Online Ultraschall-Prüfung am rollenden Hochgeschwindigkeitszug
G. Engl, R.Meier; intelligeNDT Systems & Services, Erlangen;
Dr. S. Schuhmacher, H. Hintze; DB AG, FTZ Kirchmöser; Dr. A. Erhard, BAM Berlin;
F.Walte, B. Rockstroh; IzfP-FhG Saarbrücken; J. Montnacher; TEG-FhG Stuttgart Kontakt: F. Walte,
G. Engl
Zusammenfassung :
In Anbetracht der hohen dynamischen Belastungen an den
Rädern der Hochgeschwindigkeitszüge werden die Radsätze turnusmäßig im eingebauten Zustand bei Stillstand des Zuges oder in ausgebautem Zustand, zumeist
nach der Reprofilierung, überprüft. Die mit beträchtlichen Entwicklungsanstrengungen in die Praxis eingeführten Prüfsysteme zeichnen sich durch hohes Leistungsvermögen, aber auch hohen prüftechnischen Aufwand, verkörpert durch eine große
Zahl von Sensoren, aus. Diese Prüfungen bedeuten jedoch, daß der Zug dem Verkehr für einen längeren Zeitraum fehlt.
Will man die prüfbedingten Zugstandzeiten deutlich reduzieren, indem z.B. der Zug
eine Prüfstrecke langsam überrollt und nach einer halben Stunde alle Räder komplett
geprüft sind, so erfordert dies einen höchst innovativen Ansatz. Dabei besteht die
Option, diese Prüfung mittels an- und abklappbarer Prüfschlitten, die eine Umfangslänge an jedem Rad nacheinander mit dem Zug mitfahren, oder mittels einer komplexen Sensorikstrecke in der Schiene, die überrollt wird, zu verwirklichen. Eine Kombination der beiden Methoden stellt eine Möglichkeit dar, in der das größte Lösungspotenzial zu liegen scheint.
Unter diesen Aspekten müssen zur Realisierung die Potenziale, die sich der Ultraschall- und Wirbelstromprüfung aus Sicht der Physik, der Elektronik, der Datenverarbeitung und der Robotik bieten, voll ausgeschöpft werden, um eine zuverlässig arbeitende und aussagefähige Prüfanlage zu schaffen, die einen vertretbaren Aufwand
relativ zum Gewinn an Zugverfügbarkeit bedeutet.
Dazu bedarf es kompakter Prüfkopfsysteme durch Integration mehrerer Prüffunktionen in einem Prüfkopf und deren Beitrag zu einem vereinfachten Prüfablauf. Dies ist
von vornherein eine Herausforderung, die mittels der Möglichkeiten der Gruppenstrahlertechnik für die Schlittenlösung oder einer optimal strukturierten Vielkopfanordnung für die schienenintegrierte Lösung beherrschbar erscheint. In allen Fällen
ist eine optimierte Kompaktierung der Sensorik gefragt.
Der Beitrag stellt neben den erwähnten Randbedingungen die prüf- und systemtechnischen Überlegungen für ein solches innovatives System dar, das in einem vom
BMBF geförderten Vorhaben entwickelt werden soll.
Keywords :
Mechanisierte Ultraschallprüfung, Radsatzprüfung, Radkranzprüfung,
Überrollprüftechnik, Schienenintegrierte Sensorik, Schlittenprüftechnik, Gruppenstrahlertechnik, online Prüfung, kombinierte Ultraschall- und Wirbelstromprüfung.
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
Abbildung 1: Prüfstrategie-Elemente
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Im Rahmen ihrer Aufgabenstellung und der hohen Verkehrsdichte in Deutschland
fördert die DB gezielt Maßnahmen zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit, Verfügbarkeit und Sicherheit des Schienenverkehrs. Die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung an
Rädern, Radsatzwellen und Schienen beeinflusst den gesamten Lebensdauerzyklus
dieser Bahnkomponenten beginnend bei ihrer Auslegung, Konstruktion über Fertigung bis zu ihrer Instandhaltung.
Um die Betriebs- und Verkehrssicherheit von Schienenfahrzeugen
zu gewährleisten, sind zerstörungsfreie Werkstoffprüfungen
von Rädern und Radsatzwellen
im Zuge der Fertigung und während des Betriebes in festgelegten Wartungsintervallen vorgeschrieben. Die Prüfstrategie für
Radsätze der Deutschen Bahn
unterscheidet nachfolgende Prüfzyklen, nach Zyklusdauer aufsteigend geordnet:
- Prüfung der Räder während
des Überrollens (ULM)
- Prüfung im Stillstand der
Fahrzeuge (eingebauter Zustand) mit der Unterflurprüfeinrichtung UFPE und transportablen Wellenprüfstände
für Radsatzwellen
- Prüfung des ausgebauten
Radsatzes nach der Reprofilierung der Räder (AURA Modul 1 für Radkranz und
Scheibe, AURA Modul 2 für
Vollwelle).
- Die on-line Radsatzüberwachung ist zur Zeit noch eine visionäre Lösung, an deren Entwicklung jedoch schon im Ansatz gearbeitet wird.
1.2 Problemstellung
Bedingt durch die hohen dynamischen Beanspruchungen im Fahrbetrieb können an
den Rädern moderner Schienenfahrzeuge Veränderungen des Werkstoffzustandes
bis hin zu Schädigungen auftreten. Die Räder werden deshalb zur Gewährleistung
ihrer Einsatzzuverlässigkeit und Betriebssicherheit in den Instandhaltungswerken der
DB AG turnusmäßig entweder im ausgebauten Zustand oder im eingebauten Zustand bei Stillstand des Zuges überprüft. Trotz des Einsatzes neuer, automatisierter
Verfahren, welche von der DB AG in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit führenden Instituten der Angewandten Forschung und der Industrie entwickelt wurden,
erfordern diese Prüfungen erheblichen Aufwand, während dessen die Züge über einen längeren Zeitraum dem Verkehr nicht zur Verfügung stehen. Eine weitere wesentliche Reduzierung des Prüfaufwandes und der prüfungsbedingten Zugstandzeiten ist allerdings auf der Basis applikationsnaher Entwicklungen nicht möglich; die
Realisierung dieses Ziels setzt vielmehr grundlegende Forschungs- und Entwicklungsarbeiten und die Einführung neuartiger Sensorik- und Elektroniksysteme voraus.
