Da die Modellierung der Ultraschallausbreitung auch heute noch auf einfache Fälle beschränkt ist - insbesondere ist eine 3D-Modellierung mit numerischen Methoden nur für sehr kleine Objekte möglich - stellt die Frage nach experimentellen Methoden mit gleichem Informationsgehalt. Im nachfolgenden Abschnitt werden zwei gut bekannte Verfahren kurz erläutert und dann ein neues und sehr einfaches Verfahren vorgestellt.
Der Artikel stellt zur Demonstration ein movie-file "rayleigh.mpg" bereit.
Dieses File kann mit jedem MPEG viever abgespielt werden.
Das Movie zeigt mit 10 Sekunden Länge eine 2 MHz Rayleigh Welle auftreffend auf zwei Nuten einer AL-Plate.
Das Movie kann über den folgenden Server geladen werden: SWRI South West Reseach Institute server - URL: ftp://ftp.nde.swri.edu/pub/nde/ultrasonic_fields/rayleigh.mpg. Wir danken Keith Pickens von SWIR.
Oder Sie können es auch hier sofort laden => Download rayleigh.mpg movie 750KB
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In der einfachsten und am weitesten verbreiteten Methode wird das Schallfeld mit kleinen Aufnehmern räumlich abgetastet. Aufgetragen wird das zeitliche Maximum des Schallwechseldruckes über dem Ort. In fluiden Medien setzt man Hydrophone ein. Bei den hier interessierenden Festkörpern sind nur die Oberflächen zugänglich, so daß in einer Anordnung entsprechend Abb. 1 gemessen wird.
In beiden Fällen muß der jeweilige Aufnehmer für eine unverfälschte Messung eine Apertur besitzen, die klein gegenüber den interessierenden Wellenlängen ist. Als Aufnahmesoftware kann die übliche C-Scan-Technik zum Einsatz kommen. Momentaufnahmen entstehen auf diese Weise nicht.
Weit weniger verbreitet sind optische Techniken zur Schallfeldvermessung. Eine möglichen Anordnung ist in Abb. 2 (siehe [3]) wiedergegeben. Das Licht von einer Laserdiode wird über zwei Spiegel durch das Medium mit der zu untersuchenden Wellenerscheinung geschickt. Zwei gekreuzte Polarisationsfilter sorgen dafür, daß die elastischen Wellen als Helligkeitsmodulation mit der Kamera aufgenommen werden können. Bei geeigneter Synchronisation können auf diese Weise ganze Filme der Wellenausbreitung hergestellt werden. In Abb. 3 ist eine auf diese Weise gewonnene Momentaufnahme der Streuung an einem Zylinder wiedergegeben.
Diese Methode ist jedoch nur für optisch transparente Medien anwendbar. Darüberhinaus wird noch eine Translationssymmetrie der akustischen Erscheinungen in Lichtausbreitungsrichtung vorausgesetzt. Zur Abbildung von Wellenerscheinungen auf den Oberflächen von opaken Festkörpern sind verschiedene interferometrische Techniken geeignet. Eine von ihnen ist die Doppel-Impuls- Laserinterferometrie. In Abb. 4 ist eine mögliche Meßanordnung [4] schematisch dargestellt. Die Oberfläche wird durch zwei aufeinanderfolgende Pulse aus kohärentem Licht beleuchtet, die durch den Modulator in ihrer Phase um nahezu 180 ° gegeneinander verschoben werden. Die entsprechenden Hologramme werden aufgenommen und gemeinsam rekonstruiert. Ist die Oberfläche bewegungslos, löschen sich diese Aufnahmen wegen der Phasenverschiebung nahezu aus. Werden die Aufnahmen zu Zeitpunkten gemacht, die sich um eine halbe Periodendauer der Ultraschallwelle unterscheiden, so bilden sich die Stellen maximaler Oberflächennormalverschiebung hell ab, während die ruhenden Bereiche dunkel bleiben. In Abb. 5 ist ein Beispiel gezeigt, bei dem ein Prüfkopf Rayleighwellen in eine beschichtete Probe mit Bindefehlern abstrahlt. Die Primärwellen sind ebenso sichtbar wie die in den Bereichen der Bindefehler entstehenden Sekundärwellen. Die beiden Fehler haben eine Größe von 6 mm (links) und 12 mm (rechts). Die beiden genannten Methoden haben gegnüber der konventionellen Intensitätsabbildung den Vorteil, daß Momentanbilder der Wellenausbreitung aufgenommen werden können. Dem steht der Nachteil der Beschränkung auf optisch transparente Medien (Polarisationsoptik) bzw. vergleichsweise aufwendiger Meßtechnik (Doppel-Impuls-Laser-Holographie) gegenüber. Deshalb wird hier eine weitere Methode vorgestellt, die auf konventioneller Scannertechnik und Sensorik aufbaut, wie sie in vielen Ultraschallaboratorien verfügbar ist. |
