ZfP Jahrestagung 96 - Report Here English

Conf_Rolf by Rolf Diederichs


Wir berichten über die ZfP Jahrestagung 1996 vom 13.-15. Mai in Lindau mit deren Highlights zur Ultraschallprüfung und 34 vollständigen Abstrakten der UT-Beiträgen, einige davon sind schon jetzt mit einem Link zum Volltext vorhanden. Wir rechnen mit weiteren Volltexten und werden auf diese über die Titelseite aufmerksam machen.

SchnitgerHerr Schnitger (im Bild), Präsident der DGZfP, eröffnete die Veranstaltung mit 530 Teilnehmern. Die Zahl entsprach dem der Vorjahr, da dies eine gemeinsame Tagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizer schweizer Gesellschaften war, schien uns die Teilnehmerzahl eher gering, dabei waren jedoch nur 24 Österreicher- und 16 Schweizerteilnehmer anwesend. Bezüglich des Ablaufs der Veranstaltung verweisen wir auf das online Programmheft.



Unser Hauptinteresse galt den technischen Inhalten der 33 Ultraschallbeiträge, diese fanden in Form von Vorträgen (20 Min +10 Min Diskussion) und Plakaten statt.

Die Ausstellerstände, in Form von Posterwänden, wurden nur von insgesamt 30 Firmen genutzt. Wir führten auf unserem Stand eine Multimedia-Präsentation "NDT & Internet" vor. Ein Screenmovie zeigte mit ca. 25 Minuten an einigen Beispielen die NDT Ressourcen des Internets und die Inhalte unseres UT-Online-Journals. Durch dessen wiederkehrenden Ablauf konnten wir uns ausschließlich den Gesprächen und den Vorträgen widmen. Ca. 50 unserer virtuellen Leser begegneten wir dort 'wirklich'. Viele zeigten großes Interesse am Internet, und ein Zugang stand auf dem Plan. Unsere Newsgroup - Frageaktion fand im Tagungstreß leider keine aktive Teilnahme, wie schon gesagt, aber dafür um so deutlicher das World Wide Web.

Nun unsere Eindrücke zu den Themen, die uns besonders auffielen:

  • Die Standardisierungswelle

    Eine Stimmung, der Standardisierung müde geworden zu sein, war verbreitet, mit Äußerungen wie "Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" und "Wegelagerer" auf dem Sprung zur neuen Akkreditierungsinstitution.

    Volker Deutsch gab in seinem Vortrag an, daß nach seiner Umfrage kein Einkauf einer Firma ohne den Besitz der ISO 9001/2 bei der Vergabe benachteiligt werde - Einkaufsrichtlinien werden durch entsprechende Klauseln tolerant gehalten. Im Zweifelsfalle gelte die Produkthaftung und falsch ausgestellte CE-Zeichen würden mit Geldstrafen von 100.000 DM geahndet.

    Ein 1 1/2- stündiges Streitgespräch beschäftigte sich mit dem folgendem Entwurf:

    Nachweis von Geräteeigenschaften:
    Akkreditierte Zertifizierung oder
    Konformitätserklärung des Herstellers
    am Beispiel der neuen Normung der Ultraschallgeräte

    streit Moderator: H.-D. Tietz, Zwickau
    Teilnehmer: L. von Bernus, IzfP Saarbrücken; A. Hecht, BASF Ludwigshafen; B. Larsen, FORCE Institut Esbjerg (DK); M. Platte, Karl Deutsch Wuppertal; U. Schlengermann, Krautkrämer Hürth; H. Schneider, Mannesmann Duisburg; P. Tscheliesnig, TÜV Wien (A); H. Wüstenberg, BAM Berlin.

    Hier einige Ausschnitte der Diskussion:


    Herr Schneider: "Ich befürchte, daß diese Norm auch Anlagen mit einschließen wird und dies sogar noch für Software an Anlagen gelten wird".

    Herr Schlengermann (Ausschußleiter) dämpft dies ab: "Der Geltungsbereich trifft nur auf handelsübliche Standard Prüfgeräte zu".

    Herr Wüstenberg: "Das Dokument zeigt schon Ansätze welche nicht nur für Handprüfgeräte gilt, sondern für leichte Automatisierung schon Verwendung findet, wie z.B. Blendenausgänge. Ich finde das Dokument grundsätzlich positiv und sehe hier Dinge verwirklicht welche schon in der bestehenden Richtlinie für UT Geräte verankert sind".

    Das Publikum greift ein: "Wo das Prüfgerät definiert sei? z.B. ein vom Prüfer angefertigter Ankoppelschuh, könnte ausgeklammert werden, obwohl dieser wesentlich zum Ergebnis beiträgt. Die Hersteller sollen selbst die Konformität zur Norm bescheinigen. Außerdem sollten Normen so ausgelegt werden, daß diese nicht später zur Innovationsbremse würden, ebenso auch nicht bestimmte Hersteller bevorzugen".

