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| DGZfP-JAHRESTAGUNG 2003 ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung | |||
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Riss- und Gefügeprüfung mit akustischer Resonanzanalyse im Schall- und Ultraschallbereich für Kfz-SicherheitsteileIngolf Hertlin, RTE Akustik + Prüftechnik GmbH, PfinztalThomas Herkel, RTE Akustik + Prüftechnik GmbH, Pfinztal Kontakt: Hertlin Ingolf Dipl.-Inform. ZusammenfassungDie akustische Resonanzanalyse, auch als "Klangprüfung" bezeichnet, ist - manuell angewendet - ein vielfach eingesetztes Prüfverfahren. Die industrielle Nutzung zur schnellen, zerstörungsfreien Serienprüfung ist dagegen noch nicht in gleicher Weise eingeführt und akzeptiert, da bislang die systematische Betrachtung und Bewertung der Einflussbedingungen sowie leistungsfähige Systeme für den Einsatz in rauer Industrieumgebung fehlte. RTE hat diese Lücken geschlossen und die akustischen Materialprüfsysteme SR20AT für den hörbaren Bereich und USR50 für den Ultraschallbereich entwickelt und mehrfach erfolgreich industriell in der 100 % Prüfung installiert.Anhand verschiedener Anwendungsbeispiele wird der Stand der Technik dargestellt, das Verfahren erläutert, die Anwendbarkeitsgrenzen angesprochen und die weitere Entwicklung aufgezeichnet. 1 EinleitungMethoden der akustischen Mess- und Prüftechnik gewinnen durch die steigenden Qualitätsanforderungen zunehmend an Bedeutung. Sie kommen heute in vielen Bereichen zum Einsatz, z. B. bei der Schwingungs- und Geräuschminderung und für die Werkstück-, Material-, Maschinen-, Prozess- und Produktüberwachung zur Störungserkennung. Die Klangprüfung ist auch heute noch eine sehr verbreitete Methode, nicht nur bei der Geschirr- und Gläserprüfung im Kaufhaus, sondern als subjektive Prüfmethode auch in der Industrie. Genaugenommen wird jedoch nicht der "Klang" ausgewertet, sondern die Resonanzfrequenzen, in denen der angeschlagene Körper schwingt. In der Serienfertigung ist dieses Verfahren durch menschliche Prüfer jedoch
2 Physikalische GrundlagenDie Akustik ist ein spezielles Gebiet der Physik und beschäftigt sich mit den Phänomenen von Schwingungen und Geräuschen bei der Entstehung, Abstrahlung, Ausbreitung, Aufnahme und Verarbeitung.In homogenen Medien breitet sich der Schall unverzerrt mit einer konstanten Geschwindigkeit aus. In der Praxis ist dieses jedoch in der Regel nicht gegeben, so dass Effekte wie z. B. Beugung, Brechung, Reflexion und Dämpfung berücksichtigt werden müssen, auf die hier jedoch nicht eingegangen werden kann. Die mechanischen Auslenkungen in elastischen Medien wie Gase, Flüssigkeiten oder Festkörpern heißen elastische Wellen. Die Fortpflanzungsgeschwindigkeit c ist in einem steifen Medium höher als in einem weichen Medium und im wesentlichen eine Materialkonstante (Dichte, Elastizitätsmodul). Die Schallausbreitung ist eine gerichtete Größe (Vektor) und hängt von der Form des Körpers ab (Reflexion). In Festkörpern unterscheidet sich die Schallausbreitung gegenüber Gasen und Flüssigkeiten dadurch, dass neben Kompressionswellen auch Schubspannungen und Schubdeformationen auftreten können. Folgende Wellentypen können dabei auftreten (Bild 2):
Generell ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Longitudinalwellen schneller als die der Transversalwellen. Die Wellenbewegungen in elastischen Körpern lassen sich als Summe von reinen Longitudinalwellen und reinen Transversalwellen beschreiben. Sie bilden die Grundtypen, aus denen alle anderen Wellentypen aufgebaut werden können (Tabelle 1):
