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| I N H A L T |
Die ursprünglich als Spezialgesellschaft für die Unfall- und Haftpflichtversicherung geplante Allianz dehnte sich schnell auf andere Versicherungsfelder aus und expandierte ins Ausland.
Bereits im Jahr 1900 nahm die Allianz als erste Gesellschaft in Deutschland Maschinenanlagen gegen Betriebsgefahren in Versicherungsschutz. Diese Versicherung wird als Maschinenversicherung bezeichnet und trug der damals rasch anwachsenden Industrie Rechnung (Bild 1).
903 wurde der erste Standardvertrag für die Maschinen-Versicherung angeboten. Im Jahr 1911 wurde als wichtige Ergänzung die Maschinen-Betriebsunterbrechungs -Versicherung eingeführt, die kurz als MBU-Versicherung bezeichnet wird.
Bild 1: Einer der ersten Versicherungsscheine für eine Maschinenversicherung aus dem Jahre 1905 |
Bild 2: Explosion eines Kraftwerkskessels in Zolling bei München |
Am Anfang des Dampfkraftzeitalters mußte der Staat aufgrund von zahlreichen und spektakulären Schadensfällen an Dampfkesselanlagen einschreiten. Aufgrund des Gefährdungspotentials solcher Anlagen war dieses Einschreiten dringend notwendig und von allgemeinem Interesse.
Es wurden technische Regelungen eingeführt und die "Technischen Überwachungsvereine" gegründet. Man versuchte zielstrebig, derartige Schäden systematisch zu verhindern, zu begrenzen und zu bewerten. Durch intensive Überwachung sind z. B. Kesselexplosionen inzwischen recht selten geworden, trotzdem besteht immer noch ein Restrisiko, wie das Bild 2 aus dem Jahr 1987 zeigt [3]. Diese Explosion eines Kraftwerkskessels in Zolling bei München wurde von der Allianz federführend reguliert.
Eine der ersten Aufgaben der neuen Allianz-lngenieure war es, die Schadenanfälligkeit der Dampfturbinen zu reduzieren, die damals ein solches Ausmaß erreicht hatten, daß Turbinen eigentlich nicht mehr versichert werden konnten. In Anlehnung an die mit Dampfkesseln gewonnenen Erfahrungen wurden für versicherte Dampfturbinen regelmäßig vorzunehmende Revisionen vorgeschrieben [4]. Der Erfolg dieser Maßnahme, die ursprünglich erheblichen
Widerstand bei den Betreibern auslöste, führte schließlich dazu, daß die Revision wichtiger Aggregate auch heute noch als bedeutender Bestandteil der Schadenverhütung anerkannt ist. Im Jahr 1923 entschließt sich die Allianz, zusätzlich eine Montage und Maschinengarantie-Versicherung anzubieten. 1934 wird die Dienstleistungspalette bei den technischen Versicherungen durch die Einführung der Bauleistungsversicherung vervollständigt - ein weiterer Schritt in versicherungstechnisches Neuland. Heute bietet die Allianz neben diesen technischen Grundversicherungen einen umfassenden Versicherungsschutz auf allen Gebieten der Technik an. Das Spektrum reicht von Spezialversicherungen, wie z. B. Elektronik-Versicherungen, Transportversicherungen oder Raumfahrt-Versicherungen bis zu "All Risks"-Verträgen. Einige spektakuläre Fälle sollen zeigen, daß solche Versicherungen auch heute noch, trotz aller eingeführten QM-Maßnahmen, von wesentlicher Bedeutung sind.
Bild 3 zeigt einen Kasko-Totalschaden eines 17000 BRT-Transporters durch menschliches Versagen auf der Jungfernfahrt 1988. Die Folge eines Bedienungsfehlers bei Bremsversuchen während der Inbetriebsetzung der Magnethochbahn in Berlin 1988 sieht man auf Bild 4. Bild 5 dokumentiert den Einsturz eines im Bau befindlichen Teilstückes der Autobahnbrücke über den Main bei Stockstadt 1 988.
Bild3: Transportversicherung | Bild 4: Montageversicherung | Bild 5: Bauleistungsversicherung
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Bereits 1932 geht die Allianz als erstes Versicherungsunternehmen über ihr klassisches eigentliches Tätigkeitsfeld hinaus und errichtet eine eigene Materialprüfstelle in Berlin. Die Prüfstelle ist dem Ingenieurbüro der Allianz direkt angegliedert.