    Herr Hecht: "Es reichen 1-1/2 mm der bestehenden Richtlinie schon aus und keine 1-1/2 cm, wie die Neue es hat, sind hier nötig.

    Herr Schlengermann: "Es ist ein europäischer Auftrag, diese Richtlinien zu schaffen, es sei aber ausdrücklich betont, daß es sich hier um Lieferant-Kunden-Beziehungen handelt und es ausreicht, wenn alleine der Hersteller die Konformität erklärt, also keine Drittstelle nötig sei".

    Herr Platte: "Es sei schon zu begrüßen wenn es bei bestimmten Definitionen zu einer einheitlichen Regelung kommt, wie am Beispiel der Bandbreite -3dB oder -20dB. Die Einhaltung hat aber der Gesetzgeber klar dem Hersteller überlassen, siehe am Beispiel CE- Kennzeichen und der darin enthaltenen EMV- Bestimmung. Auch gelte dies ebenso bei der EG Maschinenrichtlinie - also nicht über das Ziel hinausschießen!"

    Herr Larsen: "Ich wünschte mir eine einfache Meßmethode, die der Anwender selbst machen kann , so daß nicht Geräte weggeschmissen werden und neue gekauft werden nur weil eine Kalibrierung zu teuer wird. Am Beispiel der UV-Lampen für die Magnetpulverprüfung könnte eine einfache Sichtprüfung ausreichen". Zwischenruf: "Dann würde jedoch die Sichtprüfung aufwendig kontrolliert!"

    Hecht zweifelt generell den Stellenwert der Ultraschallprüfung mit den folgenden Worten an: "Dort macht man was, bekommt auch etwas raus, das was raus kommt läßt genügend Fragen offen, um weiter zu forschen. Man schafft sich eine schöne Spielwiese Ultraschall!! Ich vermisse die anderen Prüfverfahren, und man sollte sich auch nicht auf die Geräte stürzen sondern ZfP insgesamt sehen und auch die Auswahl der Prüfverfahren."

    Herr Schlengermann: "Die Prüfung als ganzes , mit den weiteren Schritten, wird schon durch bestehende Prüfnormen festgelegt, wie am Beispiel der Ultraschall-Schweißnaht-Durchschallungsprüfung."

    Herr Platte: "Auch die Hersteller welche sich nicht diesem bürokratischen Aufwand unterziehen sind sehr wohl auch in der Lage Qualität herzustellen, er kann es auf seine Art und Weise machen. Wir brauchen nicht für alles Normen, Gesetzgebung und Zertifikate, es entsteht nur diese Zertifikatsgläubigkeit. Auch die Hersteller welche sich nach ISO 9003 richten, also nur Endprüfung durchführen, liefern gute Produkte. Innovation sollte nicht durch Zertifizierung ersetzt werden." Stimme aus dem Publikum: "Mit dem akkrediterten Zertifizierer sollte man nicht die Bürokratie in diese Norm holen, die von Europa noch nicht mal gewollt ist."

    Herr Schnitger meldet sich aus dem Saal: "Die akkreditierte Zertifizierung hat auch einen Vorteil für den deutschen Wettbewerb, vor allem international, der hier genutzt werden kann, ich kenne zumindest den ersten ZfP-Hersteller der dieses schon gewünscht hat. Es sollte jedoch nicht so passieren wie mit der ISO 9000. Durch die Art, wie sie verbreitet wurde, wie sie heute angewendet wird, durch diese Inflation von Zertifikaten entsteht eine Wertlosigkeit, so daß wir uns fragen müssen, warum haben wir dafür soviel Geld ausgegeben, wo es heute nur noch so wenig Ansehen hat. Die Hersteller sollen sich zusammensetzen und entscheiden was hier zu tun ist."

    HerrTietz spricht das Schlußwort. 45Kbyte
    "Das Papier schreibt keine Beauftragung einer akkreditierten Zertifizierungsstelle vor. Wir können diese Normen nicht verhindern, wir leben eben nun mal in einer McDonald-Gesellschaft. Der Hamburger soll nun mal von Dänemark bis Sizilien gleich schmecken. Nun will man alles zu jeder Zeit, an jedem Ort gleichermaßen, zur gleichen Qualität haben, dies gilt auch für unsere ZfP-Geräte!! Die DGZfP soll Ihren Einfluß ausüben, das Maß einzuhalten, den Einfluß von Leuten verhindern, welche damit nur eine zusätzliche Bürokratie und ihr Geschäft aufmachen wollen. In diesem Zusammenhang ist hier schon einige Male der Begriff "Wegelagerer" genannt worden."


