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| I N H A L T |
![]() Bild 1: Querschliff einer EB-geschweißten Stumpfnaht, Blechdicke t = 12 mm |
![]() Bild 2: Röntgenbild einer 4,5 mm dicken handgeschweißten Stumpfnaht |
![]() Bild 3: Röntgenbild einer 3 mm dicken LB-geschweißten Stumpfnaht |
LB- und EB-Schweißnähte besitzen selbst bei Blechdicken von 12 mm für gewöhnlich eine Breite von unter 2 mm (Bild 1). Das bedeutet, daß das zu untersuchende Volumen im Vergleich zu Standard-Schweißprozessen gering ist und es somit aufgrund der schmalen Schweißnaht zu Schwierigkeiten bei der sicheren Interpretation von Röntgenfilmen kommen kann (Bild 2, 3). Um ein Hilfsmittel zur schnellen und zuverlässigen zerstörungsfreien Bewertung der Güte von LB- und EB-Schweißnähten zu erhalten, sind während des von der EU geförderten BRITE/EURAM-Projektes (Assessment of Quality of Power Beam Weld Joints, ASPOW) typische Schweißfehler gesammelt und so dokumentiert worden, daß ein erster einfacher Schweißfehlerkatalog herausgegeben werden kann.
In dieser Arbeit werden die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Röntgenuntersuchungen an LB- und EB-Schweißnähten aufgezeigt und erläutert.
![]() Bild 4: Röntgenuntersuchungseinrichtung mit 160 kV Röhre |
Obwohl oftmals die radioskopische Röntgenuntersuchung mit 160 kV Standard- oder 200 kV Mikrofokusröhre nützlicher erscheint, um Fehler eindeutig zu identifizieren [28], wurde sie hier nicht angewandt, da entsprechende Normen z.Zt. noch überarbeitet werden [21 - 23] oder gar nicht vorliegen.
2.2 Untersuchungsablauf
Für die Untersuchungen an Blechen wurde der Aufbau nach DIN EN 1435 [11] gewählt (Bild 5).
![]() Bild 5: Anordung zur Röntgendurchstrahlungsprüfung von LB- und EB-Schweißnähten |
| Röhren- spannung KV | Focus-Größe mm2 | Film-Focus Abstand mm | Film-Typ | Röhren Strom mA | Belichtungs- zeit min |
| 160 | 1,5 x 1,5 | 700 | Agfa D4 | 10 | 1,3 |
| Tablelle 1: Bei der Röntgenuntersuchung LB- und EB-geschweißter Bleche verwendete Parameter | |||||
Alle geschweißten Bleche und die Röntgenfilme wurden von zwei Projektpartnern unabhängig voneinander untersucht und bewertet.
Die mittels Röntgenprüfung untersuchten LB- und EB-Stumpfschweißnähte sind hinsichtlich Werkstoff und Blechdicke in Tabelle 2 aufgeführt. Die Fehlerkriterien sind gemäß der Bewertungsgruppe B (streng) nach DIN EN 13919 [12 - 13] gewählt worden. Die meisten Fehler, die zu einer Ablehnung der Schweißnaht führten, waren Gasporen (Fehler 2011, in Anlehnung an [15]), besonders als Porennest (2013) und als verteilte Porosität (2014) (Bild 6).
Bild 6: Co2-LB-Schweißnaht mit unzuverlässiger (ISO DIS 13919-2, Bewertungsgruppe B) linear Porosität (2014; Werkstoff: Al-Legierung 6061, MlMg 1 SiCu, Blechdicke: 5 mm.
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Bild 7: Rißablenkung von der Mitte einer LB-Schweißnaht über die Wärmeeinflußzone in den Grundwerkstoff einer angerissenen Probe unter monotoner Beanspruchung.
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Bild 8: NdYAG-LB-Schweißnaht mit zulässigen (ISO DIS 13919-1, Bewertungsgruppe B)
Poren; Werkstoff: A286, X5NiCrTi26-15,1.4980, Blechdicke: 3 mm
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Bild 9: Röntgenbild mit als Bindefehler (401) und als Wurzelfehler (402) bewerteten Anzeigen; Werkstoff S235JRG2, 10038, Blechdicke: 4mm
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Bild 10: Querschliff des Bereiches aus Bild 9
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Bild 11: Röntgenbild mit einer als Bindefehler (401) bewerteten Anzeige; Werkstoff: Al-Legierung 2024, AlCu4Mg1, 3.1335, Blechdicke: 5mm
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Bild 12: Querschliff des Bereiches aus Bild 11
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Bild 13 Röntgenbild mit einer als Kerbe (5011) bewerteten Anzeige; Werkstoff: Al-Legierung 2024, AlCu4Mg1, 3.1335, Blechdicke: 5mm
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Bild 14: Querschliff des Bereiches aus Bild 13
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| Blechdicke in mm | 3 | 4 | 5 | 6 | 8 | 12 | 40 |
| Werkstoff | |||||||
| Stähle | x | x | x | x | x | ||
| Ni-Legierung | x | ||||||
| Ti-Legierung | x | ||||||
| Al-Legierung | x | x | x | ||||
| Tablelle 2: Werkstoffe und Blechdicke der mittels Röntgenstrahlung untersuchten LB- und EB-stumpfgeschweißten Bleche | |||||||
Untersuchungen an angerissenen Proben konnten belegen, daß Poren mit einer Größe von d = 0,1 t (t = Blechdicke in mm) und einer Poren-Gesamtfläche von maximal 0,7 % der Schweißnahtfläche sich nicht schädlich auf die Eigenschaften der Schweißnaht auswirken (Bild 7). Selbst wenn die Pore im Bezug auf die Schweißnahtbreite groß erscheint, so liegt ihre Größe noch unter dem Ablehnungs-Kriterium. Offensichtlich wirken bei den untersuchten Werkstoffen derartige Poren nicht als innere Kerben und fördern weder Rißentstehung noch deren Ausbreitung. Weiterhin ist die Sichtbarkeit von Poren gut, auch wenn sie klein und selten sind (Bild 8).
