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| DGZfP-JAHRESTAGUNG 2002 ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung | |||||
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Das Basisanliegen von Zuverlässigkeitsuntersuchungen und eine Momentaufnahme im internationalen GeschehenChristina Müller, Uwe Ewert, Martina Scharmach (BAM Berlin)Jörg Völker (Siemens Power Generation Berlin) Lloyd Schaefer (Honeywell, Phoenix, USA) Kontakt: C. Müller, U. Ewert 1 Das Basisanliegen - EinleitungMit der zunehmenden Zahl akkreditierter ZfP-Firmen und zunehmender Anwendung risikobasierender Konzepte ergibt sich die Notwendigkeit, internationale Standards wie die DIN EN ISO 17025 und darüber hinausgehende Richtlinien bei der Verfahrensauswahl in der ZfP zu berücksichtigen. Dieser Aufsatz soll aufzeigen, welche internationalen Aktivitäten gegenwärtig für die Zuverlässigkeitsbetrachtungen von Bedeutung sind (siehe auch [1]). In Übereinstimmung mit den Vereinbarungen und Definitionen der European-American Workshops zur Zuverlässigkeit [2, 3] gilt: Das Basisanliegen der Zuverlässigkeitsuntersuchungen beliebiger diagnostischer Systeme besteht darin, den Grad festzustellen mit dem das Prüfsystem in der Lage ist, seinen vorgesehenen Zweck zu erfüllen. Im Falle der ZfP besteht dieser Zweck zumeist in der Aufgabe, Bauteildefekte aufzufinden und zu beschreiben bzw. die Defektfreiheit von Bauteilen zu bestätigen, sowie Wanddicken zu messen oder Material zu charakterisieren. Das Basisanliegen der Zuverlässigkeitsuntersuchungen findet seinen Niederschlag bei folgenden international relevanten Aktivitäten:
Im folgenden wird auf die einzelnen Punkte näher eingegangen. 2 Die neue ISO 17025 und die Notwendigkeit der Verfahrensvalidierung mit variablen MöglichkeitenDas in Kraft treten der neuen DINISO/IEC17025 (April2000) "Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz von Prüf- und Kalibrierlaboratorien" in Nachfolge der DIN EN45001 stellt für die zerstörungsfreie Prüfung eine Herausforderung dar, denn neben der allgemeinen Richtlinie für Kompetenznachweise ist diese Norm das Basisdokument für Akkreditierungen. Für diejenigen Firmen und Laboratorien, die die Akkreditierung für sich als anerkannte Form des Kompetenznachweises gewählt haben, sind folgende Punkte in der Norm bzgl. der Verfahrensvalidierung von Bedeutung (Wir zitieren die Norm im Originaltext.): 2.1 Punkt 5.4.4: Nicht in normativen Dokumenten festgelegte Verfahren 2.2 Punkt 5.4.5: Validierung von Verfahren 2.2.2 Punkt 5.4.5.2:
2.3 Punkt 5.4.6: Schätzung der Messunsicherheit mit Punkt 5.4.6.3: ANMERKUNG3: Weitere Informationen sind in den Normen der Reihe ISO5725 und dem "Guide to the Expression of Uncertrainty in Measurement" enthalten (siehe Literaturhinweise). In den folgenden Abschnitten soll Hilfestellung dafür geben werden, wie ungenormte Verfahren in der ZfP validiert werden können, indem eine "Werkzeugkiste" bereitgestellt wird, die Validierungsmethoden für die verschiedenen Niveaus der Sicherheitsanforderungen und den möglichen Aufwand zur Verfügung stellt. Dabei ist uns wohl bewusst, dass ähnliche Werkzeuge in industriell erprobten Prozessen bereits existieren. Die Anwendung der ISO17025 bedeutet auch, die vorhandenen Prozesse systematisch zu beleuchten. Die Punkte zur Abschätzung der Messunsicherheit wurden hier hinzugefügt. Es muß zur Vorsicht beim Umgang mit der ISO17025 gemahnt werden. Denn es ist klar, dass bei rein "detektiven" ZfP-Verfahren (Fehlersuche und -klassifizierung), die Messunsicherheit in Form der üblichen Standardabweichung von Messwerten nicht angewandt werden kann. Die Erweiterung der ISO17025 auf qualitative Prüfverfahren ist in Vorbereitung. Vorab wurde von der BAM eine interne Richtlinie zur Bestimmung der Ergebnisunsicherheit bei qualitativen Prüfergebnissen erarbeitet [6]. Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch, dass beim Validieren oder beim Bestimmen der Messunsicherheit nicht über das Ziel hinaus geschossen wird bzgl. des zu vertretenden Aufwandes und der Kosten im Verhältnis zum Risiko für die Sicherheit von Personen und Anlagen. In Abbildung1 demonstrieren wir dieses
