| DGZfP-JAHRESTAGUNG 2001 Zerstörungsfreie Materialprüfung | ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung Berlin, 21.-23. Mai 2001 -Berichtsband 75-CD | START |
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Nichtmetallische Werkstoffe werden wegen ihrer hohen spezifischen Festigkeit immer häufiger in sicherheitsrelevanten Bereichen eingesetzt. Wegen dieser Werkstoffaufwertung wird die zuverlässige zerstörungsfreie Prüfung immer wichtiger. Diese kann aber nicht einfach von den metallischen Werkstoffen übernommen werden, weil die physikalischen Eigenschaften und auch die Fehler völlig unterschiedlich sind. Der Beitrag stellt verschiedene moderne ZfP-Verfahren (z. B. Impedanzspektroskopie, Nichtlineare Rastervibrometrie, Ultraschall-Speckle, Schall-Thermografie, Mikrowellen, Luftultraschall) an Praxisbeispielen vor.
Unfälle im Transportwesen haben deutlich gemacht, dass die zuverlässige Charakterisierung von Bauteilen und ihren Veränderungen eine wichtige Voraussetzung für den sicheren Betrieb ist (Abbildung 1). Die Kosten durch Bauteilversagen können um Größenordnungen über denen des defekten Teiles liegen. Darum müssen Schäden so rechtzeitig erkannt werden, dass katastrophales Versagen vermieden wird. Also nicht erst aus Schaden klug werden, wie das Sprichwort sagt, sondern möglichst schon vorher. Aus Zeit- und Kostengründen sollen Bauteile aber nicht unnötig vorbeugend ausgetauscht werden.
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Abb 1: Folge von Bauteilversagen in der Luftfahrt. Nicht alle Flugzeuge können in einer solchen Situation noch koordiniert landen
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Nichtmetallische Werkstoffe werden wegen ihrer hohen spezifischen Festigkeit (Abbildung 2) immer häufiger im Luft- und Raumfahrtbereich verwendet; aber auch in anderen Bereichen (Sportgeräte, Medizin, Bauwesen...) können sich Werkstoff- oder Bauteilversagen katastrophal auswirken.
Hier ist die zerstörungsfreie Prüfung (ZFP) gefordert, die nicht unbedingt auf die Verfahren begrenzt ist, die sich im Bereich des Dampfkesselwesens bewährt haben: Die Erweiterung der Palette nutzt die physikalischen Besonderheiten der Nichtmetalle und ihrer spezifischen Fragestellungen aus. Erfolgreich sind auch Verfahrenskombinationen, beispielsweise von Interferometrie und Akustik oder von Ultraschall und Thermografie.
Abb 2: Dichtebezogene Werkstoffeigenschaften [1].
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Bei der Auswahl der ZfP-Verfahren ist entscheidend, dass mit dem gesuchten Fehler eine möglichst starke Wechselwirkung auftritt. Außerdem spielt eine Rolle, ob das Verfahren auch "vor Ort" in rauher und möglicherweise schwer zugänglicher Umgebung schnell und zuverlässig Aussagen liefert, die unanfällig gegen Störungen oder Fehlinterpretation sind.
Einige moderne Prüfverfahren kommen solchen Vorstellungen schon ziemlich nahe. Dieser Beitrag zeigt konkrete Anwendungsbeispiele, die auch zugleich die Leistungsfähigkeit der ZfP-Verfahren illustrieren.
Nichtmetallische Werkstoffe sind z.B. Keramik und Polymerwerkstoffe mit Faserverstärkung.Sie sind meistens schlechtere Wärmeleiter und elektrische Isolatoren, sie sind inhomogen und oft auch anisotrop. Im Vergleich zu Metallen haben sie eine niedrigere Ordnungszahl und -wenn es sich um Polymerwerkstoffe handelt - auch höhere mechanische Verlustwinkel.
