untersuchenden Baum im Forst; Unten: Zur Messung am Baum aufgebautes System |
Wenn also das Prinzip der Computer-Tomographie für Baumuntersuchungen im Wald genutzt werden sollte, mußten neue Geräte konzipiert, konstruiert und gebaut werden, die zu den Bäumen transportiert, am Baum aufgebaut und mit denen vor Ort, im Wald oder Park, die für die mathematische Rekonstruktion des Tomogrammes erforderlichen primären Absorptionsprofile aufgenommen werden konnten.
Nach Laborversuchen, Versuchsaufbauten und Vorläufergeräten 1976 wurde 1984 ein nach dem Parallelstrahlverfahren arbeitendes CT-Gerät mit drei Detektoren zur Untersuchung von Bäumen gebaut. 1990 wurde ein Fächerstrahlgerät mit 30 Detektoren entwickelt, das Bäume auch größeren Durchmessers in annehmbarer Zeit zu tomographieren gestattet. Beide Geräte verwenden das Radionuklid Cäsium 137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren und einer Quantenenergie von 662 keV als Strahlenquelle. Die Quelle befindet sich in einem Abschirmbehälter aus abgereichertem Uran. Die Strahlung wird nachgewiesen durch Szintillationsdetektoren mit Bleikollimatoren und Natriumjodid-Szintillationskristallen und folgenden Photomultipliern. (Abb. 1 ) [6, 8, 10, 1 7]
Strahlenquelle und Detektoren müssen von der Mechanik des Systems entsprechend dem gewählten Aufnahmeprinzip, Translation-Rotation bei dem Parallelstrahlgerät oder reine Rotation bei dem Fächerprinzip, bewegt werden. Die Mechanik muß aus einzelnen Teilen bestehen, die beim Aufbau am Baum schnell, sicher und präzise miteinander verbunden werden können. Um dies sicherzustellen, wurden als wesentliche Konstruktionsmerkmale beider Gerätearten gewählt:
Die Doppelringkonstruktion bildet das tragende Chassis. Detektorfächer und Strahlenquelle werden auf dem Trägerring montiert, der sich auf dem Laufring um den Baum drehen kann. Beide sind teilbar und können auf diese Weise um den Baum gelegt werden. An dem Basisring werden die Teleskopbeine angebracht, die ein Aufstellen auch in unebenem Gelände und die Tomographie in verschiedener Höhe des Stammes ermöglichen. Am Basisring ist eine Vorrichtung zum Abstützen des Gerätes gegen den Baum angebracht, die Vibrationen oder Verschiebungen des Meßsystems bei den Bewegungen des Meßsystems verhindert.
Schrittmotoren bewegen den Trägerring rotatorisch um den Baum, bei dem Parallelstrahlgerät zusätzlich das Quelle-Detektor-System translatorisch auf den Schienen, bei dem Fächerstrahlgerät bewirken sie eine zusätzliche Schwenkbewegung des Detektorfächers um einen Drehpunkt in der Quelle, die die Zwischenräume zwischen den Detektoren abdeckt. Nach der Messung der Linienintegrale am Baum wird aus den Projektionen die zweidimensionale Verteilung der Absorptionskoeffizienten in dem untersuchten Stammquerschnitt, das Tomogramm, berechnet. Das kann mit dem Rechner des Aufnahmesystems vor Ort geschehen, nimmt aber dann relativ viel Zeit in Anspruch, oder nach Rückkehr aus dem Wald durch Einlesen der Projektionen in einen leistungsfähigeren Rechner, der die Zahlenmatrix rekonstruiert und dann verschiedene Darstellungen des Tomogrammes, z.B. Grauwertdarstellungen, Farbtomogramme, Höhenschichtlinien- oder Darstellungen anderer Art, ausgibt.
Eine statistische Auswertung der Zahlenmatrix liefert Parameter, die das Tomogramm statistisch beschreiben und Ausgangspunkt und Ansatz für quantitative Auswertungen sind.