1.3 Forschungsförderungsvorhaben SUPRA, Zielsetzung
In einem beim BMBF beantragten Forschungsförderungsvorhaben SUPRA (Schienenintegrierte Ultraschall-Prüfanlage) sollen die Grundlagen für ein die Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit der Radprüfung wesentlich erhöhendes, innovatives
Radprüfsystem geschaffen werden. Ziel ist es, die Prüfaufgaben nicht wie bisher im
Stillstand des Zuges, sondern beim Überrollen über eine in die Schiene integrierte
oder schienennah mitfahrende intelligente Sensorik durchzuführen.
Dies erfordert einen höchst innovativen Ansatz. Dabei besteht die Option, diese
Prüfung mittels an- und abklappbarer Prüfschlitten, die eine Umfangslänge an jedem
Rad nacheinander mit dem Zug mitfahren, oder mittels einer komplexen Sensorikstrecke in der Schiene, die überrollt wird, zu verwirklichen. Eine Kombination der beiden Methoden stellt ebenso eine Möglichkeit dar, in der eventuell das größte Lösungspotenzial zu liegen scheint.
Unter diesen Aspekten müssen zur Realisierung die Potenziale, die sich der Ultraschall- und Wirbelstromprüfung aus Sicht der Physik, der Elektronik, der Datenverar-
beitung und der Robotik bieten, voll ausgeschöpft werden, um eine zuverlässig arbeitende und aussagefähige Prüfanlage zu schaffen, die einen vertretbaren Aufwand
relativ zum Gewinn an Zugverfügbarkeit bedeutet.
1.4 Forschungsförderungsvorhaben SUPRA, Partner
Die Verbundpartner in diesem Vorhaben sind:
- DB AG Systemtechnik, Kirchmöser
- IntelligeNDT Systems & Services; Erlangen
- Institut für zerstörungsfreie Prüfverfahren der FhG, Saarbrücken
- Technische Entwicklungsgruppe der FhG, Stuttgart
- Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin
2 Anforderungen an das Prüfsystem
2.1 Übergeordnete Anforderungen
Während der Überrollzeit des Zuges bei Geschwindigkeiten zwischen ca. 2 bis 5
km/h soll der effektive Nachweis und die zuverlässige Analyse von eventuellen
Schädigungen im gesamten Radvolumen und auf der Oberfläche vollautomatisch,
schnell, mit einer on-line Auswertung und unter Betriebsbedingungen erfolgen, indem
z.B. der Zug eine Prüfstrecke langsam überrollt und nach einer halben Stunde alle
Räder komplett geprüft sind.
Ausgangspunkt für die Prüftechnik und die Prüfempfindlichkeit sowie die Zulässigkeitsgrenzen ist das Leistungsvermögen der AURA bzw. der UFPE, lediglich sind
hier die Randbedingungen wesentlich verschärft, und zwar durch die relativ hohe
Abtastgeschwindigkeit, die für die Schlittenlösung eingeschränkte Zugänglichkeit,
gerade unter dem Aspekt des exakten Manövrierens des Prüfkopfsystems beim An-
und Abklappen. Abhängig von der Laufleistung des Rades nach der Fertigung bzw.
der jeweils zuletzt erfolgten Reprofilierung des Rades ist die Lauffläche in einem unterschiedlichen Zustand des Verschleißes und damit der Abweichung von der idealen
Schalleinleitung.
Für die Schienenlösung ist zudem die Anordnung in dem - damit nicht über die gesamte Erstreckung vorhandenen - Gleisquerschnitt einschneidend.
Der Erfüllungsgrad der technischen Anforderungen kann auch einen Einfluß auf die
Festlegung der Prüfintervalle für den SUPRA-Einsatz am individuellen Zug sein.
Das gesamte Prüfsystem unter Voraussetzung seines harten und nahezu kontinuierlichem Einsatzes unter realen Bedingungen muß sich nach scharfen Kriterien der
Wirtschaftlichkeit bewähren.
Dabei fallen das gesamte Investment und Instandhaltung für das Prüfsystem ebenso
wie das erforderliche Personal und die gesamte notwendige Infrastruktur ins Gewicht
und müssen durch die deutlich reduzierte Prüfdauer, damit gesteigerte Verfügbarkeit
der Zuggarnituren, aufgewogen werden.
Die Zeitvorstellung ist die, dass eine erste SUPRA-Anlage in 3 Jahren in Betrieb gehen können sollte. Für eine zügige effektive Realisierung ist die Nutzung der bisherigen praktischen Erfahrungen unerlässlich.
2.2 Exkurs: Anforderungen an die AURA
Wie schon ausgeführt, ist die prüftechnische Leistungsfähigkeit der AURA Ausgangspunkt für die Überlegungen zur Konzipierung der Prüftechnik für die SUPRA.
Im folgenden sollen daher diese Anforderungen kurz dargestellt werden.
Die Justierfehler in den Testrädern dienen nicht nur der definierten Empfindlichkeitseinstellung, sondern stellen auch durch den Nachweis der geforderten Prüfempfindlichkeit (mit mindest zu erreichendem Signalrauschabstand zum jeweiligen Bezugsreflektor) einen Bezug zum Leistungsvermögen der Prüftechnik insgesamt dar.
Die schematisch dargestellten Prüftechniken der AURA sind der Ausgangspunkt sowohl für die Übersetzung in die Vielsensortechnik der Schienenlösung als auch für
die Kompaktierung der Prüftechniken für die Schlittenlösung. Dazu gilt es, sich Rechenschaft über die Lösungspotenziale der einzelnen, auch innovativen Prüftechniken zu legen.