Kohlenstofffaserverstärkte Polymere (CFK) werden häufig als Laminate (Abbildung 3) eingesetzt, und zwar besonders in Strukturen (auch Großbauteile), die leicht und fest sein sollen. Mit integrierter Aktorik lassen sich die Geometrie oder auch die mechanischen Eigenschaften solcher Bauteile beeinflussen ("adaptive Strukturen" oder "Smart structures").
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Abb 3: Laminate entstehen durch Fügen unidirektionaler Lagen von Langfasern.
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Ein großes Anwendungsfeld der Polymere liegt im Bereich der Fügetechnik und der Beschichtungen. Für letztere eignet sich auch Keramik. Das sind nur wenige Beispiele für die vielfältige Anwendung von Nichtmetallen
Nichtmetalle rosten zwar nicht, aber es können ganz andere Fehler auftreten, nach denen man suchen muss, z.B. Risse, Impactschäden, Delaminationen, Aushärtungs- oder Klebefehler.
Auf dieser Tagung werden in verschiedenen Vorträgen folgende Verfahren vorgestellt:
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Nicht alle Verfahren können im Rahmen dieses Vortrags behandelt werden, es wäre auch nicht sinnvoll, anderen Vorträgen vorzugreifen, beispielsweise dem Vortrag von Herrn Dr. Hentschel (BAM Berlin) über die Möglichkeiten der Röntgen-Refraktometrie oder dem Vortrag von Herrn Dr. Mook über Wirbelstromanwendungen an Laminaten. Vielleicht kann aber mit diesem Hinweis Interesse an Bereichen geweckt werden, die sich nicht nur mit metallischen Werkstoffen befassen. Das wäre für unsere Jahrestagung ein deutlicher Schritt vorwärts. Behandelt werden hier punktuell folgende Verfahren und Anwendungen (Tabelle 1):
| Delaminationen, Fügefehler | Impact- Schäden | C/C-SiC Keramik | Adaptive Strukturen | |
| Optisch angeregte Lockin-Thermografie | Do 328 | |||
| Schall-Thermografie | Stringerablösung | CFK-Laminat | Silozierungs-Variationen | Aktorablösung, Aktorbruch |
| Akusto-Interferometrie: Ultraschall-Speckle | Delamination CFK | CFK-Laminat | ||
| Luftultraschall | Holz, CFK, C/C-SiC | CFK-Laminat | Fügefehler | |
| Korrelations-Impedanzspektroskopie: | CFK-Laminat | |||
| Nichtlineare Rastervibrometrie | GFK-Laminat | CFK-Laminat | Silozierungs-Variationen | Aktorablösung |
| Tabelle 1: ZfP-Methoden und Anwendungsbeispiele dieses Artikels. | ||||
Insgesamt soll dieser Einführungsvortrag anschaulich auf folgende Fragen eingehen:
Was geht mit welchen Methoden wie gut?
Wie sehen typische Ergebnisse aus?
Was bedeuten die Bilder?
Wo liegen Einschränkungen der Anwendungen?
Die einzelnen Methoden werden jeweils anhand ihrer typischen Anwendungen vorgestellt.