Prinzip an Hand der "bedarfsgerechten Zuverlässigkeit", wo mit wachsendem Risiko für die öffentlichkeit und entsprechend zur Verfügung gestellten Ressourcen, der Aufwand für die Tests steigt und eine erhöhte Sicherheit der Prozesse gewährleistet. Auf der anderen Seite sind für weniger hohe Risiken auch einfachere und billigere Methoden legitim. Hierzu noch einmal die ISO17025 Punkt5.4.5.3 ANMERKUNG3 im Originalzitat: Bei der Validierung sind immer die Kosten, Risiken und technischen Möglichkeiten abzuwägen. In vielen Fällen können der Bereich und die Unsicherheit der Werte (z.B. für Genauigkeit, Nachweisgrenze, Selektivität, Linearität, Wiederholpräzision, Reproduzierbarkeit, Robustheit, Querempfindlichkeit) mangels Information nur in vereinfachter Weise angegeben werden. 3 Möglichkeiten der VerfahrensvalidiereungIn die bunte Palette der unter Punkt5.4.5.2 angebotenen Möglichkeiten zur Bestimmung der zur Validierung heranzuziehenden Verfahrensmerkmale lassen sich die nachfolgenden, in der ZfP bereits üblichen Kalibrier - bzw. Justiermethoden und Verfahren zum Vergleich und zur Bewertung einordnen. Und hier noch einmal die Norm im Originalzitat, um den Begriff "Verfahrensmerkmale" im Zusammenhang zu erläutern: Punkt 5.4.5.3 ANMERKUNG 1: 3.1 Vergleichskörperuntersuchungen
Zu den Vergleichkörpern ist zusätzlich zu bemerken, dass sie oftmals in der die Verfahrensanwendung beschreibenden Norm herangezogen werden. Dieser Valdierungsschritt basiert auf vielen Jahren praktischer Erfahrung der Experten. Der Schwachpunkt ist der fehlende Nachweis ganz bestimmter und besonders komplizierter Defektsituationen, wie z.B. bei intergranularer Spannungs-Riss-Korrosion. 3.2 ROC (Relative or Receiver Operating Characteristic) Hier soll die Wichtigkeit des Vergleichs der Methoden unter Einbeziehung der variablen Empfindlichkeit betont werden, da falsche Eindrücke entstehen können wenn zwei Verfahren mit unterschiedlichen Empfindlichkeitseinstellungen verglichen werden.
Das System1 erzielt stets mit gleicher Wahrscheinlichkeit richtige und falsche Prüfergebnisse, d.h. man könnte hier auch auswürfeln ob ein Prüfabschnitt defekt ist oder nicht. Das System7 dagegen (äußerste linke Kurve) erzielt bei 96%iger Wahrscheinlichkeit für richtige Aussagen nur 10% Falschaussagen, bei einer Justierung auf 70% Richtiganzeigen ist der Anteil der Falschanzeigen sogar kleiner als 2%. Man erkennt, dass die Prüfqualität um so besser ist, je mehr sich die ROC-Kurve an die linke obere Ecke anschmiegt: sie wächst von Kurve2 bis 7 an und würde mit der Eckkurve selbst ein ideales System repräsentieren, das bei 0%Falschaussagen 100%Richtigaussagen erzielt. Weiterhin kann man aus dem Diagramm entnehmen, dass die Größe der Fläche unter der ROC-Kurve ein gutes Maß für die globale Prüfqualität darstellt: Von der Kurve0 bis zur Eckkurve wächst sie von 0.5 bis 1.0. Würde man jetzt System7 bei einer sehr geringen Empfindlichkeit mit System3 bei einer hohen Empfindlichkeit vergleichen, würde man fälschlicherweise System3 wählen, da System7 noch nicht sein volles Potential der Auffindwahrscheinlichkeit bei der niedrigen Empfindlichkeit entfaltet hat. 3.3 POD Probability of Detection - Fehlerauffindwahrscheinlichkeit
Die Ursprungsversion der POD stammt aus der amerikanischen Luftfahrtindustrie, insbesondere aus den Bereichen der Prüfung der hochbelasteten Gasturbinen im Militärsektor. Daher kann man zwar das methodische Grundkonzept auf andere Bereiche übertragen[9] - muss jedoch die "Anforderungsschraube" bei normalen Anwendungen wesentlich lockerer lassen. Das zugrunde liegende "â versus a"Modell, siehe Abbildung 5 und [8], setzt voraus, dass sich die gemessenen ZfP-Signale aufgetragen über der zugehörigen Defektgröße a in einem logarithmischen Maßstab linear verhalten. Aus der Verteilung der Signalgrößen kann dann die POD für einen festgelegten Schwellwert ermittelt werden. In Abbildung6 sehen wir auf der rechten Seite das "âversusa" Diagramm für die manuelle Routineprüfung von Gasturbinenteilen mit Wirbelstrom. Bereits die "Justierdaten" an künstlichen Schlitzen zeigen einen schlechten Fit und eine ebenso schlechte POD-Kurve (rot). Die Handprüfung wurde durch Prüfung mit einem automatischen Scannsystem abgelöst. Und die punktuelle bzw. linienhafte Prüfung durch eine flächenhafte Abrasterung abgelöst. Die damit erreichte erhöhte Prüfsicherheit spiegelt sich in einem guten Fit im "âversusa"Modell und einer entsprechenden guten POD-Kurve wieder, bei der die POD und die 95%Vertrauenskurve schon bei kleinsten Fehlergrößen die 95%Marke erreichen. Die Resultate dieses Wirbelstromsystems können dann ohne Bedenken für weitere Berechnungen zur Lebensdauer herangezogen werden.