3 Lösungspotenziale
3.1 Berührungslos bzw. koppelfrei arbeitende Sensorik
3.1.1 Wirbelstromtechnik
Die Wirbelstromtechnik hat den Vorteil des weitgehenden Nachweisvermögens der
Fehler ausgehend von den Oberflächen und dicht unter den Oberflächen in nahezu
allen Orientierungen, einschränkend wirken sich die geringe Eindringtiefe und die
Abhängigkeit vom Oberflächenzustand aus.
Die Sensoren benötigen keine Berührung mit der Bauteiloberfläche, keinerlei Koppelmittel und haben eine geringe Baugröße (ca. 10 mm Durchmesser) . Die Abstän-
de der Sensoren zur Oberfläche sollten jedoch nicht größer als ca. 1 mm sein, da mit
größerem Abstand die eingekoppelte Energie sinkt. Es lassen sich aber auch lineare
WS- Sensoren mit Längen von ca. 200 mm und Breiten von ca. 50 mm herstellen, so
dass eine Array- Strecke zur Abdeckung von 360° der Lauffläche ca. 20 lineare WS-
Sensoren erfordert.
Einsatzbereiche sind sowohl die oberflächennahen Bereiche der Lauf- als auch
eventuell der Stirnfläche.
3.1.2 EMUS-Technik
EMUS- Wandler arbeiten berührungslos wie die WS- Sensoren und benötigen keinerlei Koppelmedium. Der Abstand zur Oberfläche unterliegt den gleichen Bedingungen wie bei den WS- Sonden. Im Gegensatz zu den WS- Sonden benötigen sie außer den elektrischen Spulen noch Magnete zur Anregung der US- Wellen und haben
deshalb eine größere Bauform, das Nachweisvermögen ist ebenfalls abhängig vom
Oberflächenzustand.
Die Fähigkeit, gezielt Rayleigh-, Oberflächenwellen und freie, polarisierte Transversalwellen mit spezifischen Wellenausbreitungsmechanismen und Interaktionen mit
den Fehlstellen zu erzeugen, prädestinieren diese Technik für die Prüfung der Radscheibe.
3.1.3 Luft-Ultraschallwandler
Diese Wandler arbeiten mit speziellen piezoelektrischen Composite- Ultraschallwandlern und vorgeschalteten Druckluftsäulen. So gelingt es, Ultraschall durch die
Luft bei Abständen im cm Bereich in Stahl einzukoppeln. Luftschallwandler arbeiten
im niederfrequenten Ultraschallbereich < 1 MHz und haben z.Z. noch eine große
Bauform (ca. 30 mm Durchmesser).
Für diese Sensorik liegt noch zu wenig Erfahrung vor, um die Entwicklungsarbeiten
für eine fristgerechte Einsetzbarkeit abschätzen zu können.
3.2 Flüssigkeitsgekoppelte Sensorik
3.2.1 Ultraschall-Einzelprüfkopf
Sie arbeiten mit piezoelektrischer Anregung, sind von relativ geringer Baugröße und
technisch seit Jahrzehnten voll ausgereift. Nachteil ist, dass sich der Schallstrahl nur
schwenken lässt, wenn man den Wandler mechanisch dreht. Damit bieten sie ungünstige Voraussetzungen für den Einbau in ein kompaktes Prüfsystem
3.2.2 Linear-Gruppenstrahler-Prüfkopf
Prüfköpfe bestehen aus einem piezoelektrischen US- Wandler, der in einer Richtung
in einzelne Streifen unterteilt wird. Diese Art der Sensorik ist bereits seit 15 Jahren im
Einsatz und unterstützt die Kompaktierung des Prüfkopfsystems durch die Möglichkeit, verschiedene vertikale oder horizontale Schwenkwinkel jeweils in einen Prüfkopf
zusammenzufassen. Auch können mittels der vertikal schwenkenden Prüfköpfe zusätzlich verschiedene Prüftechniken wie LLT- (Wellenumwandlungs-)Technik realisiert werden.
Diese Sensorik ist für den Einsatz in der Schlittenlösung besonders geeignet.
3.2.3 Matrix- Gruppenstrahler-Prüfkopf
Diese Prüfköpfe bestehen aus einem piezoelektrischen US- Wandler, der in zwei gekreuzten Richtungen in Streifen unterteilt wird. Durch geeignete Beaufschlagung der einzelnen Elemente mit einem bestimmten Verzögerungsmuster kann man den
Schall unter nahezu beliebigem Winkel in den Halbraum unter dem Prüfkopf senden
und empfangen. Gegenüber der Lösung mit Einzel- Prüfköpfen ist ein lineares 3D
Phased Array aufwendig durch die Vielzahl von Einzelelementen und Kabeln.
Der Nutzen für SUPRA ist noch nicht absehbar.
4 Grundlegende Konzeptvarianten
Die beiden Lösungsansätze können alternativ oder aber komplementär betrachtet
werden.
4.1 Stationär in der Schiene oder schienennah integrierte Sensorik (Schienenlösung)
Wesentlicher Grundbaustein ist eine in die
Schiene integrierte Sensoranordnung. Die Anordnung entspricht in
ihrer Längsausdehnung
dem Abrollumfang eines
Rades, durch sukzessive
Aktivierung der Sensoren
kann das Rad während
des Überrollens geprüft
werden. Als Sensoren
kommen hauptsächlich
phased-array basierte
Ultraschall-, EMUS- und
Wirbelstromsensoren
sowie konventionelle Anordnungen der genannten Sensoren in Betracht.
Besonders schwierig gestaltet sich die Prüfdatenaufnahme aufgrund
der sehr eingeschränkten
Ankoppelfläche (Berührungsfläche Sensor/Rad)
und der zu realisierenden
hohen Prüfgeschwindigkeit.
4.2 Schienennah installierte, mitbewegte (dynamische) Sensorik (Schlittenlösung)
Die Grundidee hierbei ist, die Sensorik in Schlitten oder Backen anzuordnen und mit
dem zu prüfenden Rad an die Lauffläche und/oder die innere Stirnfläche anzukoppeln, über eine dem Radumfang entsprechende Länge mitzuführen und dabei einen
Radumfang vollständig abzuscannen. Nachher werden die Prüfschlitten abgeklappt
und stehen nach der Rückkehr in die Ausgangslage für die Prüfung des nächsten
Rades bereit. Ein Prüfsystem nach diesem Konzept kann selbstständig eine vollständige Prüfung des Radkranzes und der Radscheibe emöglichen. Wie nachfolgende
Überlegungen und Diskussionen ergeben haben, ist es auch in Kombination mit der
schienenbasierten Prüftechnik einsetzbar.