3.1 Dynamische Thermografie.
Die bunten Bilder der Thermografie sind aus verschiedenen Anwendungsbereichen bekannt
(z.B. Bauwesen und Medizin). Die Möglichkeiten wurden häufig überschätzt, weil Fehlereinflüsse zu wenig beachtet wurden. Die Fehldeutung von Strukturen kann teuer werden. Thermografie wird wesentlich zuverlässiger, wenn sie dynamisch betrieben wird, d.h. wenn die Einflüsse, deren Effekt man untersuchen will, als zeitlicher Puls oder als periodische Veränderung eingebracht werden können. Letztere ("Lockin-Thermografie" [2-5]) hat den Vorteil, dass sie potentiell schädigende Leistungsspitzen vermeidet. Lockin-Thermografie (Abbildung 4) spricht nur auf die Temperaturveränderungen an, die durch die periodische Beleuchtung hervorgerufen werden - gleichbleibende Temperaturen werden ignoriert. Von den Veränderungen werden nämlich nur die erfasst, die dieselbe Frequenz haben wie die Modulation der optischen Beleuchtung. Zufällige oder störungsbedingte Veränderungen wirken sich deswegen kaum aus. Mathematisch erreicht man das durch eine Fourieranalyse an jedem einzelnen Bildpunkt durch den ganzen Stapel der Thermografiebildsequenz. So wird die Information der Sequenz zu zwei Bildern der lokalen Fourierkomponente verdichtet - zu dem Amplitudenbild (das die Höhe der lokalen Temperaturmodulation darstellt) und dem Phasenbild. Letzteres zeigt die (auf die Periodendauer der Modulation normierte) zeitliche Verzögerung zwischen der optischen Beleuchtung und der lokalen thermischen Antwort, nämlich der Temperaturfeldmodulation. Dieser Vorgang kann auch an Großbauteilen erfolgen, z.B. dem Heck eines Passagierflugzeuges. Das Phasenbild macht die hinter der CFK-Außenhaut verborgenen Spanten und Stringer erkennbar (Abbildung 5). Die Intensität der optischen Beleuchtung entspricht etwa der der Sonne an einem Julimittag, sie ist somit "zerstörungsfrei".
Abb 4: Prinzipskizze zur Lockin-Thermografie [6].
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Abb 5: Berührungslose zerstörungsfreie Prüfung eines Passagierflugzeugs (Do 328) mit Lockin-Thermografie: Phasenbild der Spanten (rote Linien) und Stringer(gelbe Linien) im CFK-Heckkonus. Messdauer ca. 3 Minuten.[10].
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Was bedeuten solche Bilder? Die Temperaturmodulation breitet sich von der Bauteiloberfläche als "thermische Welle" ins Innere aus. An thermischen Grenzflächen werden diese Wellen reflektiert, sie laufen zur Oberfläche zurück, wo sie durch überlagerung mit der einlaufenden thermischen Welle das Temperaturfeld (Interferenz) verändern. Solche Bilder zeigen also anschaulich "Thermische Echos verborgener Strukturen", wobei das Amplitudenbild die Stärke des Echos angibt und das Phasenbild die Tiefe der Grenzfläche. Daher eignen sich optisch erzeugte thermische Wellen auch zur berührungslosen Messung bzw. Abbildung von Lackdicken und lokalen Lackenthaftungen [7].
Abb 6: Tiefenreichweite von Amplituden- und Phasenbild [9].
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Wegen der starken Dämpfung thermischer Wellen ist die Tiefenreichweite etwa durch die "thermische Eindringtiefe m " gegeben [8], wobei m = (2 x Temperaturleitfähigkeit / Modulationsfrequenz)1/2 ist. Die Vorteile von Phasenbildern liegen in der erhöhten Tiefenreichweite (1,8 x mstatt m) [9] sowie in der Unanfälligkeit gegen optische Oberflächenstruktur und ungleichmäßige Ausleuchtung.
Der Verlauf "Auswirkung der Defekttiefe auf Amplitude und Phase" (Abbildung 6) [9].wird letztlich durch Interferenz der thermischen Wellen verursacht.
Zur besseren Vergleichbarkeit der Ergebnisse werden unterschiedliche Verfahren auf dieselbe Probe angewendet, ein CFK-Laminat mit Impact und Delaminationen in unterschiedlichen Tiefen. Messergebnisse an Vorder- und Rückseite der Probe mit dieser optisch angeregten Lockin-Thermografie (OLT) zeigt Abbildung 7. Die Bilder, die mit den einzelnen ZfP-Verfahren entstanden, sind in Kapitel 5 zusammenfassend dargestellt.