4 RBLM (Risk Based Life Time Management) EPERC-InitiativeDie oben besprochene POD-Methodik ist ein notwendiger Bestandteil in der Strategie zum "Risikobasierten Lebensdauermanagement" wie in der Abbildung 7 beschrieben. Die Strategie des RBLM [10] ist Grundlage für die Prüfungen und Wartungen von Industrieanlagen unter Minimierung des Risikos und der Kosten. Wie im Zyklus in Abb. 7 dargestellt, werden zunächst die Bauteilabschnitte ausgesucht, die sowohl besonders schadensanfällig sind, als auch im Schadensfall ein hohes Sicherheitsrisiko darstellen. Diese werden bevorzugt geprüft. Die Resultate der Prüfung bzgl. der Fehlerpositionen, -größen, -ausrichtungen und Ihre Zuverlässigkeit müssen quantitativ vorliegen als Eingangsgrößen für eine probabilistische Lebensdauerabschätzung des Bauteils, welche dann wiederum die besonders gefährdeten Stellen ausweist.
Hierzu gibt es eine spezielle EPERC- Initiative (EPERC: European Pressure Equipment Research Council) So ist z.B. das Forschungsprojekt: "Quantitative Zuverlässigkeit der ZfP für sichere Druckgeräte, Risikoorientierte Inspektion und Lebensdauermanagement mit dem Aufbau eines ZfP-Referenzkataloges für Druckgeräteprüfung" in ein übergeordnetes vernetztes Forschungsprojekt eingebettet [11]. 5 CEN - Technical ReportDie Initiative CEN/TC138/WG9 "Qualifizierung von ZfP-Verfahren" hat einen technischen Bericht für die Vorgehensweise bei der Qualifizierung von ZfP-Verfahren vobereitet, der für alle Industriebereiche gleichermaßen gelten soll. Die Vorlage für den Technischen Bericht ist zur Verabschiedung im TC fertiggestellt (33) 6 Six-Sigma6.1 Was ist Six-Sigma?
6 Sigma bedeutet PROZESS-TRANSPARENZ. Six-Sigma-Prozess und DMAIC
7 ASNT - InitiativeASNT Reliability ad hoc group Auf der Basis des aktuellen industriellen Bedarfs in den USA übernimmt das ASNT die Rolle der Beratung zur Sicherstellung der ZfP-Zuverlässigkeit. Es wird an einer "... Recommended practice for inspection reliability assessment ..." gearbeitet [14]. Im März2002 wurde ein Standing Committee "Reliability of NDE" gegründet. 8 ProdukthaftungDefinition: [15] Produkthaftung ist kurz gesagt: Die Haftung für Folgeschäden durch ein mangelhaftes Produkt. Was nützt hier die Validierung? Eine sorgfältige Auswahl und Validierung (d.h. Sicherstellen, dass der vorgesehene Zweck erfüllt wird) der produktionsbegleitenden ZfP kann das Eintreten eines Schadenfalls von vornherein verhindern. Beim Eintreten eines Schadensfalls hilft die dokumentierte Validierung nachzuweisen, dass der Produzent seiner Sorgfaltspflicht (sprich Verkehrssicherungspflicht) nachgekommen ist. 9 Schluss und AusblickIm obigen Text wurden bereits vielfältige Möglichkeiten aufgezählt, wie man den Herausforderungen der ISO 17025 zur Validierung ungenormter Verfahren begegnen kann. Natürlich gibt es noch viele offene Fragen, unter anderem die, wie die Konzepte der Validierung aus der ZfP z.B. auf das Gebiet der Minensuche übertragen werden können. Das Problem der Minimierung des Aufwandes wird mit einem modularen Konzept, welches auf der "Reliability Formula" basiert, angegangen. Alle diese Probleme und Fragen werden auf dem in Kürze stattfindenden Workshop (Abb. 10-11) eingehend diskutiert. Sie sind herzlich eingeladen! 10 Internationales Diskussionsforum zu Fragen der Zuverlässigkeit:
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Abbildung 10: Workshopankündigung 1
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Abbildung 11: Workshopankündigung 2
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