Diese Lösung scheint auf den ersten Blick ohne große Entwicklungsanstrengung
realisierbar, jedoch ist der zugängliche Teil des Radumfanges sehr eingeschränkt, so
daß eine schon erwähnte konsequente Kompaktierung des Prüfkopfsystems und eine hochpräzise, mit der Zugbewegung synchronisierte Zustellung der Backen erforderlich ist. Als wesentlich erschwerende Randbedingung tritt die Ankoppelproblematik hinzu, d.h. Senden und Empfangen der Prüfsignale muß auch bei Ankopplung der
Sensorik an verschlissene Radoberflächen, wie sie sich aus dem normalen Bahnbetrieb ergeben, bei den geforderten hohen Prüfgeschwindigkeiten gewährleistet sein.
5 Stationär in der Schiene oder schienennah integrierte Sensorik -
Schienenlösung
Das Konzept der Schienenlösung hat sich aus der ULM entwickelt. Der Übergang
von der Prüfaufgabe, die Lauffläche auf Oberflächenfehler zu prüfen, zu der Forderung, das gesamte Radkranzvolumern zu erfassen, bedeutet naturgemäß eine deutliche Steigerung der Komplexität der Sensorik.
5.1 Möglichkeiten der Sensoranordnung für die Ankopplung an der Lauffläche
Im Folgenden sollen daher einige grundlegende Überlegungen zur physikalischen
Realisierbarkeit und zur Praktikabilität der sich bietenden Möglichkeiten demonstriert
werden.
5.1.1 Realisierungsmöglichkeiten mittels der Piezo-Ultraschall-Techniken:
Hier stehen zwei Möglichkeiten der Ankopplung zur Verfügung:
- Kontakttechnik mit einem minimalen Wasserfilm zwischen Prüfling und Prüfkopfsohle
- Tauchtechnik mit einer größeren Wasservorlaufstrecke zwischen Prüfling und
Prüfkopfsohle
Für die Sensoranordnung selbst bieten sich drei Möglichkeiten:
- Anordnung von Einzelsensoren
- Linienarray
- Matrixarray
5.1.2 Anordnung von Einzelsensoren
Um die gewünschten Schallbündeleigenschaften zu erreichen, liegt der Durchmesser
jedes einzelnen Sensors in der Größenordnung von ca. 25 mm. Bei Betrachtung der
Verhältnisse in der Laufrichtung ist damit zwangsläufig der Verzicht auf die kontinuierliche Abdeckung des Volumens mit konstanten Winkeln einzugehen. Betrachtet
man dieses 25mm-Raster in Zusammenhang mit der Krümmung des Rades, so ist zu
untersuchen, wie die Variation der Einschallwinkel von ±10° innerhalb der Rasterlä n-
ge den vorher erwähnten Verzicht kompensieren kann. Zudem ändern sich diese
Verhältnisse kontinuierlich mit dem aktuellen Raddurchmesser.
Eine Sensorkette in Laufrichtung bedeutet damit maximal ca. 160 Einzelsensoren.
Nun muß auch noch die Querrichtung betrachtet werden: Die Breite der Lauffläche
erfordert mit der erwünschten Überlappung 6 Sensoren. Dies bedeutet für eine Prüfebene im Radkranz eine Sensorzahl von 960 Sensoren. Um alle Prüfrichtungen abzusichern, wären damit ca. 12.000 Sensoren erforderlich. Durch die Entwicklung von
Breitstrahlern ließe sich diese Zahl auf ca. 2.200 Sensoren reduzieren.
5.1.3 Linienarray
Für das Linienarray wird eine Einzelelementabmessung von 2,5mm zugrundegelegt.
Aufgrund der bekannten Steuerungsmöglichkeiten der Einschallrichtungen mittels
der Phased Array-Technik kann eine kontunierliche Abdeckung des Volumens mit
konstanten Einschallwinkeln erreicht werden. Zur Ergänzung können noch mit dem
Abtastraster variierende Einschallwinkel herangezogen werden. Diese ergänzenden
Winkel variieren wie schon oben erwähnt kontinuierlich mit dem Raddurchmesser.
Die Ergebnisse zu den Sensorzahlen, die in 5.1.2 dargestellt sind, müssen, da der
Elementabstand ein Zehntel der Einzelsensoren beträgt, mit dem Faktor 10 multipliziert werden, so dass sich folgende Kennzahlen ergeben: Die Sensorzahl pro Kette
in der Meßstrecke beträgt 1.600, Die Gesamtzahl von Sensoren unter Voraussetzung
der Einsetzbarkeit von Breitstrahlern beträgt ca. 22.000.
5.1.4 Matrixarray
Die hohen Sensorzahlen, die sich schon im vorigen Kapitel ergaben, und die hier
noch mit einem Faktor von ca. 40 zu multiplizieren sind, lassen die Realisierung von
Matrixarrays nach derzeitigem Stand als völlig unrealistisch erscheinen.
5.1.5 Realisierungsmöglichkeiten mittels der EMUS-Array-Technik:
Für die EMUS-Technik wird eine Einzelelementabmessung von ca. 5mm zugrunde
gelegt. Jeweils 8 Elemente werden in eine Gruppe zusammengefasst. Mittels der
Gruppenstrahleransteuerung kann eine kontunierliche Abdeckung des Volumens mit
konstanten Einschallwinkeln erreicht werden. Zur Ergänzung können noch mit dem
Abtastraster variierende Einschallwinkel herangezogen werden. Diese ergänzenden
Winkel variieren wie schon oben erwähnt kontinuierlich mit dem Raddurchmesser.
Eine Sensorkette in Laufrichtung bedeutet damit maximal ca. 800 Einzelelemente.