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Abb 7: CFK-Laminat (Dicke: 6 mm) mit Delamination und Impact: Lockin-Thermografie mit optischer Anregung bei 0,03 Hz. | | ||
3.2 Defektselektive zerstörungsfreie Prüfung mit Ultraschall-Thermografie
Bisher erfolgte die Leistungszufuhr optisch von außen. Man könnte auch einen Luftstrom nehmen, der abwechselnd heizt und kühlt, oder - bei elektrisch leitenden Werkstoffen - auch Wirbelstrom [11].
Es ist aber auch eine modulierte interne Heizung denkbar, etwa mittels im Bauteil eingebauter elektrischer Komponenten, die man periodisch mit Spannung versorgt [11, 12]. Dann zeigt das Amplitudenbild nur diese Komponenten, während das Phasenbild die Tiefe wiedergibt, in der sie sich befinden. Da es in diesem Fall nicht um Interferenzeffekte geht, ist der Phasenwinkel proportional zur Tiefe der modulierten Heizquelle, und die Tiefenreichweite ist im Unterschied zur OLT nicht durch die thermische Eindringtiefe begrenzt, sondern durch die Empfindlichkeit der Thermografiekamera. In Analogie zu dieser Heizung mit dem lokalen elektrischen Verlustwinkel gibt es auch die Heizung mit mechanischen Verlusten, bei denen Wärme über Hysterese- oder Reibungseffekte aus mechanischer Energie erzeugt wird.
Dieser Gedanke ist nicht grundlegend neu (Tabelle 2), und inzwischen arbeiten weitere Gruppen an der Thematik [19, 20].
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Abb 8: Hysterese: Dissipierte Energiedichte bei jedem Schwingungszyklus.
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Mit höherfrequenten Schwingungen wird in Abbildung 8 pro Sekunde mehr Fläche erzeugt, also mehr Wärme. Darum sind höhere Frequenzen effizienter, im Versuchsaufbau für diese ultraschallangeregte Thermografie verwenden wir typischerweise 20 kHz. Bauteilresonanzen werden bewusst vermieden, weil an Schwingungsknoten eine Schadensdetektion nicht möglich wäre. Wird die Ultraschallleistung moduliert ("Lockin-Thermografie", ULT, Abbildung 9), so pulsiert der Defekt, er wird über Fourieranalyse bei dieser Frequenz identifiziert. Er wird also thermisch markiert und wird dann ebenso selektiv erkannt wie Risse mit fluoreszierendem Eindringmittel - nur in diesem Fall ohne Substanz ("sauber") und ohne die Einschränkung, dass der Defekt zur Oberfläche offen sein muss.
Abb 9: Ultraschallangeregte Thermografie (ULT) bildet z.B. die lokale Hysterese ab.
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Der Unterschied zwischen OLT und ULT wird am Beispiel (Abbildung 10) besonders deutlich: Im einen Fall werden sämtliche Grenzflächen der Struktur abgebildet, auch die intakten, im anderen Fall fast nur die, die unter oszillierender Belastung Wärme erzeugen. Die ULT liefert also Bilder der lokalen Hysterese, wobei das Phasenbild zusätzlich noch die Tiefe der Stelle mit der erhöhten Hysterese darstellt. Mit OLT kann man Fehler nur indirekt dadurch feststellen, dass man Soll- und Ist-Zustand der Struktur vergleicht. ULT erfasst überhaupt nur die Fehler. Das ist für schnelle und zuverlässige Inspektionen wichtig. Interessanterweise wird ein Impactschaden an der Impactseite erheblich besser mit ULT als mit OLT erkannt (Abbildung 11).
Abb 10: Schlagbedingter Schaden an einer CFK-Wartungsklappe mit OLT (links) und ULT (rechts, bei 600 W). Jeweils Phasenbild bei 0,03 Hz.
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Abb 11: Vergleich OLT und ULT: Erkennung des Impact-Schadens in CFK- Platte an der Impactseite [21].
