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| DGZfP-JAHRESTAGUNG 2002 ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung | |||||
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Die berührungsfreie Dickenmessung und Analyse sehr dünner Schichten mit nuklidangeregter RöntgenfluoreszenzChristian Segebade, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin; Erik Gührs,Org. Jugend Forscht, Berlin; Peter Zweigler, Org. Jugend Forscht, Berlin Kontakt: C. Segebade ZusammenfassungEs wurde ein berührungsfreies Verfahren zur Messung sehr dünner Schichten mit Hilfe der nuklidangeregten Röntgenfluoreszenz entwickelt. Wegen der starken Absorptivität der arteigenen Röntgenstrahlung arbeitet das Verfahren besonders empfindlich und präzise im niedrigen Dickenbereich, etwa von >1 bis 10 mm. 241Am wurde als Anregungsquelle verwendet. Die nuklearen Daten sind für die beschriebene Anwendung günstig. Zur Spektrometrie wurde ein batteriebetriebenes transportables Halbleiterspektrometer verwendet, da das Verfahren auch vor Ort, z.B. auf Baustellen verwendbar sein soll. Mit dem beschriebenen Meßaufbau kann praktisch jedes Material gemessen werden. Da die im Prüfkörper erzeugte Fluoreszenz-energie elementspezifisch spektral verteilt ist, können mit derselben Apparatur auch Materialanalysen ausgeführt werden. Stichwörter EinführungDie präzise Messung dünner Schichten ist vielfach problematisch, nicht zuletzt wegen derer mechanischen Empfindlichkeit oder elementarer Zusammensetzung. So sind zerstörungsfreie Methoden wie magnetische oder Ultraschallmessungen vielfach ebensowenig anwendbar wie Wirbelstrom- oder lichtoptische, ganz zu schweigen von mechanischen Meßverfahren. Mit radioaktiven Strahlenverfahren, ausgeführt im Durchstrahlungs- (Absorptions-) [1] oder Streumodus [2,3] können Schichten aus nahezu beliebigem Material in einem weiten Dickenbereich zerstörungs- und im günstigen Fall berührungsfrei gemessen werden. Die Dickenmessung mit Hilfe der Röntgenfluoreszenz [4] stellt eine Variante der Absorptionsmessung dar. Das Prüfobjekt wird mit ionisierender Strahlung zur Röntgenfluoreszenz angeregt. Im Allgemeinen wird Strahlung aus einer Röntgenröhre oder einem Radionuklid zur Anregung verwendet. Die so im Prüfkörper erzeugte Röntgenfluoreszenzenergie ist spektral verteilt und materialcharakteristisch [5]. Diese Strahlung wird beim Durchgang durch den Prüfkörper zum Teil absorbiert und kann daher zur Dickenmessung verwendet werden. Bei den genannten Strahlenverfahren wird meist Photonenstrahlung aus der Primärquelle verwendet (Röntgen- bzw. g-Strahlung), in Sonderfällen können aber auch andere Strahlenarten zum Einsatz kommen [6,7]. Dickenmessung im Durchstrahlungs- und StreumodusDer Aufbau einer Durchstrahlungsmeßsonde ist in Bild 1 dargestellt.
In erster Näherung folgt dieses Verfahren relativ einfach definierbaren physikalischen Vorgängen (s. Gl.1).
I = gemessene Impulsrate hinter nach Absorption in der Schichtdicke d Bei diesem Verfahren muß der Meßkörper in jedem Fall von beiden Seiten zugänglich sein. Anders bei der Dickenmessung im Streumodus, die von einer Seite her ausgeführt werden kann [2], wie in Bild 2 dargestellt. Zwei Wechselwirkungen von Photonen mit Materie dominieren hier: die elastische Streuung (Rayleigh - Streuung), bei der keine Energie auf den Prüfkörper übertragen wird, und die inelastische Streuung (Compton - Streuung), bei der ein Teil der Primärenergie im Prüfkörper verbleibt [3]. Bei beiden Streumechanismen sind die Rückstreuraten in gewissen Grenzen von der Dicke des Prüfkörpers abhängig.