Wegen der Wandlerbreite ist eventuell nur eine Sensorkette erforderlich, ansonsten
beträgt die Gesamtzahl der Sensoren 1.600.
5.1.6 Realisierungsmöglichkeiten mittels der Wirbelstrom-Array-Technik:
Aufgrund der Erfahrungen mit anderen Anwendungen werden Vielfachelementmodule aufgebaut, die sich über die gesamte Laufflächenbreite erstrecken und in Umfangsrichtung 200mm abdecken. Insgesamt werden 20 solcher Module eingesetzt.
5.2 Möglichkeiten der Sensoranordnung für die Ankopplung an der inneren
Stirnfläche
Hier gelten die für die Lauffläche
dargestellten Überlegungen anlog
bis hin den Abschätzungen der
Zahlen der erforderlichen Sensoren.
Die Aussagen, die oben für die innerhalb des Rasters auftretenden
Winkelvariationen in der Einschallebene getroffen wurden, gelten hier
nicht, da die Koppelfläche gerade
ist. Dafür ergibt sich eine zusätzliche Komplexität wegen der schrägradialaxialen Einschallrichtungen,
die krümmungsabhängigen Variationen unterliegen. Diese Abschätzungen müssen noch vertiefter
durchgeführt werden, falls nicht diese Prüfung von der Stirnfläche von
vornherein der Schlittenlösung, für
die hier einfachere Randbedingungen gelten, überantwortet wird.
5.3 Systemdimensionierung
Aufgrund dieser gesamten Betrachtungen kann man nun ein Prüfsystem unter den alternativen
Randbedingungen
- Fahren auf Spurkranz
- Fahren auf (geschwächter)
Schiene
dimensionieren.
5.3.1 Fahren auf Spurkranz
Damit können sämtliche 6 Sensoren, die in Querrichtung erforderlich sind, nebeneinander angeordnet werden. Diese Lösung erfordert ein komplexeres Halterungssystem und die simultane Aktivierung der doppelten Kanalzahl, dafür ist eine kürzere
Meßstrecke einzurichten.
5.3.2 Fahren auf (geschwächtem) Gleis
Hier sind nur jeweils 3 der 6 erforderlichen Sensoren in zwei Kaskaden unterzubringen. Diese Lösung bedeutet einen höheren Meßstrecken-Basisaufwand und ein größere Prüflänge.
5.4 Zusammenfassung für die Schienenlösung
Insgesamt ergeben sich für die drei generellen Lösungen folgende Gesamtzahlen:
- Einzel- Prüfköpfe: 38 (25) Arraystrecken mit 6.080 (4.000) Prüfköpfen
- 2D- Array : 26 (20) Arraystrecken mit 105.000 (82.000) Elementen
- 3D- Array : 4 Arraystrecken mit 1.121.600 Elementen
Die Werte in Klammern gelten für den Einsatz von Breitstrahlern.
Der abgeschätzte Aufwand ist nicht nur für
die Sensorik sehr hoch
und kostenträchtig,
sondern auch für die
nachgeschaltete Elektronik, falls für jedes
einzelne Sensorelement
je eine Sender-, eine
Empfänger- und Vorverstärkerschaltung zu
installieren ist. Zwecks
deutlicher Reduzierung
der Kosten soll ein Multiplexer nur die jeweils
12 aktiven Kanäle beaufschlagen. Nur für
diese ist dann der erwähnte elektronische
Aufwand zu treiben. Der
zu entwickelnde Multiplexer muß aber die
Überleitung einer höheren Senderspannung
erlauben und rauscharm sein, da ja der Vorverstärker erst nachgeschaltet ist und das Multiplexer-Rauschen mitverstärkt.
Die bisherigen Untersuchungen zeigen, dass die "Schienenbasierte Technologie" als
Lösung für eine innovative Überrolltechnik grundsätzlich für realisierbar gehalten
wird. Bei den verschiedenen Varianten gibt es jedoch große Unterschiede hinsichtlich
Komplexität, Wirtschaftlichkeit und Kosten. Zusammenfassend können folgende
Aussagen gemacht werden:
- Generell wird empfohlen, den piezoelektrischen Ultraschall einzusetzen. Der
EMUS- Ultraschall könnte für die Einschallung in die Scheibe eingesetzt werden.
Die Wirbelstromprüfung kann für die oberflächennahe Zone unterhalb der Radlauffläche eingesetzt werden, wenn dieser Bereich nicht mit Ultraschall erreicht
werden kann.
- Der Einsatz von Phased Array- Prüfkopfstrecken, ob in 2D oder in 3D in der
Schiene ist wegen der extrem hohen notwendigen Zahl von Piezo-Wandler-
Elementen und Vorort- Elektroniken zu aufwendig und zu teuer.
- Vorgeschlagen wird eine Prüfstrecke aus linear hintereinander angeordneten piezoelektrischen Prüfköpfen. Realisiert man sowohl die Laufflächen- als auch die
Stirnflächeneinschallung mit dieser Lösung, so sind 6 Meßanordnungen mit einer
Gesamtlänge von ca. 24 m notwendig.
6 Schienennah installierte, mitbewegte (dynamische) Sensorik -
Schlittenlösung
6.1 Randbedingungen für die Sensoranordnung
Gegenüber der schienenbasierten Lösung ist hier die relativ zum Radumfang gegebene eingeschränkte Zugänglichkeit (z.B. durch Besandungsrohr, Wirbelstrombremse, INDUSI etc. und Schiene selbst) für die temporäre Anbringung eines Prüfschlittens zu berücksichtigen. Gemäß der Aufgabenstellung geht man für die schlittenbasierte Prüftechnik von dem Leistungsvermögen der AURA-Prüfanlage aus, das mit
einer Vielzahl von herkömmlichen Ultraschallprüfköpfen und Wirbelstromsonden erreicht wird. So wird von vornherein deutlich, daß das AURA-Prüfsystem nicht direkt
auf diese Randbedingungen übertragbar ist. Die drastisch beschränkte Anzahl der
Prüfköpfe, die in einem realisierbaren Prüfschlitten untergebracht werden können,
erfordert die Zusammenfassung möglichst vieler Prüffunktionen in einem Prüfkopf,
zumindest in einem Prüfkopfgehäuse. Diese notwendige Zusammenfassung führt
nach heutigem Stand der Technik fast zwangsläufig zum Einsatz der Ultraschall-
Gruppenstrahlertechnik bzw. Multielementanordnung bei Einsatz der Wirbelstromtechnik.