Es hatte sich gezeigt, daß eine fachgerechte Erforschung der Ursachen von Maschinenschäden nur möglich ist, wenn eine planmäßige Untersuchung der beschädigten Maschinenteile erfolgt. Die Arbeiten dieser Materialprüfstelle waren von Anfang an auf eine reine Zweckforschung ausgerichtet, d. h. in ihr sollten die bei einem Schadenfall auftretenden technischen Probleme soweit gelöst werden, wie es die Praxis in einem besonderen Fall verlangte, um einer Wiederholung des Schadens vorbeugen zu können. Wichtig war, die Untersuchungsergebnisse möglichst schnell zu bekommen, um die durch den Schaden eingetretene Betriebsunterbrechung kurz zu halten.
Eine Materialprüfstelle, die sich ausschließlich der Schadenforschung widmet, unterscheidet sich sowohl in der materiellen Ausrüstung als auch in den Arbeitsmethoden ihres Personals weitgehend von einem Institut, welches Grundlagenforschung betreibt. Darin liegt die Ursache, warum die Allianz die im Zusammenhang mit Schäden notwendigen Materialuntersuchungen nicht einem Hochschulinstitut übertrug, sondern eine eigene Materialprüfstelle schuf [5]. Die Prüfstelle in Berlin-Mariendorf entwickelt sich in wenigen Jahren zu einem weithin beachteten Zentrum der Schadenforschung. Die Materialprüfstelle war anfangs nur mit modernen Geräten für statische und dynamische Festigkeitsprüfungen und Metallographie ausgerüstet. Aufgrund der Aufgabenstellung war eine großdimensionierte Werkstatt vorhanden, um auch an großen Bauteilen die Untersuchungsproben entnehmen zu können. Eine gut eingerichtete fotografische Abteilung war für die Schadensuntersuchungen ebenfalls vorhanden.
Chemische Analysen wurden überwiegend an der TH Berlin Charlottenburg durchgeführt. Auf dem Gebiet der zerstörungsfreien Prüfungen - das Magnetpulverprüfverfahren war bereits gut entwickelt, die Prüfung mit Röntgenstrahlen stand in ihren Anfängen arbeitete man mit der Röntgenstelle beim Staatlichen Materialprüfungsamt Berlin-Dahlem zusammen. Für jede Untersuchung wurde damals ein Prüfbericht herausgegeben, der mit der Empfehlung ausklang, wie der Wiederholung eines Schadens begegnet werden kann. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Durch die Arbeit der Berliner Prüfstelle zeigte es sich, daß technische Schäden nicht als unabwendbares Schicksal für Maschine und Maschinenbesitzer gelten müssen, sondern daß sie durch Vorsorge, Inspektion, Prüfung und Wartung zum erheblichen Teil vermeidbar sind.
Das AZT untersuchte damals und heute systematisch die gesamte Vielfalt technischer Schäden. Sie reichen vom Rohrreißer im Dampfkessel über Schaufelschäden in Turbinen und Kolbenstangenbrüchen an Dampfmaschinen bis hin zu Schäden an Dieselmotoren und Baumaschinen.
Von Anfang an wurden besonders bemerkenswerte Schadenstücke gesammelt und in einer Lehrschau beschädigter Maschinenteile zusammengefaßt. Die aus Maschinenschäden gewonnenen Erfahrungen zur Schadenverhütung wurden und werden auch heute in Veröffentlichungen und Fachtagungen breiten Kreisen zugänglich gemacht. Nach dem Krieg konnte die Materialprüfstelle ihren Betrieb bald wieder aufnehmen. Die Allianz AG hatte ihre Hauptverwaltung im Jahr 1949 endgültig an den Gründungsort München verlegt. Heute ist hier die Zentrale von einem der zehn größten Versicherungsunternehmen auf der Welt, mit einem Beitragsaufkommen von ca. 75 Mrd. DM. Diese Standortverlegung erwies sich damals für die Werkstoff-Untersuchung GmbH bald als störend. Die räumliche Trennung zwischen dem Ingenieurbüro der Maschinenabteilung der Allianz in München und der Werkstoff-Untersuchung in Berlin behinderte eine schnelle Erledigung der Prüfaufträge. Im Jahr 1962 erfolgte deshalb ein Umzug nach Ismaning.