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Die Ablösung von Stringern erkennt man mit OLT an der Unterbrechung von Strukturen - mit OLT hingegen am Aufleuchten des geschädigten Bereiches (Abbildung 12).
Abb 12: Stringer-Ablösung und Risserkennung an einem CFK-Panel [22].
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3.3 Defektselektive Verfahren: Ultraschallangeregte Speckle-Interferometrie und Obertonrastervibrometrie.
Electronic-Speckle-Pattern-Interferometrie (ESPI) erfasst die Differenz zweier Verformungszustände und stellt sie in Form von Streifen dar, die wie auf einer Wanderkarte Höhenlinien entsprechen, allerdings mit dem Unterschied, dass es sich um die Differenz zu einem "Referenzzustand" handelt. Derzeit wird am IKP ein weiteres defektselektives Verfahren entwickelt, das die Defekte aufgrund der von ihnen verursachten Oberflächendeformation erfasst: Wie bei ULT steht am Anfang die Erwärmung durch Hysterese und/oder Reibungseffekte im Ultraschallfeld. Dabei kommt es neben der erhöhten thermischen Abstrahlung, die ULT verwendet, auch zur thermischen Ausdehnung dieses Bereiches, die zu einer Deformation der Oberfläche führt. Die Verrechnung eines Bildes, das vor der Ultraschalleinstrahlung aufgenommen wurde, mit dem danach aufgenommenen zeigt diese hysteresebedingte "thermische Beule". Sie markiert Defekte, die sich durch erhöhte mechanische Verluste auszeichnen (Abbildung 13) [23]
Abb 13: Weiteres defektselektives Verfahren: Interferometrie mit akustischer Burst-Anregung (Ultraschall-Electronic-Speckle-Pattern-Interferometrie). Abgebildet wird die "thermische Beule" über dem Defekt mit erhöhter Hysterese.[23].
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Abb 15: Defektselektive Erkennung einer Delamination in adaptiver GFK-Struktur mittels lokaler Obertöne [27].
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Abb 14: Lokale nichtlineare Vibrometrie zur selektiven Schadenserkennung [27].
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3.4 Korrelationsvibrometrie zur Schadenserkennung in adaptiven Strukturen.
Bei der erwähnten Anwendung als integrales Verfahren ergibt sich eine thematische Nähe zur klassischen Vibrometrie [28-30]. Auch diese lässt sich an adaptiven Strukturen unter Ausnutzung der eingebauten Aktorik durchführen. Da in diesem Fall die Reproduzierbarkeit der Ankopplung gegeben ist, ergibt sich eine einfache Methode zur Erkennung gebrauchsbedingter Veränderungen. Statt die mechanischen Eigenschaften über die Aufnahme der Schwingung zu erfassen, kann man auch mit einem Impedanzanalysator, der an den Aktor angeschlossen wird, spektrale Veränderungen der Leistungsaufnahme erfassen [31-33]. Das wird am Beispiel von Impactschäden in einer adaptiven CFK-Struktur gezeigt (Abbildung 16):
Abb 16: Mechanische Spektroskopie: Integrale Korrelationsvibrometrie zum Nachweis kumulativer Schädigung, dielektrisch gemessen mit internem Aktor [33].
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Der Phasenwinkel der Admittanz hat eine spektrale Struktur, die sich bei wachsender Impactschädigung der Struktur verändert. Eine Maßzahl für die auftretende Veränderung (bzw. die ähnlichkeit mit dem ursprünglichen Verlauf) ist der Korrelationskoeffizient zwischen dem aktuellen und dem anfänglichen Spektrum. Ermittelt man diesen jeweils und trägt ihn über der Impactenergie auf, so ergibt sich ein klarer Zusammenhang: Der Korrelationskoeffizient mit Impactenergie 0 kennzeichnet die Reproduzierbarkeit der Messung, er entspricht etwa den Werten bis zur Impactenergie 1 Joule. Oberhalb dieser Energie fällt der Korrelationskoeffizient signifikant ab. Interessanterweise lässt sich diese Messung kumulativ durchführen: Nach der Versuchsserie an Impactort 1 wurde eine zweite Impactmessung (Impactort 2) durchgeführt, wobei das letzte Spektrum der Reihe 1 als Referenz diente. Mit guter Genauigkeit ergibt sich dieselbe Kurve. Das Verfahren sollte sich zum zuverlässigen und einfachen Selbsttest adaptiver Strukturen eignen, wobei sich auch erkennen lässt, welche kritischen Veränderungen nach einem bestimmten Zeitpunkt erfolgt sind.