Dickenmessung mit RöntgenfluoreszenzDie Messung kann mit Nutzung zweier verschiedener Mechanismen ausgeführt werden: 1 Dickenmessung mit Hilfe der Eigenfluoreszenz
Hierin sind:
Für folgende Elemente wurden mit Hilfe dünner Folien Kalibrierfunktionen für dünne Schichten aufgestellt: Titan, Eisen, Nickel, Kupfer, Zink, Zirkonium, Niob, Silber, Cadmium, Zinn.
Die Dickenmessung von Elementen mit noch höheren Ordnungszahlen war aus meßtechnischen Gründen mit Hilfe der Eigenfluoreszenz nicht ausführbar; Mit der Strahlungsenergie der Primärquelle (241Am; 59,6 keV) konnte die k-Strahlung der Elemente mit Z>74 (Wolfram; tatsächlich lag die Grenze aus meßtechnischen Gründen noch niedriger) nicht angeregt werden, sondern nur ihre L-Strahlung. Deren Energie aber ist so niedrig, daß nur extrem dünne Schichten meßtechnisch erfaßbar wären. Zudem ist die L-Fluoreszenzausbeute weitaus geringer als die der k-Strahlung; es müßten deutlich längere Meßzeiten in Kauf genommen werden. Die betroffenen Elemente (Tantal, Gold, Blei) konnten jedoch mit Anwendung einer Sekundärquelle gemessen werden (s.u., Dickenmessung mit Hilfe einer Sekundärquelle).
Im Folgenden sind beispielhaft die ermittelten Kalibrierfunktionen für die Elemente Nickel, Zirkonium und Zinn dargestellt (Bild 6 - 8).
Wie aus den Kalibrierfunktionen zu entnehmen, ist die Messung im Bereich zwischen >0 und 10 mm mit guter, zwischen 10 und ca. 20 mm mit noch brauchbarer Empfindlichkeit ausführbar. Dickere Schichten sind wegen der Matrixabsorption der Fluoreszenzstrahlung nicht meßbar. In diesem Fall ist wiederum die Messung mit einer Sekundärquelle möglich (s.u.).
2 Dickenmessung mit Hilfe einer Sekundärquelle
Beim in Bild 9 und 10 dargestellten Anwendungsfall (Nickelfolie als Meßkörper und Zinn als Sekundärquelle) kann der Meßbereich bei Bedarf durch Verwendung einer Sekundärquelle mit höherer Ordnungszahl (und damit höherer Fluoreszenzenergie) erweitwert werden. Messung von Mehrfachschichten und MaterialanalyseBei den oben beschriebenen Meßverfahren im Durchstrahlungs- bzw. Streumodus haben die Materialeigenschaften des Prüfkörpers (in erster Linie die Ordnungszahl, weniger ausgeprägt die Dichte) Einfluß auf das Absorptions- bzw. Streuverhalten der Strahlung; die Signalenergie dagegen wird praktisch nicht beeinflußt. Anders beim Fluoreszenzverfahren, bei dem ein charakteristisches Signalspektrum erzeugt wird. Das eröffnet weitere Anwendungsmöglichkeiten der Methode: 1 - Die differentielle Dickenmessung von Mehrfachschichten und 2 - die qualitative und quantitative Materialanalyse (Röntgenfluoreszenzanalyse; RFA). 1 - Dickenmessung von Mehrfachschichten
Der Meßaufbau für Mehrfachschichten ist in Bild 11 schematisch dargestellt. Die Schichtdicken der einzelnen Komponenten kann mit Hilfe ihrer elementtypischen Signale (s. Bild 12) ermittelt werden. Allerdings ist eine solche Anwendung praktisch nur bei extrem dünnen Schichten möglich, da sonst Signale aus tiefer liegenden Schichten unter Umständen von darüberliegenden total absorbiert werden könnten.
2 - Materialanalyse durch Röntgenfluoreszenzspektrometrie (RFA)
AnalysenergebnisIn Tab. 1 sind die ermittelten Elementgehalte in der Bronzeprobe sowie die zertifizierten Vorgabewerte aufgeführt.
SchlußfolgerungDie Vorteile der Fluoreszenzmethode sind:
AusblickDas beschriebene Materialanalysenverfahren ist zur Zeit im Validierungsprozess. Als weiteres Meßverfahren wird die Messung mit Hilfe der K-Kantenabsorption ausgearbeitet. Damit eröffnen sich noch weitere Möglichkeiten der zerstörungsfreien Materialuntersuchung mit dem beschriebenen Meßaufbau. Literatur
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