Die Erfolge auf dem Gebiet Werkstoffuntersuchung und vorsorglichen Prüfung legten es nahe, technische Untersuchungen auch auf andere Sachversicherungsbranchen, wie z. B. die KFZ-Versicherung, auszuweiten. Damit sollte auch eine Koordinierung aller Bemühungen der Allianz in der Schadenforschung und -verhütung an Maschinen und technischen Einrichtungen erreicht werden. Aus diesem Grunde wurde die Werkstoff-Untersuchung GmbH im Jahr 1969 in die "Allianz - Zentrum für Technik GmbH" (AZT) umgewandelt. Zum Geschäftsbereich Industrie kam 1971 das Institut "KFZ-Technik" hinzu, durch welches das AZT auch der breiten Öffentlichkeit ein Begriff wurde. 1977 wurde dann ein neues Institutsgebäude gebaut und in Betrieb genommen. Als Hauptaufgaben sieht der Gesellschaftsvertrag des AZT heute folgende Punkte vor:
Die Kernkompetenzen des AZT sind die Bereiche: Risiko, Schaden, Sicherheit, Qualität und Umwelt. Das AZT analysiert heute Schäden im Bereich der versicherbaren Sachgüter, ermittelt Schadensursachen, entwickelt Konzepte zur Schadenverhütung sowie neue Prüf- und Reparaturmethoden und betreibt eine praxisnahe Grundlagenforschung. In erster Linie ist das AZT ein Dienstleister für die Versicherung, für die Schadenursachen und der Schadenumfang ermittelt wird.
Aufgrund seiner jetzigen Aufgabenstellung kann das AZT aber auch von Drittkunden beauftragt werden. Das AZT ist heute in die beiden Geschäftsbereiche "Institut Industrielle Technik" (AZT-IT) und "Institut KfzTechnik" (AZT-Kraft) aufgegliedert. Zur Zeit sind im AZT-IT 70 Mitarbeiter und im AZT-Kraft 35 Mitarbeiter beschäftigt.
Der Bereich Industrielle Technik ist in acht Fachgruppen untergliedert: Werkstofflabor, Chemie- und Korrosionslabor, Physiklabor Meßtechnik mit Maschinendiagnose, ein zweites Werkstofflabor zur Untersuchung leicht kontaminierter Werkstoffproben sowie ein Brandlabor mit Brandversuchsraum, außerdem ein Labor zur zerstörungsfreien Prüftechnik, dessen Mitarbeiter überwiegend vor Ort tätig werden und das über eine Zweigniederlassung in Köln verfügt. Der Geschäftsbereich "Industrielle Technik" (IT) erstellt Gutachten und führt Untersuchungen in modern eingerichteten Labors oder überall auf der Welt vor Ort durch, sei es auf einem Supertanker auf hoher See, in einer Raffinerie in Nigeria, einem Gasturbinenkraftwerk in der saudiarabischen Wüste, an Zementmühlen in Korea, in griechischen Kraftwerken oder in einem deutschen Industriebetrieb.
Es handelt sich dabei um eine kaufmännische Deckungsprüfung und die versicherungstechnische Regulierung des Schadens. Letztere erfordert bei Großschäden den Einsatz von Schadeningenieuren als Technische Sachverständige. ZfP am Schadenort oder Laboruntersuchungen von Materialproben führen zum Einsatz des AZT. Einerseits löst der Uberprüfungscharakter beim Erscheinen der Versicherung zum Teil negative Gefühle beim Versicherungsnehmer aus. Aber anderseits hat er aber auch Vorteile wegen folgender positiver Aspekte:
a) Soweit die Versicherung technisch kompetente Leute einsetzt, erfährt das Betriebspersonal Unterstützung bei der Ermittlung und Entschärfung kritischer Bereiche. Dies kann in Hinblick auf Anlagentechnik, Personalqualifikation oder organisatorische Maßnahmen geschehen.
b) Eher ein Nebeneffekt ist die Aufdeckung überhöhter Rechnungen der Reparaturfirmen. Der Kunde erfährt dann auch für normal vergebene Werkaufträge bei Umbauarbeiten usw. das richtige Preisniveau.
c) Hauptziel ist aber eine gründliche Ursachenklärung. Dann kann der Versicherungsnehmer gezielt und damit kostengünstig die notwendigen Verbesserungen einführen. Zudem reduziert sich das Risiko künftiger Störungen oder Schäden aus gleicher Ursache.
d) Korrektes, möglichst unverzögertes und technisch kompetentes Handeln vor Ort wird von den Kunden anerkannt und deshalb wird ein Schadenmanagement auch gezielt bei den großen Versicherern angefragt. Bei dieser Aufgabe fällt gerade in technisch schwierigen Fällen dem AZT eine wesentliche Funktion zu, z.B. wenn es gilt, neue Schadensmechanismen bei Prototypen oder veränderten Betriebsbedingungen aufzuklären.