3.5 ZFP an C/SiC
Nachdem die ZFP an einer modernen Prüfaufgabe vorgestellt wurde, geht es nun um einen modernen Werkstoff: C/SiC entsteht aus CFK durch Pyrolyse der Polymermatrix und anschließendes Silizieren des Kohlenstofffasergerüstes bei hoher Temperatur, so dass flüssiges Silizium eindringt und an den Grenzflächen zu SiC regiert. Dieser Verbundwerkstoff wird z.B. für Hochleistungsbremsscheiben und für die Nasenkappe der X-38 (Rettungsflugkörper für Astronauten) verwendet (Abbildung 17). Von Interesse ist die Erkennung inhomogener Silizierung.
An einer Probe wurden die Ergebnisse dreier ZfP-Verfahren verglichen (Abbildung 18). Mit OLT sieht man die unterschiedliche Silizierung, mit ULT die von diesem Bereich ausgehenden und gegeneinander reibenden Grenzflächen. Das rechte Bild zeigt hingegen die Bereiche, in denen die Grenzfläche gegeneinander klappern. Die drei Bilder sehen unterschiedliche aus, weil sie verschiedene physikalische Aspekte desselben Fehlers erfassen.
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Abb 17: Anwendungen von C/SiC - Keramik.
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Abb 18: ZFP an C/SiC mit OLT (links) und ULT (Mitte), Phasenbilder bei 0,03 Hz. Das Bild rechts wurde mit rasternder Obertonvibrometrie erzeugt [22].
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Die zerstörungsfreie Untersuchung von Werkstoffen und Bauteilen mit Ultraschall ist seit langer Zeit weitverbreitet. Der Impedanzunterschied zwischen Festkörper und Luft und der damit verbundene Signalabfall um bis zu 150 dB bedingt ein Koppelmittel (Wasser oder Gel). Dieser mechanische Kontakt bedeutet eine Einschränkung der Meßmethode, weil z.B. wasserempfindliche Werkstoffe verändert werden könnten. Daher besteht anwenderseitig erhebliches Interesse an berührungslosen (d.h. luftgekoppelten) Ultraschalluntersuchungen (Abbildung 19).
Abb 19: Prinzipbild der Luftultraschallanlage (Hillscan 4000).
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Mit einem kommerziell erhältlichen Messgerät haben wir an einer gefügten C/SiC Platte Ultraschalluntersuchungen mit Luftankopplung in Transmission durchgeführt [34]. Die schlechte Kontaktstelle in dieser einige cm dicken Probe ist klar zu erkennen (Abbildung 20).
Abb 20: C-Scan: C/C-SiC Faserkeramik.
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Messungen wurden auch an den oben beschriebenen adaptiven Strukturen durchgeführt, wobei es um die Erkennung und Charakterisierung von Brüchen in der Aktorik ging. Die Transmissionsmessung mit Luftultraschall zeigt die Lage des Aktors (Abbildung 21, links). Betreibt man in Anlehnung an die oben beschriebenen Untersuchungen den Aktor als Sender für Luftultraschall und rastert mit dem Ultraschallempfänger die Probe ab (Messungen dieser Art wurden erstmals von Dr. Mook in Magdeburg mit wassergekoppeltem Ultraschall durchgeführt [35]), so sind die noch intakten Bereiche zu erkennen. Solche Messungen sollte man den integralen Untersuchungen (z.B. mit dielektrischer Spektroskopie) nachschalten.