Alle biologischen Prozesse und ökologischen Faktoren, die zu Änderungen dieser Parameter, sei es lokal im Querschnitt des einzelnen Baumes, sei es global für den gesamten Baum, führen, lassen sich prinzipiell im Tomogramm erkennen. [5, 11, 12, 13, 16, 18, 20]
Jede Baumart zeigt eine charakteristische Verteilung der Absorptionskoeffizienten über dem Stammquerschnitt. Abweichungen deuten auf pathologische Zustände hin. Risse und Hohlräume sind als Bereiche ohne Absorption im Tomogramm natürlich leicht zu erkennen und genau zu lokalisieren, ebenso z.B. auch eingewachsene Äste, Astreste und Fremd körper mit höherer Dichte, da sie deutliche lokale Absorptionsänderungen nach sich ziehen. Pilzbefall führt meistens zu einer Verringerung der Dichte, da Fäule die mechanische Struktur des Holzes auflöst. Deshalb können auch Fäulebezirke im allgemeinen gut erkannt und lokalisiert werden. [9]
Abbildung 2:Original-Tomogramm einer gesunden Fichte. Splint- und Kernholz zeichnen sich durch deutlich verschiedene Absorption aus und sind genau gegeneinander abzugrenzen, was die quantitative Bestimmung der Flächen ermöglicht. Die Markierungen am Rande geben Abstände von 5 cm an. (Der Kopfteil der Druckausgabe mit den technischen Aufnahme- und Rekonstruktionsparametern wurde bei den folgenden Farbtomogrammen weggelassen. Der Farbcode unterhalb des Tomogrammes gilt auch für alle folgenden Farbtomogramme.) |
Abbildung 3: Tomogramm einer rotfaulen Fichte mit nur noch schmalem Splint, durch die Fäule verschieden stark zersetztem Kernholz und Hohlräumen im Inneren des Stammes
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Es muß allerdings beachtet werden, daß die verschiedenen Baumarten schon im physiologischen Zustand differierende Feuchtigkeitsverteilungen über dem Stammquerschnitt aufweisen: Kernholz-Splintholz-Bäume wie Fichte und Kiefer (Abb. 2 und Abb. 9) zeigen zwei Bereiche mit deutlich unterschiedlicher Absorption, während Buchen und Linden (Abb. 4 und Abb. 13) bei ebenfalls von außen nach innen abnehmenden Absorptionskoeffizienten keinen plötzlichen, sondern einen gleitenden Übergang aufweisen und bei der Birke z.B. kein wesentlicher Unterschied auf dem Querschnitt vorliegt. Bei Eiche und Ahorn können die Feuchtigkeitswerte sogar von außen nach innen ansteigen.
Pathologisch können sowohl Bezirke erhöhter Feuchtigkeit, Naßkerne, als auch trockene Bereiche sein, wenn Splintholz sich z.B. in größerem Maß in Kernholz umgewandelt hat, der Verkernungsprozeß anormal schnell vor sich gegangen ist. Die quantitative Auswertung der Flächen, die nur die Tomographie leisten kann, gibt wichtige Hinweise auf die Vitalität des Baumes.
4.1 Nachweis von Fäuleerkrankungen
Fäuleerkrankungen der Wirtschaftsbaumarten verursachen in der Forstwirtschaft hohe materielle Schäden. Die durch den Pilz Heterobasidion annosum verursachte Rotfäule der Fichte verursacht allein in der Bundesrepublik Deutschland jährlich Schäden von mehreren 100 Millionen DM. Ursache der Fäule sind Stamm- und Wurzelverletzungen, die die
Eintrittspforte für den Pilz und Ausgangspunkt der Fäule sind. In den meisten Fällen ist es nicht möglich, von außen die Fäule überhaupt, ihr Ausmaß und den Grad der Holzzerstörung zu erkennen, weil der Pilz, unsichtbar von außen, nur das Stamminnere angreift, oder weil, obwohl die Fäule äußerlich erkennbar ist, keine Klarheit darüber besteht, wie weit sie in das Stamminnere vorgedrungen ist.
Durch die Zerstörung des Kernholzes wird das Holz wertlos.
Bei Straßen-, Allee- und Parkbäumen, allgemein von Bäumen in Wohnbereichen, stehen Untersuchungen auf Fäuleprozesse im Holzkörper im Vordergrund, um Hinweise auf die Stand- und Bruchfestigkeit, auf Sanierbarkeit, auf Erhaltbarkeit des Baumes zu gewinnen. [7] Gerade bei Allee- und Parkbäumen kam es in der Vergangenheit aufgrund fehlender objektiver Informationen über den inneren Zustand häufig zu Fehlentscheidungen. Kranke Bäume in Parkanlagen und entlang von Verkehrswegen wurden nicht gefällt, aber auch nicht saniert und verursachten schließlich Sach- und Personenschäden.
Auf der anderen Seite wurden Bäume mit vermuteten Fäuleschäden gefällt, und es stellte sich nach dieser endgültigen Maßnahme heraus, daß die Bäume gesund waren und keine Notwendigkeit zum Fällen bestanden hätte.