Die Geschichte des AZT zeigt, daß Versicherungnehmer und Versicherer durchaus gemeinsame Bedürfnisse haben. Es besteht eine klare Aufgabentrennung gegenüber der Schadenregulierung. Die von der Allianz an das AZT gegebenen Untersuchungsaufträge werden neutral bearbeitet. Die versicherungstechnischen und rechtlichen Schlußfolgerungen übernimmt der kundenorientierte Schadeningenieur. Das AZT kann nur unter Wahrung der Neutralität die zahlreichen Untersuchungsergebnisse einer systematischen Auswertung zuführen, damit sich richtige Schlußfolgerungen bei Ergebnisvergleichen mit zukünftigen Fällen erbeben.
Das AZT-IT macht Sanierungsvorschläge, bietet eine Sanierungsüberwachung an und ist bei der technischen Ursachenermittlung vor Ort und im Labor tätig.
Bei Personenschäden oder bei Verdachtsmomenten die für eine Brandstiftung sprechen wird diese Tätigkeit allerdings immer von der Polizei durchgeführt. Gegebenenfalls wird das AZT erst nach den polizeilichen Ermittlungen vor Ort tätig.
Reproduzierende Brandversuche im Maßstab 1:1 im Brandversuchsraum und Berechnungen im Rahmen dieser Untersuchungen sowie Stellungnahmen dazu runden das Dienstleistungsangebot ab.
4.2 Konventionelle
Schadensuntersuchungen
Schadenuntersuchungen werden im Allianz-Zentrum für Technik auf nahezu allen Gebieten der Technik durchgeführt. Das Spektrum reicht von Bauteilen aus Kernkraftwerken bis zum künstlichem Hüftgelenk.
Die Schadensuntersuchungen werden entsprechend der VDI-Richtlinie 3822 durchgeführt.
4.3 Überwachungen und AZT-Überprüfungen
Ein klassisches Dienstleistungsgebiet sind ambulant durchgeführte Überwachungen und Überprüfungen.
Ein Drittel der AZT-IT-Einsätze erfolgen vor Ort bei Schwingungsüberwachungen an Turbinen, bei Pressenrevisionen, bei der Überprüfung von Holmen an Kunststoffspritzgießmaschinen und an allen Arten von Kraftwerksobjekten wie Turbinenläufern, Gehäusen, Armaturen, Kesseln usw.. Diese Einsätze führen oft dazu, daß bei Befunden Proben aus den Untersuchungsobjekten entnommen und im AZT weiteruntersucht werden oder daß eine Schadensuntersuchung vor Ort durchgeführt wird.
4.4 Sonstige Dienstleistungen
Zunehmend wird das AZT-IT auf dem Gebiet der Qualitätssicherung für Gas- und Dampfturbinenanlagen eingeschaltet.
Es werden Bau- und Montageüberwachungen bei neuen Turbosätzen aber auch bei Retrofitmaßnahmen und Turbinenrevisionen durchgeführt.
Zahlreiche Befunde, auch bei zertifizierten Herstellern, zeigen immer wieder, daß Bau- und Montageüberwachungen unverzichtbar sind und schon im Vorfeld der Herstellung spätere Probleme und Schäden erheblich verringern. Neben der Durchführung eigener zerstörungsfreier Prüfungen im Rahmen der Abnahmen der Bauteile werden auch die Spezifikationen und QS-Vorschriften des Turbinenherstellers bzw. der Komponentenhersteller beurteilt. Dabei fließen AZT-Erfahrungen aus Schadensfällen und Untersuchungen ein. Insbesondere werden folgende Dienstleistungen für den Auftraggeber - üblicherweise der Anlagenbetreiber- durchgeführt:
Einzelfallübergreifende Probleme bearbeitet das AZT in Forschungs und Entwicklungsprojekten. Die zur Zeit im AZT-IT bearbeiteten Themen:
Verstärkt wird das Allianz-Zentrum für Technik auch auf dem Gebiet der Ausbildung und Schulung aktiv. Neben der von der DGZfP durchgeführten ZfP-Ausbildung finden auch Kurse zur Ausbildung zum "Qualitätsmanagement-Beauftragten " seit 1996 statt. Seit diesem Jahr werden auch Kompaktkurse zur "Ausbildung zum Umweltbetriebsprüfer" durchgeführt.
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