
Bild 1: Prinzipbild Verbundguß
Dieser Werkstoffverbund aus einem zähen unlegierten Stahl mit dem sehr verschleißbeständigen aber spröden Chromgußeisen soll die Eigenschaften der beiden Werkstoffe so kombinieren, daß ein hoher Widerstand gegen abrasiven und Prallverschleiß mit guten Festigkeitseigenschaften und ausreichender Duktilität sowie Bruchsicherheit besonders bei schlagartiger Beanspruchung erzielt wird. Entscheidende Voraussetzung für die angestrebte Eigenschaftskombination ist eine stoffschlüssige Verbindung der beiden Werkstoffe. In der Vergangenheit wurde versucht, dies durch Löten, Kleben oder Schweißen zu erreichen [3]. Eine besonders effektive Herstellung kann durch Verbundgießen erfolgen, womit eine Alternative zum ausschließlichen Einsatz nur einer Werkstoffkomponente oder konventionellen Fertigungsmöglichkeiten, wie z.B. mehrlagigem Auftragsschweißen entsteht.
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| Bild 2: Prüftechnik Reflexion | Bild 3: Prüftechnik Streuung |
Als Prüfkopfkombination für die Streuungsmessungen werden konventionelle Miniaturwinkelprüfköpfe 45°, 4 MHz eingesetzt. Um den Einfluß der durch thermische Einwirkung beim Fertigen entstandenen Verformungen der Probenplatten auf die Ultraschallmessungen zu minimieren, wird in Kontakttechnik mit fester Vorlaufstrecke gearbeitet und die Blendenpositionierung durch das Eintrittsecho getriggert.
Geprüft wird jeweils von der Seite des Stahlgrundkörpers aus, da die Gußoberfläche und die hohe Schallschwächung des Chromgußeisens (a= 450 dB/m für Longitudinalwellen bei 5 MHz) eine Prüfung von dieser Seite nicht zulassen. Ferner werden für weitere Untersuchungen Spezialtechniken zur Rißtiefenmessung mit Ultraschall angewendet und Schallgeschwindigkeits- und Schallschwächungsmessungen durchgeführt.
Die Ultraschallstreuanzeigen sollen weitergehende Informationen zu den Grenzflächenverhältnissen in den bindefehlerfreien Bereichen liefern. Die Verstärkungseinstellung des Ultraschallprüfsystems ist dabei so, daß in den nicht interessierenden Bereichen der Bindefehler die Anzeigen übersteuert dargestellt sind. Aus den Streuanzeigen ergeben sich Korrelationen zur örtlichen Aufschmelzung des Stahlgrundkörpers durch das Chromgußeisen beim Gießprozeß. In Bild 6 zeichnet sich der im Querschliff deutlich erkennbare Bereich der Aufschmelzung als Bereich besonders niedriger Streuamplituden im C-Bild ab. Somit können anhand der Ultraschallbilder die Größe dieser Bereiche in der Plattenebene zerstörungsfrei ermittelt werden.
![]() Bild 6a): C-Bild Streuung |
![]() Bild 6b): Querschliff Aufschmelzung an gekennzeichneter Stelle |
In den D-Bildern der Streuanzeigen wird darüber hinaus ersichtlich, daß im Bereich der Aufschmelzungen auch gehäuft Streuanzeigen aus größerer Tiefe, also aus dem Chromgußeisen auftreten. Nach Trennen der Proben konnten den aus den D-Bildern ermittelten Tiefenbereichen zuverlässig das Auftreten von Mikrolunkern im Chromgußeisen zugeordnet werden, was in Bild 7 ersichtlich wird.
![]() Bild 7a): D-Bild Streuung |
![]() Bild 7b): Querschliff Mikrolunker an gekennzeichneter Stelle |
Eine wichtige zu bestimmende Größe für bruchmechanische Versuche und Konstruktionsberechnungen ist der Elastizitätsmodul im Chromgußeisen. Nach den bekannten Beziehungen kann dieser Kennwert durch Messung der Schallgeschwindigkeiten von Longitudinalwelle und Transversalwelle sowie der Dichte ermittelt werden. Hierfür sind bei den dazu erforderlichen Laufzeitmessungen schallschwächungsbedingte Impulsverformungen, die zu Triggerpunktverschiebungen führen, besonders zu beachten. Eine Fehlerrechnung mit den auftretenden Einzelunsicherheiten ergab, daß die resultierenden Abweichungen mit +/-4 GPa den Anforderungen der zu erreichenden Genauigkeit entsprechen. Insgesamt ermöglichen die gewonnen Ultraschallergebnisse eine effektive und gezielte Probenwahl und Gestaltung nachfolgender Untersuchungen. Es muß besonders in Betracht gezogen werden, daß sich aufgrund der Härte und Verschleißbeständigkeit des Chromgußeisens die Probenanfertigung extrem aufwendig gestaltet, so daß hier eine Optimierung des zeit- und gerätetechnischen Aufwand von Bedeutung ist. Ferner wird die Aussagefähigkeit nachfolgender Versuche gesichert, z.B. durch Vermeiden unerwünscht fehlerbehafteter Probenbereiche bei bruchmechanischen Untersuchungen.
Neben den Aussagen zur Werkstoffcharakterisierung können auch interessante Beziehungen zu gießtechnischen Parametern gewonnen werden. So kann bereits aus den in Impuls-Echo-Technik gewonnenen C-Bildern auf die Position des Gießstrahls geschlossen und sein Einwirkungsbereich erfaßt werden. Es ergeben sich Korrelationen der Fehlerhäufigkeit und -lage zu Parametern wie Gießtemperatur, Vorwärmtemperatur und Art des Flußmittels. Damit werden gezielt Bewertungen und Veränderungen der Gießtechnologie ermöglicht.
Fazit
Diese Arbeit entstand im Rahmen des durch die DFG und dem LSA geförderten Teilprojekts "Werkstoffcharakterisierung" des Sonderforschungsbereiches 385 "Baustoffrecycling" im Institut für Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Dr. - Ing. Jürgen Pohl ,
Juergen.Pohl@Masch-Bau.Uni-Magdeburg.DE |
Dipl.Ing. Dirk Wiedemann,
Dirk.Wiedemann@Masch-Bau.Uni-Magdeburg.DE |
Prof. Dr. - Ing. habil. Karl-Otto Prietzel,
Karl-Otto.Prietzel@Masch-Bau.Uni-Magdeburg.DE |
| Die Autoren sind wissenschaftliche Mitarbeiter an der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg - Institut für Werkstofftechnik und Werkstoffprüfung - [Home Page] PF 4120 - 39016 Magdeburg |