![]() Abb. 1 System für konventionelle Schallfeldmessungen ![]() Abb. 2 Polarisationsoptik zur Abbildung von elastischen Wellen in optisch transparenten Medien. ![]() Abb.4 Experimentelle Anordnung zur Doppel-Impuls-Laser-Holographie
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| Die Grundidee ist sehr einfach. Die Oberfläche wird ebenso wie bei der konventionellen Ultraschalltechnik punktweise mit einem geeigneten Sensor abgetastet. Im Gegensatz zur C-Bild-artigen Speicherung der Maximalamplitude aus einem genügend großen Zeitbereich wird jedoch der Momentanwert bei einer festen Zeit als Helligkeit oder Farbwert wiedergegeben. Damit entseht ein Bild der Momentanauslenkung. Durch geeignete Software können natürlich gleichzeitig Momentaufnahmen zu unterschiedlichen Zeiten in einem Scan angefertigt werden. In Abb. 6 wird versucht, das Verfahren zu veranschaulichen. In der Mitte sind die Zeitsignale dargestellt, wie sie durch den Punktsensor aufgenommen werden. In den Quadraten ist die Wellenausbreitung im Volumen angedeutet (Schnittbild) und unter ihnen die Momentanauslenkung u auf der Oberfläche zu fester Zeit über einer Linie entlang der x-Achse (Linienscan). Zwischen aufeinanderfolgenden Schüssen n+i ist der Sensor jeweils im Ort weitergerückt und das nächste Pixel wird in den Linienscan eingetragen. Die Fläche wird naturgemäß durch Aneinanderreihung von Linienscans entlang der y-Achse gefüllt. Dieses Verfahren ist mit existierenden Scannern wie in Abb. 1 problemlos durchführbar. Es ist nur eine Frage der Software und der Speicherplatzbegrenzung, wieviele Bilder gleichzeitig gesammelt werden. Mit heutiger Technik lassen sich problemlos 32 Bilder mit einem konstanten Zeitraster erstellen, die dann zu einem Film zusammengesetzt werden können. Der Typ der verwendeten Aufnehmer ist variabel. Möglich sind zum Beispiel piezoelektrische Stiftwandler, elektrodynamische Aufnehmer und Laser-Interferometer. Die notwendige Voraussetzung ist in allen Fällen, daß die aktive Fläche der Wandler kleiner als die Wellenlänge ist und daß sie möglichst rückwirkungsfrei die Ultraschallwelle abtastet. Natürlich erfassen die verschiedenen Sensoren unterschiedliche Größen der Welle. Das Laserinterferometer mißt z. B. die Normalauslenkung der Oberfläche, elektrodynamische Sonden Normal- oder Transversalkomponenten der Geschwindigkeit usw. Die Bilder sind dann entsprechend zu interpretieren. | Abb. 6 Prinzip der Erstellung von Momentaufnahmen |
3.1. SCHNAPPSCHÜSSE VON RAYLEIGHWELLEN
Die vorgestellte Technik wurde an einem Aluminium-Testkörper mit verschiedenen Testfehlern erprobt. Im Beispiel der Abbildung 7 laufen Rayleigh-Wellen über einen Bereich, der eine schrägliegende Nut enthält, die 1 mm unter der Oberfläche endet. Nach 44 µs sind die von der Rißspitze ausgehenden sekundären Wellen deutlich zu erkennen. Im späteren Zeitverlauf bildet sich eine von der Nut ausgehende reflektierte Welle aus. Es ist ersichtlich, daß die transmittierte Welle einen Phasenversatz gegüber dem Bereich besitzt, in dem sie sich ungestört ausbreiten konnte. Dies ist offensichtlich auf eine verminderte Schallgeschwindigkeit der Welle in dem verbleibendem Steg über der Nut zurückzuführen. Dort ist die Welle für eine kurze Strecke eine Plattenwelle.
Wie die vorgestellte Nut bilden sich auch andere Fehler in charakteristischer und intuitiv leicht erfaßbarer Weise ab. Damit ist diese Methode nicht nur ein Verfahren zum Studium der Wellenausbreitungsphänomene sondern auch geeignet für eine Ultraschall-Defektoskopie.
4. ZUGANG ZU SCHALLFELDERN IN DER PRÜFKOPF-EINSCHALLEBENE
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Bernd Köhler
Fraunhofer Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren
Außenstelle Dresden
Krügerstraße 22, 01326 Dresden