![]() | ![]() | ||||
| DGZfP-JAHRESTAGUNG 2002 ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung | |||||
| |||||
Artefaktreduzierung in der industriellen 3D Computertomographie (CT)S.Kasperl, I. Bauscher, Dr. U. Hassler, H. Markert, S. Schröpfer(Fraunhofer Institute for Integrated Circuits, Department EZRT, Am Weichselgarten 34, 91058 Erlangen, Germany) ({ksp,bsr,has,markerhr,scr}@iis.fhg.de) Kontakt: S. Kasperl KurzfassungVorgestellt wird ein neuer iterativer Algorithmus zur Strahlaufhärtungskorrektur in der Kegelstrahl-Computertomographie (3D CT). Die Computertomographie ist eine zerstörungsfreie Untersuchungsmethode um Form und Position von Fehlstellen in Gussteilen zu analysieren. Polychromatische Röntgenquellen verursachen in den rekonstruierten Volumen unter anderem Strahlaufhärtungsartefakte, die die Bildqualität erheblich vermindern. Die Linearisierungsmethode ist ein Korrekturalgorithmus, der unter Verwendung einer nichtlinearen Korrekturkennlinie diese Artefakte reduziert. Die hier vorgestellte Methode extrahiert die Korrekturkennlinie aus dem Untersuchungsobjekt selbst. Ein Referenzobjekt wird nicht benötigt. Die Tauglichkeit der Methode wird an geeigneten Aluminium-Gussteilen demonstriert. Schlüsselwörter: 1. EinführungComputertomographie ist ein digitales Bildgebungsverfahren, welches auf der Schwächung von Röntgenstrahlung beim Durchgang durch ein Objekt beruht. Das rekonstruierte Volumen des Objektes besteht aus Voxeln, deren Grauwert den linearen Schwächungskoeffizienten m repräsentiert. Artefakte sind künstliche Strukturen in Bildern, für die es in der Struktur des abgebildeten Objektes keine Entsprechung gibt. Ursache sind entweder technische Fehler des Bilderzeugungssystems oder es werden Aufnahmebedingungen nicht erfüllt oder verletzt. Die CT-Rekonstruktion setzt monoenergetische Röntgenquellen voraus. Polyenergetische Strahlung wird beim Durchgang durch Materie aufgehärtet, weil niederenergetische Photonen stärker absorbiert werden. Dieser Effekt heißt Strahlaufhärtung (beam hardening BH) und führt unkorrigiert zu störenden Artefakten im rekonstruierten Volumen. Die Linearisierungstechnik ist eine bewährte Korrekturmethode, die mittels einer Korrekturfunktion polyenergetische auf monoenergetische Projektionsdaten transformiert. Die Korrekturfunktion wird durch Messung eines geeigneten Referenzobjektes ermittelt, was mit zusätzlichen Aufwand verbunden ist. Ziel dieser Arbeit ist es, diese Kalibriermessung durch eine Methode zu ersetzen, die unabhängig von einem Referenzobjekt funktioniert. Die Iterative Artefakt Reduzierung (IAR) ist ein mehrstufiger Prozess, der aus dem rekonstruierten Volumen die benötigte Korrekturkennlinie berechnet. Der Beitrag ist wie folgt aufgebaut: Im nächsten Abschnitt wird der physikalische Hintergrund der CT-Bildgebung beschrieben. Abschnitt 3 stellt die Linearisierungstechnik vor, die Abschnitte 4 und 5 stellen die neue Methode zur Berechnung der Korrekturkennlinie vor. Die Ergebnisse werden in Abschnitt 6 präsentiert, in Abschnitt 7 folgt eine Zusammenfassung. 2. Theoretischer HintergrundDie Wechselwirkung von elektromagnetischer Strahlung mit Materie wird durch ein exponentielles Schwächungsgesetz beschrieben. Für monoenergetische, kurzwellige Röntgenstrahlung gilt die Transmissionsgleichung von Lampert-Beer:
Der zugehörige Projektionswert
Die letzte Gleichung ist nur für homogene Objekte richtig. Eine CT-Rekonstruktion basiert auf folgendem Prinzip: sind für verschiedene Winkel q
die Projektionen