Abbildung 8: Prüfbereiche im Radkranz
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Hier besteht nicht die einschränkende Notwendigkeit des Einbaus der Sensorik in eine Vielfachanordnung mit der Notwendigkeit eines möglichst
dichten Abstandsrasters
der Sensoren: Bei der
Schlittenlösung sind die
Sensoren einzeln bzw. in
Kollektiven von Gruppenstrahlerelementen angeordnet und erfüllen durch
zyklisches Beaufschlagen
derselben Prüffunktion
relativ zur veränderlichen
Radumfangsposition ihre
Prüfaufgabe der Abtastung des Prüfvolumens,
das der jeweiligen Prüffunktion zugewiesen ist.
1.1 Mögliche Prüftechniken für die Radprüfung
Im folgenden werden die möglichen Prüftechniken für die Erfassung der einzelnen
Prüfbereiche diskutiert, wobei weitgehend von dem prüftechnischen Ansatz der AURA-Anlage ausgegangen wurde. Die Möglichkeit der zusammenfassenden Realisierung der Prüffunktionen in Gruppenstrahler-Prüfköpfen ist dabei dargestellt. Der gesamte Prüfbereich (gesamter Radkranz und Radscheibe) ist dazu in Einzelbereiche
unterteilt, die jeweils (einer) bestimmten Prüftechnik(en) zugeordnet sind.
Um den Rahmen dieses Beitrages nicht zu sprengen, werden im Folgenden diese
prüftechnischen Konzepte nur für ausgewählte Bereiche dargestellt, aus denen die
Zusammenfassung mehrerer Prüftechniken mittels Grupenstrahlertechnik hervorgeht.
6.1.1 Prüfbereiche A und B
Prüfbereich A: Radial orientierte Fehler in/unter der Lauffläche
- Eine prüftechnische Lösung,
die vom Materialzustand der
Lauffläche weitgehend unabhängig ist, ist die Prüfung
mittels LLT-Technik in nahezu streifendem Einfall. Die
von dem vertikal schwenkenden Gruppenstrahlerprüfkopf Pk1S bzw. Pk2S an
der inneren Stirnfläche parallel zur Lauffläche einfallende steile Longitudinalwelle wird an der äußeren
Stirnfläche reflektiert. Falls
nun das Schallbündel auf einen senkrecht zur Lauffläche und senkrecht zur Umfangsrichtung orientierten Fehler trifft, wandelt sich die Longitudinalwelle in eine
Transversalwelle um, die von dem Sender-Prüfkopf unter einem definierten Winkel empfangen wird. Einschneidende Randbedingung ist, daß die Wellenumwandlung erst für Fehlerabmessungen in der Größenordnung der Wellenlänge
voll funktioniert.
Abbildung 9: zur Lauffläche und Prüfbereich A, LLT-Technik.
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Zu dieser Prüftechnik bestehen zwei Alternativen mit Ankopplung an der Lauffläche:
- Ultraschallprüfung mittels
ADEPT-Technik in 4 parallel
angeordneten Prüfköpfen.
Die Einschallung in den beiden Umfangsrichtungen ist
jeweils in jedes der 4 Prüfkopfgehäuse integriert. Diese Realisierung bedeutet eine Verteilung der Prüfemp-
findlichkeit quer zur Lauffläche wie die Zinken einer
Gabel und würden zum sicheren Fehlernachweis relativ große Längsabmessungen der Fehler bedeuten.
Abbildung 10: Prüfbereich A, ADEPT-Technik oder
WS-Sonden.
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- Wirbelstromprüfung mittels
Multielementanordnung, entweder in Einzelsondenanordnung mit ebenfalls zinkenförmiger Empfindlichkeitsverteilung oder in einer langen
Sensoranordnung mit Überlappung der Empfindlichkeitsverteilung quer zur Lauffläche, falls der Abhebeeffekt
bei Laufflächenunebenheiten
in Querrichtung nicht zu sehr
durchschlägt. Kompromißlösungen mit einzelnen etwas
gelängten Sonden mit überlappender Empfindlichkeit
sind denkbar. Von Nachteil ist
die relativ zu den Ultraschallprüftechniken geringe Eindringtiefe.
Abbildung 11: Prüfbereich B, 3-D-Winkelspiegel.
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Prüfbereich B: Fehler radial orientiert in der Fase
- Hier werden dieselben Prüfköpfe wie für Prüfbereich A eingesetzt, allerdings mit
ca. 45° im Winkelspiegel.
6.1.2 Prüfbereiche C,D und E
Prüfbereich C: Fehler radial orientiert in der äußeren Stirnfläche
- Die Abdeckung der
Stirnfläche mit ca. 45°
im Winkelspiegel über
ihre gesamte Höhe
erfordert horizontal
schwenkende Gruppenstrahlerprüfköpfe.
Der laterale Abfall der
Prüfempfindlichkeit ist
durch geeignete Parameterwahl auch im
Hinblick auf die anderen zugeordneten
Prüfbereiche zu minimieren und letztendlich
experimentell zu
bestimmen.
Abbildung 12: Prüfbereich C.
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Prüfbereich D: Fehler radial orientiert in der Unterkante der äußeren Stirnfläche
- Hier werden dieselben
Prüfköpfe wie für Prüfbereich C eingesetzt, mit
einem angepaßten lateralen Einschallwinkel für
einen räumlichen Winkelspiegel
Abbildung 13: Prüfbereiche D und E.