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Abb 21: Defekte Aktorik in adaptiver Struktur. Von links nach rechts: Optisches Bild, Luftultraschalltransmission, Röntgenbild, Luftultraschall mit Aktor als Sender. Nur letzteres zeigt die noch aktiven Bereiche.
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Bei den vorgestellten neuen ZfP-Verfahren (weitere übersicht in [36]) sind Verfahrenskombinationen besonders erfolgreich, beispielsweise die Kombination von Interferometrie und Akustik, von Ultraschall und Thermografie oder von dielektrischer Spektroskopie und Vibrometrie, weil sie den Forderungen der Praxis nach schnellen und aussagefähigen Ergebnissen entgegenkommen. Die Ergebnisse, die mit den unterschiedlichen Verfahren an der Modellprobe erzielt wurden, sind in Abbildung 22 zusammengestellt. Das blau dargestellte Rechteck kennzeichnet eine Grenzfläche, die intakt ist. Sie wird -ebenso wie die Defekte- mit den grenzflächenempfindlichen Verfahren OLT und Ultraschall erfasst, weil diese auf Impedanzunterschiede ansprechen. Hingegen sprechen ULT, Ultraschall-ESPI und Oberton-Rastervibrometrie selektiv auf Defekteigenschaften an und unterscheiden hierdurch gute von defekten Grenzflächen.
Abb 22: Zusammenfassender Vergleich der ZfP-Ergebnisse an derselben Probe |
Die defektselektiven Verfahren haben trotz ihrer Praxisrelevanz eine Schwierigkeit gemeinsam: Die hohen einzukoppelnden Schall-Leistungen begrenzen die Größe der zu prüfenden Bauteile auf ca. 0,5 m2. Für solche Untersuchungen sind jedoch Bauteile mit bereits eingebauten piezoelektrischen Verstellelementen ("adaptive Strukturen" oder "smart structures") geradezu prädestiniert: Diese können nämlich direkt als Schwingungsgeber betrieben werden und so einen Selbsttest ermöglichen [27, 34].
Die zerstörungsfreie Prüfung wird meistens nur zum Auffinden der Fehler eingesetzt - das kann nur ein Zwischenziel sein. Beurteilung der Relevanz, Vorhersage der Fehlerentwicklung unter gegebener Belastung, Vorhersage der sicheren Betriebsdauer - alles das sind wichtige weitere Schritte. Um den Schädigungsverlaufs in Nichtmetallen besser zu verstehen, müssen Untersuchungen stattfinden, bei denen ZfP-Verfahren den Ablauf stetig begleiten. Nur so können ZfP-Befunde mit den tatsächlichen Schädigungsabläufen so weit zusammengebracht werden, dass eine Abschätzung der weiteren Entwicklung und der sicheren Restlebensdauer langfristig denkbar werden. Solche Untersuchungen sollen u.a. im SFB 381 erfolgen.
Wir danken den Institutionen, die unsere Arbeiten finanzieren, für die Unterstützung: Dem BMBF für die Förderung der optisch angeregten Lockin-Thermografie (Projekt Nr. 03N8006B0), der DFG für die Förderung im Rahmen der Sonderforschungsbereiche SFB 381 und SFB 409, und dem Land Baden-Württemberg für die Förderung der scannenden Obertonvibrometrie und der Ultraschall-Thermografie im Rahmen eines Schwerpunktsprojektes.
Last not least möchten wir unseren Industriepartnern und Nachbarinstituten für die großzügige Unterstützung durch Probenmaterial und Messmöglichkeiten danken: DLR Stuttgart, Fairchild/Dornier, FLIR/Agema, Malter Air Service sowie dem IWB und dem IFB der Universität Stuttgart.
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