Für eine ausführliche Beschreibung der CT-Rekonstruktionsalgorithmen sei z.B. auf [1] hingewiesen. Industrielle Computertomographen sind meistens mit Röntgenröhren ausgestattet. Das erzeugte Energiespektrum S(E) ist polyenergetisch und verursacht in Gleichung (2) einen nichtlinearen Zusammenhang zwischen Projektionswert und Schwächungskoeffizient. Aus dieser Nichtliniarität resultieren Fehler, die als sog. Strahlaufhärtungsartefakte bekannt sind. Unkorrigiert führt eine Rekonstruktion des Volumens aus den gemessenen Projektionen zu Abbildungsfehlern wie z.B. dunklen Streifen entlang langer Absorbtionskanten. Selbst bei homogenen Objekten erscheinen Zentralbereiche weniger dicht als Randzonen. Dieser störende Effekt heißt cupping-Artefakt. 3. Strahlaufhärtungskorrektur für homogene ObjekteEine weit verbreitete und effektive Korrekturmethode von Strahlaufhärtungsartefakten für homogene Objekte basiert auf der Linearisierungstechnik. Es handelt sich um einen Vertreter der vorverarbeitenden Korrekturtechniken. Trägt man in einem Diagramm monoenergetische und polyenergetische Projektionswerte (y-Achse) gegen die durchstrahlte Weglänge im Objekt (x-Achse) auf, erhält man eine Gerade bzw. eine konkave Kurfe durch den Ursprung. Das Prinzip der Linearisierung besteht darin, einen gemessenen polyenergetischen Projektionswert In der Praxis wird die nichtlineare Kurfe experimentell aus der Radiographie eines homogenen Eichkörpers mit bekannten Längen ermittelt. Die Materialeigenschaften von Referenz- und Untersuchungsobjekt sollten möglichst übereinstimmen. In [2] wird für den Fit der Messpunkte ein Polynom N. Grades vorgeschlagen. Allerdings wird der Zusammenhang der detektierten Schwächungsverhältnisse und der Weglängen eines Röntgenstrahls durch das Objekt physikalisch angemessener durch eine Summe von Exponentialfunktionen beschrieben.
Die Funktion Hs(.) bezeichnet die Strahlaufhärtungskennlinie bezüglich des Energie-spektrums S(E). Man erhält Datenpunkte der Funktion Hs, indem man für verschiedene bekannte Längen L des Eichkörpers das Schwächungsverhältniss
Wenn die Korrekturkennlinie Hs-1 ermittelt ist, funktioniert die Strahlaufhärtungskorrektur wie folgt: Für jeden Messwert einer Projektion und für alle Projektionen des Objekts wird das Schwächungsverhältnis Der Nachteil der Linearisierungsmethode liegt auf der Hand: für jedes Untersuchungs-objekt wird ein Referenzobjekt aus dem gleichen Material benötigt. Ausserdem ist die Kalibriermessung nur für ein spezielles Energiespektrum S(E) gültig. Der Vorteil unserer Arbeit liegt darin, die benötigte Korrekturkennlinie aus dem Untersuchungsobjekt selbst zu bestimmen. Im nächsten Abschnitt werden ausführlich die Nachverarbeitungsschritte erläutert, die zur Berechnung der Korrekturkennlinie Hs-1 erforderlich sind. 4. Berechnung der KorrekturkennlinieZiel der im folgenden dargestellten 3D Bildverarbeitungsschritte ist die Ermittlung der Korrekturkennlinie aus dem untersuchten, rekonstruierten Volumen. Diese Nachverarbeitungschritte ersetzen die aufwendige Kalibriermessung mit einem Eichkörper. Es handelt sich im Einzelnen um folgende Operationen: Segmentation des Untersuchungsobjektes, Ermittlung der Strahlsummen (Ray Summing), also die Berechnung der durchstrahlten Weglänge L durch das Objekt und anschliessender Fit der erhaltenen Datenpunkte. A. Segmentation Vorbinarisierung Konturverfolgungsalgorithmus Um diesen Algorithmus auf Voxeldaten anwenden zu können, muß zunächst die Oberfläche des betrachteten Objektes