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Prüfbereich E: Fehler radial
orientiert im Übergang zur
Radscheibe
- Für diese Prüfaufgabe
werden dieselben Prüfköpfe wie für Prüfbereich C eingesetzt, mit
einem angepaßten lateralen Einschallwinkel für ca. 45° Winkelspiegel
- Alternativ dazu kann dieser Bereich auch von der Lauffläche aus mit einem horizontal schwenkenden Gruppenstrahlerprüfkopf Pk3L bzw. Pk4L im Winkelspiegel
erfaßt werden
6.2 Systemdimensionierung
Im Zusammenhang zur Schlittenlösung ist Systemdimensionierung mehr unter dem
Aspekt des Zusammenspiels der physikalischen Randbedingungen und der Möglichkeiten, die die Ultraschallelektronik bietet, zu sehen.
Bei der schlittenbasierten Lösung werden nicht hintereinander dieselben Prüffunktionen aktiviert, also eine Prüffunktion je Sekunde, sondern ein Kollektiv verschiedener
Prüftechniken mit unterschiedlichen Schallwegen und damit Zeitintervallen (Takten)
innerhalb eines Zyklus, dessen Zeitdauer die Summe der Taktzeiten der unterschiedlichen Prüftechniken darstellt. Das für die Abfrage aller Prüffunktionen verfügbare
Zeitintervall (Zyklusdauer) hängt bei festem Taktschema direkt von der Zuggeschwindigkeit ab.
Die Untersuchung dieses Kriteriums wurde unter folge rnden Voraussetzungen
durchgeführt:
- Die geforderte Fahrgeschwindigkeit des Zuges ist zwischen 2 und 5 km/h
- Die Schußfolge von 1 mm ist beizubehalten
- Die Prüffunktionen können nicht simultan aktiviert werden
- Eine Kombination mit der schienenbasierten Lösung wird nicht realisiert
Zu dem zweiten Kriterium kann aus der prüftechnischen Erfahrung in der Anwendung
festgestellt werden, daß 2 bis 3 mm Schußfolge hinreichend sind. Daher kann man
für die einzelnen Prüftechniken den Einfluß der Schußfolge untersuchen und dann
eine fundierte Entscheidung treffen.
Das dritte Kriterium kann schon bei der heute verfügbaren Gerätegeneration überwunden werden. Es gibt die Möglichkeit, mindestens zwei Prüffunktionen simultan zu
beaufschlagen.
Unter diesen Voraussetzungen ist die sich ergebende Zykluszeit mit einer modernen
Ultraschall-Elektronik einzuhalten (für 2 km/h).
Die Kombination mit der schienenbasierten Technik wird später untersucht; die von
der schienenbasierten Lösung übernommenen Prüffunktionen erleichtern naturgemäß ebenfalls den Zykluszeitbedarf.
Insgesamt sind diese Kriterien auch unter dem Aspekt der speicherbaren und verarbeitbaren Datenrate zu betrachten. Die Datenrate ist keine physikalische Grenze,
sollte jedoch zumindest in diesem Zusammenhang erwähnt werden.
6.3 Prüf- und Gerätetechnik. Zusammenfassung
Die Ankopplung auf der Stirnfläche erfordert 8 Prüfköpfe, davon sind 6 Gruppenstrahler-Prüfköpfe.
Die Ankopplung auf der Lauffläche erfordert mindestens 4 Prüfköpfe, alle davon
GRST. Falls für Zone A die Adept- oder die Wirbelstromtechnik erforderlich ist, werden mindestens 8 Prüfköpfe notwendig sein.
Damit ergeben sich ca. 75 Prüfkanäle (Anzeigenerwartungsbereiche).
Mit dieser Kombination sind alle Prüfaufgaben abzudecken.
Bei einer Schußfolge von 2,5 mm ergibt sich mit Hilfe der bewährten ALOK-
Datenverdichtung eine Gesamt-Datenrate von 2,4 Mbyte/sec.
Bei der simultanen Prüfung der 4 Räder eines Drehgestelles sind diese Zahlen zu
vervierfachen.
6.4 Mechanik
Aus Sicht der Mechanik gliedert sich der Prüfablauf in folgende Schritte:
- Das erste Drehgestell des zu prüfenden Zuges nähert sich, der Prüfschlitten paßt
die Prüfarmabstände an den Zugtyp bzw. das Drehgestell an und beschleunigt
bis zum Gleichlauf und der Positionssynchronisierung mit den Rädern, deren
Daten eingelesen werden.
- Die Prüfarme mit den Backen klappen an, die Prüfung läuft unter Zufluß von Koppelmittel binnen ca. sechs Sekunden ab.
- Die Prüfarme mit den Backen klappen ab
- Der Prüfschlitten wird verzögert, läuft je nach verfügbarem Zeitintervall zurück.
- Der Prüfschlitten beschleunigt wieder bis zum Gleichlauf mit dem nächsten
Drehgestell
Abbildung 14: Schlittenlösung, Mitfahr-schritte.
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Abbildung 15: Typische Zugänglichkeitssituation.
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Trägt man nun diesen Vorgang in einem Ort/Zeitdiagramm beispielhaft für
den ICE 1 auf, so zeigt sich, daß beim
Triebwagenkopf mit einem Drehgestellabstand von ca. 11,5 m der Prüfschlitten vor dem Herannahen des
nächsten Drehgestells die Ausgangsposition nicht mehr erreichen kann. Bei
den Wagen mit Abstand von 17 m ist
dies mit relativ erheblichen Verzögerungen und Beschleunigungen möglich.
Bei 2 km/h kehrt der Prüfschlitten nach
der Prüfung eines Drehgestelles und der etwas versetzten Prüfung des zweiten während
der Vorbeifahrt der Wagenmitte ohne große Belastungen in die Ausgangsposition zurück.
Die schon eingangs erwähnten Einschränkungen
der Zugänglichkeit insbesondere für die Ankopplung auf der Lauffläche
gehen beispielhaft aus der
Abbildung 16 hervor. Hier
wird die Blockierung der
Schlitteneinbringung von
einer Seite durch die Besandung deutlich.
Für die Ankopplung auf der
inneren Stirnfläche bestehen
Einschränkungen der Zugänglichkeit in diesem Ausmass nicht.