Die Fortpflanzungsgeschwindigkeiten von Longitudinal- und Transversalwellen sind Materialkonstanten und hängen von elastischen Eigenschaften (E-Modul) und Materialdichte ab. Da diese wiederum temperaturabhängig sind, ist auch die Schallgeschwindigkeit temperaturabhängig. 3 Akustische ResonanzanalyseFast alle Körper schwingen, wenn man sie durch einen Schlag oder eine von außen aufgezwungene Schwingung anregt. In einem Körper sind eine Vielzahl von solchen Schwingungen enthalten. Die Schwingungen, mit denen der Körper vorzugsweise schwingt, werden natürliche Eigen- oder Resonanzschwingungen genannt, meist bezeichnet als Resonanzfrequenzen oder kurz Resonanzen. Die akustische Resonanzanalyse als ZfP-Verfahren nutzt diesen Effekt, um auf den Zustand des Werkstückes zu schließen. Aus den Resonanzfrequenzen lassen sich werkstückspezifische akustische Kennwerte berechnen ("finger print"), und damit Gütemerkmalen zuordnen. Sie kann entweder im hörbaren Bereich (kleiner 16 kHz) oder im nicht hörbaren Frequenzbereich (> 16 kHz) stattfinden. Im hörbaren Bereich nennt man das Verfahren auch Klangprüfung, obwohl wie gesagt nicht der Klang betrachtet wird, sondern die Resonanzfrequenzen des schwingenden Körpers (Bild 3). Im nicht hörbaren Bereich spricht man von Ultraschallresonanzprüfung.
Die Schwingungen sind quasi die "Sprache" des Werkstückes, die man mit einem Sensor erfassen und digital analysieren kann.
Die Resonanzen in einem Körper hängen u. a. vom Material, der Geometrie und dem Zustand ab. Jede Eigenschaft repräsentiert eine stehende Welle mit einer Resonanzfrequenz. Während beispielsweise eine Flöte vorzugsweise mit einer einzigen Frequenz (Grundschwingung und harmonische Oberschwingungen) schwingt, entstehen in anderen Körpern eine Vielzahl von Frequenzen, die miteinander in keiner (einfachen) mathematischen Beziehung stehen.
4 Akustische PrüftechnikEin akustisches Prüfsystem hat den in Bild 4 dargestellten Aufbau.
Es besteht aus einem oder mehreren Sensoren (Mikrofone, Körperschallaufnehmer), die das Geräusch in elektrische Signale wandeln und über Filter und Verstärker an die nachfolgende Verarbeitungskette anpassen. In der nächsten Stufe erfolgt die Merkmalextraktion, die aus dem Signal die charakteristischen Merkmale extrahiert. Die Werte dieser Merkmale vergleicht man nun mit den Qualitätsforderungen (Merkmalklassifikation). Die Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung mit den festgelegten Forderungen ergibt das Qualitätsurteil. Die Prüfverfahren gliedern sich also in zwei Verarbeitungsstufen: in die Merkmalextraktion und in die Klassifikation. Die Merkmalextraktion bewirkt die Informationsverdichtung. Das Schallereignis bzw. Sensorsignal muss in dieser Stufe so prägnant beschrieben werden, dass alle für den Beurteilungsprozess wesentlichen Informationen in charakteristischen Merkmalen enthalten sind. Sie erfordert Verfahren, mit denen die charakteristischen Kennwerte aus dem Schwingungssignal extrahiert werden. Bei nicht-stationären (impulshaften) Geräuschen und Schwingungen findet also eine Analyse der Geräusche im
Wie Tabelle 2 zeigt, haben die drei Bereiche Anregung, Vorrichtung und Sensorik einen großen Einfluss auf das Ergebnis einer Resonanzanalyse. Insbesondere haben Art, Ausführung und Position ein besonderes Gewicht. Tabelle 2 beschreibt die Einflussfaktoren im Einzelnen.
Bild 5 zeigt beispielhaft den Aufbau des akustischen Materialprüfsystems SR20AT der Firma RTE Akustik + Prüftechnik, Pfinztal. Bei einer vollautomatischen Prüfanlage übernimmt in der Regel eine SPS die gesamte Kommunikation mit dem Prozess und ist für die Prüfstandssteuerung sowie das Werkstückhandling verantwortlich. Die Werkstückanregung erfolgt durch das Prüfsystem selber, um die Synchronisation zwischen Anregung und Messung zu gewährleisten. Zusätzliche Sensorik oder auch die Kommunikation mit anderen Systemen wie Bildverarbeitung oder Prüfsystemen mit ergänzenden Verfahren ist durch den direkten Anschluss an SR20AT möglich. Durch eine zentrale Dokumentation und Archivierung der Ergebnisse ist auch die Durchgängigkeit und einheitliche statistische Analyse sowie Rückverfolgbarkeit sichergestellt. Das Prüfsystem SR20AT ist aus einzelnen Komponenten aufgebaut, die ineinander greifen und vielfältige Funktionen dem Anwender bereitstellen (Bild 6).