Abbildung 4: Entwicklung der Kernfäule bei Linden |
Abbildung 5: Wundfäule bei einer Linde. Das Tomogramm zeigt Ausdehnung und Grad der Fäule auch im Stamminneren
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Abbildung 6: Wundfäule einer Roßkastanie
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Die Absorption von gesundem Fichtenkernholz schwankt aufgrund seines geringen Wassergehaltes von etwa 30 bis 50% zwischen 45 und 70 x 10-4 cm-1, mit einem Minimum bei etwa 36 x 10-3 cm-1.
Bei kernfaulen Fichten liegen die Werte des Absorptionskoeffizienten deutlich niedriger. Mit zunehmender Fäule nimmt die Absorption kontinuierlich auf 0 ab: es bildet sich ein Hohlraum. Abbildung 4 zeigt Tomogramme von Linden einer Straßenallee in verschiedenen Stadien der Kernfäulebildung.
Das Tomogramm links zeigt noch über den gesamten Stammquerschnitt fast gleichmäßige Absorption, im Zentrum sind die Absorptionskoeffizienten nur leicht abgesunken; das mittlere Tomogramm weist schon auf dem gesamten Querschnitt eine unregelmäßige Struktur auf, der Absorptionskoeffizient im inneren Bereich ist schon stärker, aber noch nicht auf 0 abgesunken, das Holz ist dort leicht ausgetrocknet. Bei dem Tomogramm rechts hat sich schon ein Hohlraum gebildet, der klar zu erkennen und abzugrenzen ist.
Bei gesundem Lindenholz liegen die Absorptionskoeffizienten zwischen 63 und 82 x 10-3 cm-1. Die Absorption über dem Stammquerschnitt ist relativ gleichmäßig. Der Grund liegt in den nur geringen Feuchtigkeitsunterschieden zwischen Kern- und Splintholz bei Linden.
4.1.2 Wundfäule
Unter Wundfäule im Gegensatz zur Kernfäule faßt man alle Fäulnisprozesse zusammen, die durch Infektionen am verletzten Stamm hervorgerufen werden und von der Verletzungsstelle ausgehen.
Wundfäulen wurden ein wachsendes Problem durch die zunehmende Mechanisierung der Arbeit im Forst, die häufiger zu Verletzungen an stehenden Stämmen führt. Jede Verletzung kann eine Infektion
nach sich ziehen, auch wenn das Splintholz zunächst durch seinen hohen Wassergehalt gegen Infektionen geschützt ist.
Im Gegensatz zur Kernfäule ist die Wundfäule von außen erkennbar. Ausbreitung der Fäule und Grad der Holzzerstörung können allerdings von außen nicht genau festgelegt werden. Sie werden sehr wesentlich vom Erreger bestimmt.
Abbildung 5 zeigt bei einer Linde die Ausbreitung der Wundfäule in das Stamminnere. Die eigentliche Verletzung ist schon zum großen Teil durch einen Wundkallus überwallt. Die Fäule hat jedoch weitere Teile des Stamminneren befallen, was sich in der herabgesetzten Absorption dieser Bereiche zeigt. An der Infektionsstelle ist die Absorption durch die Holzzerstörung gegenüber dem gesunden Splintholz der Linde mit Absorptionskoeffizienten zwischen 65 und 82 x 10-3cm-1 schon deutlich auf 24 bis 60 x 10-3cm-1 abgesunken. Das Tomogramm erlaubt es, Ausmaß und Grad der Fäule in den von außen unsichtbaren Bereichen exakt zu lokalisieren
Abbildung 6 zeigt die Ausbreitung der Wundfäule einer Roßkastanie im Tomogramm. Die Verletzung wurde größtenteils schon von einem Wundkallus überwallt. Im Bereich der Verletzung liegen die Absorptionskoeffizienten zwischen 24 und 48 x 10-3cm-1 sind also gegenüber der Absorption gesunden Splintholzes von Roßkastanien zwischen 65 und 81 x 10-3cm-1 deutlich vermindert. Am Rande sind Naßbereiche nachzuweisen.