extrahiert werden. Ein dreidimensionaler Kantenoperator liefert auf das rekonstruierte Volumen angewendet ein Konturvolumen Vc. In der dreidimensionalen Bildverarbeitung ist die diskrete Repräsentation eines Strahls eine geordnete Folge von Voxeln no...nn. Beispielsweise kann als Startvoxel no eines Strahls einer der 26 Nachbarn des Testvoxels nt gewählt werden. Im folgenden Schritt, "Ray Summing" genannt, wird die Weglänge durch das nun segmentierte Objekt unter Verwendung des Binärvolumens Vbin "gemessen". B. Ray Summing C. Fit 5. Iterative Artefakt Reduzierung (IAR)In den beiden vorangegangenen Abschnitten haben wir die erforderlichen Vor- und Nachverarbeitungsschritte dargelegt, die zur Berechnung und Verwendung einer Korrekturkennlinie für die Strahlaufhärtungskorrektur nötig sind. Die Iterative Artefakt Reduzierung (IAR) ist ein mehrstufiger Prozess, der diese Vor- und Nachverarbeitungsmethoden kombiniert. Nach jeder Iteration des IAR-Alogrithmuses liegt eine verbesserte Korrekturfunktion Hs-1 vor. Der Algorithmus funktioniert wie folgt:
Initialisierung
Rekonstruktion
Nachfolgende Iterationen rekonstruieren verbesserte Volumen VN(r), in dem sie die modifizierten Projektionsdaten PN aus dem Vorverarbeitungsschritt, d.h. der Linearisierung verwenden.
Nachverarbeitung Abbruch 6. ErgebnisseUm unser IAR-Verfahren zu testen, haben wir einen Testkörper und einen Eichkörper, beide aus der gleichen Aluminium-Legierung konstruiert. Bei dem Testkörper handelt es sich um einen Quader mit den Abmessungen 20 x 10 x 4 cm. Er enthält Schrägen und Bohrungen mit unterschiedlichen Durchmessern. Unser Referenzobjekt ist ein Stufenkeil bestehend aus 30 Stufen von 0.05 cm bis 20 cm Länge und jeweils 0.5 cm Höhe. Testkörper und Stufenkeil haben wir mit einer Seifert DP 424 Anlage mit folgenden Parametern aufgenommen: 225 kV, 3 mA, 5123 Voxel, Voxelgröße 373 m m, 800 Projektionen, Abstand Quelle-Detektor 3 m. Zur Überprüfung der IAR-Methode haben wir die "gleiche" Korrekturkennlinie auf drei verschieden Arten berechnet. Wenn unsere Methode funktioniert, sollten die drei erhaltenen Funktionen gut übereinstimmen:
Um die Resultate vergleichen zu können, tragen wir, wie in der Literatur üblich, die Projektionswerte gegen die Durchstrahlungslängen auf. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, unterscheiden sich die drei Funktionen in akzeptablen Grenzen.
Die Steigung der monoenergetischen Linie
Abbildungen 2 mit 4 zeigen eine rekonstruierte Schicht und Profilschnitte unseres Testkörpers vor und nach der Strahlaufhärtungskorrektur. Auftretende Artefakte sind deutlich reduziert worden.
7. ZusammenfassungMit der Iterativen Artefakt Reduzierung (IAR) haben wir ein effektives Verfahren zur Strahlaufhärtungskorrektur vorgestellt. Die Berechnung der Korrekturkennlinie erfolgt aus dem rekonstruierten Volumen selbst. Die IAR-Methode benötigt die Projektionsdaten und funktioniert derzeit nur bei homogenen Objekten. Eine Kenntnis des Energiespektrums oder des untersuchten Materials ist nicht erforderlich. Wir haben unsere Methode an einen Testkörper überprüft und einen Stufenkeil verwendet, um den IAR-Algorithmus mit bisherigen Korrekturmethoden zu vergleichen. Wir haben demonstriert, dass die Bildqualität durch die iterative Korrekturmethode offensichtlich verbessert wird. Basierend auf den Testdaten haben wir gezeigt, dass die IAR ein geeignetes Verfahren ist, um die zeitaufwendige Aufnahme und Auswerung von Eichkörpern zu ersetzen. Referenzen
| |||||||||||||||||||||||||||||||
|