5 Anwendungen in der PraxisWesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung in der Serienprüfung ist das Engineering. Dabei muss man sich systematisch und umfassend mit dem Prüfobjekt, dem Material, der Lagerung bei der stoßweisen oder kontinuierlichen piezoelektrischen Anregung, geeigneten Anregungs- und Messposition(en) sowie der geeigneten Sensorik befassen.
Aus der Vielzahl der Anwendungsmöglichkeiten werden folgende Beispiele näher betrachtet:
5.1 Riss- und Härteprüfung von ZahnstangenZahnstangen von Kfz-Lenkungen unterliegen einer strengen Fertigungs- und Qualitätskontrolle. Durch die verschiedenen Bearbeitungsvorgänge wie Drehen, Bohren, Fräsen, Schleifen, Richten und Härten können Risse im Körper sowie Anzeigen an der Oberfläche entstehen, die nicht toleriert werden. Die Zahnstange wird mehrfach gedreht und angeschlagen und die Messungen untereinander verglichen (Bild 7).
5.2 Prüfung von SintermetallproduktenDie zu prüfenden Werkstücke aus Sintermetall laufen nach dem Sinterofen auf ein Förderband und sind auf Risse und Materialhomogenität zu prüfen. Die Prüfanlage vereinzelt die Werkstücke, richtet sie einheitlich aus, prüft sie und fördert sie anschließend weiter (Gutteile) bzw. sortiert die Fehlteile aus (NIO-Ablage). Die Anlage prüft 900 Teile pro Stunde. Die Resonanzmethode ist u. a. deshalb sehr gut für die Prüfung von Sintermetallprodukten geeignet, weil die Resonanzfrequenzen auch von der Dichte / Dichteverteilung abhängen. Ausrichten (links) und Prüfen (rechts) Automatikprüfanlage mit Transportbändern
5.3 Riss- und Gefügeprüfung von BremsenkomponentenIn sphäritischem Gusseisen mit Kugelgrafit (EN-GJS-xxx-y) kommt es für die Materialgüte auf eine gute Grafitkugelausbildung und Rissfreiheit an. Gleichzeitig soll qualitativ erkannt werden, ob die Werkstücke wärmebehandelt wurden (Härte). Die Prüfanlage erlaubt die gleichzeitige zerstörungsfreie Riss- und Gefügeprüfung von Gussteilen wie Bremssattel (Bild 9) innerhalb weniger Sekunden im Fertigungstakt. Auf diese Weise ist eine 100 % Prüfung sichergestellt, um laufend die Fertigungsgüte zu überwachen. Sphäroguss mit Kugelgrafit Rundtakttisch für Bremsenteile mit Kombination von visueller Prüfung, Wirbelstrom- und Resonanzprüfung Bild 9: Riss- und Gefügeprüfung von Bremsenteilen6 AusblickDie Resonanzanalyse ist ein schnelles, kostengünstiges und mit geringem Aufwand automatisierbares Verfahren, das über eine Reihe von besonderen Eigenschaften verfügt. In der Zukunft kommt es darauf an, dass dieses Verfahren seine Anerkennung und Akzeptanz neben den "klassischen" ZfP-Verfahren erlangt. Hierzu sind insbesondere erfolgreiche praktische Anwendungen erforderlich. Dabei sind den Anwendern Systeme anzubieten, die durch Kombination von Oberflächen- und Volumenprüfung eine kostengünstige Serienkontrolle im Fertigungstakt ermöglichen.LiteraturHertlin, I.: Akustische Resonanzanalyse. Informationsschriften zur zerstörungsfreien Prüfung (ZfP kompakt und verständlich). Band 5. Castell-Verlag. 2003 (in Vorbereitung) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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