Weitaus schwieriger zu beurteilen sind linienförmige Fehler, wie Wurzelfehler (402), Kerben (5011) oder Decklagenunterwölbung (511), die nur bis zu einer bestimmten Größe erlaubt sind. Als ein Beispiel zeigt Bild 9 eine Anzeige, die als Bindefehler (401) und Wurzelfehler (402) bewertet wurden. Nach der Untersuchung eines metallographischen Schliffes dieses Schweißnahtbereiches wurde eine Decklagenunterwölbung (5011) festgestellt (Bild 10). Wichtig ist hierbei zu bemerken, daß bei dem Fehler 511 eine Kerbtiefe von h = 0,1 t erlaubt ist und bei 5011 lediglich h = 0,05 t. Beide Fehler erlauben einen Maximalwert von 0,5 mm. In diesem Fall ist die Schweißnaht von beiden Prüfern unabhängig voneinander zurückgewiesen worden. In allen Fällen, in denen eine Schweißnaht nicht eindeutig zu bewerten war, entschieden sich die Prüfer für den kritischeren Defekt und wiesen die Schweißnaht zurück. Weitere Beispiele hierzu zeigen die Bilder 11 bis 14. Aufgrund der Tatsache, daß eine quantitative Beurteilung der Fehler anhand des Röntgen-Graustufenbildes gemäß den Anforderungen B nach DIN EN 13919 nicht möglich war, führte jede lineare Anzeige zu einer Zurückweisung der Schweißnaht, wie es in [2] vorgeschlagen wird.
Ein weiteres Problem ist die Unterscheidung zwischen einer Unterwölbung (515) und einer Kerbe (5011) aufgrund der für Laser-Schweißnähte charakteristischen feinwelligen Schuppigkeit (Bild 15).
Auch hier gibt es für beide Fehlerarten Unterschiede bezüglich der Grenzen der Anforderungen B nach DIN EN 13919. Während die kritische Defektgröße beim Fehler 5011 h = 0,05 t beträgt, ist sie beim Fehler 515 h = 0,1 t. Die maximal zulässige Größe ist in beiden Fällen 0,5 mm. Da beide Fehler auf dem Röntgenbild mehr oder weniger gleich erscheinen, entschieden sich die Prüfer aus Sicherheitsgründen für eine Zurückweisung der Schweißnaht, ungeachtet der Tatsache, daß einige dieser Bleche die Kriterien gemäß den Anforderungen B nach DIN EN 13919 erfüllen. Die doppelte Prüfung der Bleche erbrachte annähernd ähnliche Ergebnisse. Fast alle Fehler wurden von beiden Prüfern unabhängig voneinander entdeckt. Auffällige Unterschiede traten nur auf, wenn Röntgenfilme vom Typ D4 mit solchen vom Typ D7 miteinander verglichen wurden. Im Falle der höheren Auflösung der Filme vom Typ D4 wurde es den Prüfern ermöglicht, lineare Anzeigen als Bindefehler (401) oder als Wurzelfehler (402) zu unterscheiden. Diese Anzeichen waren bei der Verwendung von Filmen mit einer geringeren Auflösung als D4 nicht sichtbar. Beide Arten von Filmen sind in den Normen zulässig.
Die z.Zt. verfügbaren Normen können als ausreichend betrachtet werden, jedoch erfordern die besonderen Eigenschaften strahlgeschweißter Verbindungen eine besondere Schulung der Röntgenprüfer. Zur Erleichterung der Untersuchung von Röntgenfilmen ist der erste Entwurf eines Schweißfehlerkataloges von LB- und EB-Schweißnähten im Rahmen des ASPOW-Projektes entstanden und wird demnächst veröffentlicht. Darüber hinaus sollte in naher Zukunft die radioskopische Untersuchung von Schweißnähten mit in die Normenwerke aufgenommen werden.
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