4.1.3 Fäuleausdehnung und Stammzustand
einer Kastanie am Rande eines
Spielplatzes
Abbildung 7: Tomographische Untersuchung einer Roßkastanie an einem Spielplatz. Die Tomogramme in verschiedenen Höhen offenbaren den inneren Zustand des Stammes vom Erdboden bis zu einer Höhe von 3,50 m, in der ein Starkast entfernt worden war und wo sich Fäule entwickelt hatte. |
Die Frage nach dem Zustand im Inneren des Baumes und der Gefährdung des Kinderspielplatzes durch den Baum im allgemeinen und eventuell nötige Sanierungsarbeiten waren Anlaß für eine tomographische Untersuchung. Ein Tomogramm in 0,73 m Höhe zeigte einen Naßkern. Zur Beantwortung der Frage, ob zwischen dem Naßkern in dieser Höhe und der vom Aststumpf ausgehenden Fäule in 3,70 m Höhe ein Zusammenhang besteht und ob - je nach Antwort auf diese Frage - der Baum durch baumpflegerische Maßnahmen saniert werden müßte, war die detaillierte Ermittlung von Ausmaß und Grad der Fäule auf der gesamten Länge des Stammes vom Erdboden bis zum Kronenansatz des Stammes in verschiedenen Höhen erforderlich.
Der Naßkern in 0,73 m Höhe reichte im Inneren des Stammes an den außen sichtbaren, tiefen Längsriß, eine Wundleiste, die stark näßte. Ein Naßkern tritt im allgemeinen im Kernholzbereich der Stammbasis auf und ist nicht mit einer Holzzersetzung verbunden. In 1,12 m Höhe zeigte das Tomogramm ringförmig verteilte Bereiche hoher Absorption, die wahrscheinlich Ausläufer des Naßkerns sind. Der Längsriß am Stamm war hier außen noch feucht. Nur wenige Zentimeter darüber, bei 1,25 m, war der Einschnitt tiefer, das Holz trocken und weißes Pilzmycel erkennbar. Im Farbtomogramm ist deutlich sichtbar ein Bereich, der etwa die dreifache Dicke normaler Borke hatte und der auf einen in die Tiefe dringenden Fäulnisprozeß hinwies. Auch in dieser Schicht waren wieder ringförmig angeordnete Naßbereiche zu erkennen. Es war aber auch nicht auszuschließen, daß die hohe Absorption durch wasserhaltige Pilzmycellen hervorgerufen wurde. Nur 15 cm höher, bei 1,40 m, zeigte das Tomogramm im Stammzentrum eine Kernfäule, in deren Bereich das Holz stark zersetzt war und sich ein Hohlraum ausgebildet hatte.
Im Tomogramm sind rund um den Fäulebezirk Zonen erhöhter Absorption zu erkennen. Rechts vom Hohlraum ist ein kleiner Fäulebezirk sichtbar, der in der nächst höheren Meßebene bei 1,60 m mit dem hier ausgedehnteren Hohlraum verschmilzt. Auch hier waren rund um den Hohlraum wieder Flecken zu sehen, die als Naßbereiche zu interpretieren sind. Im Norden fiel ein Bezirk niedriger Absorption auf, der auf Holz mit geringerem Feuchtigkeitsgehalt hinwies.
In einer Höhe von 2,00 m war der Hohlraum wieder deutlich abzugrenzen, die Wundleiste in dieser Höhe verwachsen. In der nächsten Meßebene, bei 3,06 m, betrug die Ausdehnung der Kernfäule nur noch etwa ein Drittel. Hier erkennt man stark durch Fäulnis zersetztes Holz mit beginnender Hohlraumbildung. Die umgebenden Bereiche hoher Absorption sind wieder ausgedehnter, die fast bis zum Rand reichende Fläche stellt den Astansatz in dieser Höhe dar. Eine Messung bei 3,65 m, etwa 5 cm unterhalb der Schnittwunde, zeigte, daß die Fäule hier ihren Ausgang nahm. Sehr gut zu sehen war ein die Fäule umschließender Ring, der der Abschottung zum gesunden Holz entspricht.
Zwei weitere Bezirke niedriger Absorption in Richtung Stammzentrum zeigten den Verlauf der Fäule schräg nach unten entlang des Astansatzes. Die ausgedehnten Zonen erhöhter Absorption im Stammzentrum können durch die nur wenige Zentimeter darüber liegende Stammgabelung und die dadurch nach Regenfällen hier stehende und eindringende Nässe verursacht sein.
Durch die mehrfache Tomographie in den verschiedenen Höhen des interessierenden Stammbereiches zwischen dem Erdboden und 3,70 m Höhe konnten der Zustand des Holzkörpers in diesem Bereich vollständig aufgeklärt und dem Baumpfleger und der zuständigen Stelle rationale Hilfen bei der Entscheidung für die Sanierungsmaßnahmen gegeben werden.
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