7 Mögliche Kombination von Schlitten- und Schienenlösung
Die Entscheidung, welche Lösung in welchem Ausmaß und in welcher Kombination
mit der anderen zum Einsatz kommt, wird aufgrund der Kriterien der Wirtschaftlichkeit und des prüftechnischen Leistungsvermögens zu treffen sein.
Aus heutiger Sicht der Prüftechnik gelten folgende Überlegungen:
- Die Überlegungen zur optimierten Kombination der schienen- und der schlittenbasierten Technologie sollten berücksichtigen, daß die schlittenbasierte Prüftechnik eine kontinuierliche Abtastung mit konstanten Einschallwinkeln realisiert, während die schienenbasierte Lösung durch die Quantelung in einzelne dicht ge-
setzte Prüfköpfe eine periodisch lokal variierende Einschallung einsetzt. Dieser
Umstand ist für einzelne Prüftechniken kein Nachteil, besonders dort, wo größere
Laufwege und breitere Schallbündel auftreten. Hier können erst experimentelle
Ergebnisse eine endgültige Aussage stützen.
- Generell bietet sich aufgrund des bisherigen Standes der Untersuchungen und
aus den Überlegungen zur Vereinfachung der Mechanik für die Schlittenlösung
die Lösung an, die Schienenlösung für die Prüfaufgaben mit Ankopplung an der
Lauffläche und die Schlittenlösung für die Prüfaufgaben mit Ankopplung an der
inneren Stirnfläche einzusetzen. Die schlittenbasierte Lösung deckt nämlich alle
Prüfbereiche bis auf die Prüfbereiche F und G ab, zusätzlich einen bestimmten
Orientierungsspielraum im Prüfbereich K.
- Falls, wie schon oben ausgeführt, auf die V-Durchschallung für die Radscheibe
nicht verzichtet werden kann, müßte die Schlittenlösung in dieser Richtung erweitert werden.
8 Wirtschaftlichkeit
Die Kriterien der Wirtschaftlichkeit haben das größte Gewicht für die Entscheidung, in
welchem technischen Rahmen das Anlagenkonzept SUPRA realisiert werden wird.
Dabei spielen zusammen:
- Die prüfbedingte Ausfallzeit je geprüftem Zug, die geplante Größe ist ca. eine
halbe Stunde; die bisher eingesetzten Systeme erforderten ein deutlich größeres
Zeitintervall, z.B. die UFPE ca. einen Tag, die AURA ist verbunden mit dem Ausbau des Radsatzes
- Der Preis pro geprüftem Radsatz, dieser wird beeinflußt von den Kosten der Systementwicklung, den Kosten des Systems selbst, der Zeit bis zum industriellen
Einsatz (time to market), den Personalkosten, den Infrastrukturkosten und der
Anlagenzahl
9 Zusammenfassung
SUPRA ist ein typisches Beispiel für ein Projekt, das alle wichtigen Charakteristika
für einen interessanten ZfP-Lösungsansatz aufweist:
Es beinhaltet eine herausfordernde technische Aufgabenstellung, da unter erschwerten zeitlichen, räumlichen und prüftechnischen Randbedingungen ein dauerhaft zuverlässiges weitgehend automatisiert arbeitendes ZfP-System zu schaffen ist.
Dieses Ziel erfordert eine aufwendige Entwicklung, die in Partnerschaft zwischen Industrie, Spezialfirmen und Instituten geleistet wird. Dazu ist der Einsatz innovativer
Lösungskonzepte erforderlich, die ihrerseits in die Forschungs- und Entwicklungsdomäne reichen.
Der schon erwähnte große Aufwand der Entwicklung ist nur dann gerechtferitigt,
wenn eine strenge Orientierung an den Kriterien der Wirtschaftlichkeit vorherrscht.
Nur dann wird die SUPRA den geplanten Einsatz finden und ihren Beitrag zu einem
zuverlässigen und wirtschaftlichen Betrieb der Hochgeschwindigkeitszüge leisten
können.
10 Literatur
- F. Walte, B. Rockstroh, W. Kappes, R. Weiß, M. Kröning; R. Ettlich, H. Hintze; R. Seitz:
US-Radsatzprüfung an Fahrzeugen des Reiseverkehrs der DB, DGZFP Jahrestagung Innsbruck (2000)
- T. Hauser, E.Schulz, H. Wüstenberg, H. Hintze, M. Schüßler; Ultraschallkonzept zur Prüfung von Eisenbahnrädern im eingebauten Zustand, DGZFP Jahrestagung Innsbruck (2000)
- M. Schüßler, H. Hintze, R. Ettlich, Deutsche Bahn Kirchmöser: Stand der Mechanisierung
der Prüfeinrichtungen für Radsätze von Schienenfahrzeugen- Entwicklungstendenzen und
Erfahrungen, DGZFP Jahrestagung Berlin (2001)
- H.J. Salzburger, G. Hübschen, A. Wilbrand, M. Kröning: Weiterentwicklung und praktische Anwendung der EMUS-Technik, DGZFP Jahrestagung Luzern (1991),
S. 498
- B. Rockstroh, W. Kappes, F. Walte, J. Montnacher, R. Seitz, H. Hintze, R. Ettlich: Auto-
matisierte Ultraschallprüfung an Radsätzen. Der Eisenbahningenieur, Int. Z. f. Schienenverkehr und Technik, Juli 2001.
- B. Rockstroh, F. Walte, W. Kappes, R. Seitz, H. Hintze, J. Montnacher, G. Engl : AURA
Radsatzprüfsystem für die Prüfung des Radkranzes, der Radscheibe und der Voll- bzw.
Hohlwelle. Betrieberfahrung und Weiterentwicklung. XVII Konferenz für zerstörungsfreie Ultraschallprüftechnik von Metallkomponenten; 06.-08.06.2001, St. Petersburg, Russland.
- D. Gramatte, G. Engl, R. Meier, B. Rockstroh, F. Walte, J. Montnacher: Mechanisierte
Prüfung von DB-Cargo Radsätzen - Erfahrung mit einer innovativen Kombi-Prüfanlage,
DGZFP-Jahrestagung 2001, Berlin
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