  • Materialcharakterisierung

    Die Bedeutung der Materialcharakterisierung mit ZfP-Methoden wurde mit dem Hauptvortrag von H. Meyendorf betont. Ein Fachausschuß wurde innerhalb der DGZfP dazu neu gegründet. Auch findet in Jena am 29.10.1996 ein Seminar statt. Die Ultraschalltechnik wird z.B. mit der Schallschwächungsmessung oder Schallgeschwindigkeitsmessung eingesetzt. Bei allen Verfahren ist auch die wirtschaftliche Betrachtung durchzuführen, da sie sonst nicht zum Einsatz kommen. Die Schallgeschwindigkeitsmessung an Gußteilen ist schon vor 15 Jahren in der Automobilindustrie eingesetzt worden, diese Anwendung hatte sich jedoch nicht weiter wesentlich verbreitet.
  • Composite-Prüfköpfe

    Der Vortrag von Dr. Splitt mit "Prüfköpfe mit Composite Schwingern - Ein Meilenstein für die US Prüfung"[5]fand starke Beachtung. Wir fragten dazu in der Diskussion noch folgendes nach:
    Redaktion:"Die großen Vorteile lassen den Schluß zu, daß der Anwender nur noch Composite-Prüfköpfe einsetzen sollte, ist dies richtig so?"
    Herr Splitt: "So kann man dies nicht generell sagen. Piezokeramik hat durchaus noch Vorteile bei hoher Nahauflösung und wenn ein schmalbandiger Impuls verlangt wird".
    Redaktion: "Bis zu welcher Frequenz stellen Sie diese Prüfköpfe her?"
    Herr Splitt: "Zur Zeit bis zu 15 MHz".
    Redaktion: "Ist der Prüfkopf durch den höheren Fertigungsaufwand teurer und welchen Anteil hat er zur Zeit am Markt".
    Herr Splitt: "Der Schwinger ist zwar aufwendiger herzustellen, aber andere Schritte sind dafür einfacher, somit kostet er in etwa das Gleiche. Bei unseren Kunden wird er bei etwa 1/3 der Anwendungen eingesetzt."

  • Virtuelle Prüfung - die Ultraschall-Simulation

    UT-Simulation wurde in 3 Beiträgen vorgestellt. Die Ergebnisse eines EU Förder Programms im Rahmen des Brite Programm wurden im Vortrag [7,8 ] vorgestellt. Es bedarf schon einer leistungsstarken Workstation wie der RS6000 oder Unix um dieses rechenintensive 3D-Verfahren zu nutzen. Im Gegensatz dazu wurde das im Poster [28] von Herrn Bernhard vorgestellte einfachere 2D-Verfahren auf einem Notebook demonstriert, ein Artikel in unserer Aprilausgabe berichtete darüber.


  • Kurzfassungen der Ultraschall- Vorträge und - Plakatbeiträge.

    Bitte beachten Sie in der Abstrakt-Rubrik zukünftige Ergänzungen von Volltexten dieser Liste.
    1. Der Einfluß von Richtlinien, Normen und Gesetzen auf die ZfP-Technik
    2. Tiefenbestimmung von Laufflächenfehlern an Eisenbahnrädern unter Nutzung linear polarisierter Transversalwellen - Verfahrens-Optimierung und -Erprobung
    3. Quantitative zerstörungsfreie Bestimmung der Haftfestigkeit von adhäsiven Verbindungen =>Volltext!!! Dr.-Ing. Silvia Faßbender "Berthold Award"
    4. Prüfköpfe mit Composite-Schwingern - ein Meilenstein für die Ultraschallprüfung =>Volltext!!!
    5. Erfahrungen mit einem neuen Prüfkopf- und Gerätesystem bei der Schraubenbolzenprüfung
    6. ULIAS: Computergestützte quantitative Ultraschallprüfung
    7. Simulation der Impulsechoprüfung für austenitische Schweißnähte mit dem EFIT-Code und Verifizierung durch Experimente
    8. Bildgebende Ultraschallprüftechnik an Verbundwerkstoffen im Labor und vor Ort - von ebenen Platten bis zu komplexen Bauteilen
    9. Ultraschallprüfung thermoplastischer Verbundwerkstoffe bei tiefen Temperaturen
    10. Überprüfung hochbeanspruchter Kehlnaht-bereiche an Speisewasser- und Frischdampfleitungen im Sicherheitsgebäude - Durchdringungsbereich
    11. Hochstrom-Supraleiterkabel: Einsatz der Ultraschallprüfung bei Entwicklung und Produktion
    12. Ultraschall-Prüfköpfe für 650 Grad C Dauertemperatur
    13. Testing of fibre reinforced light metals<= Full text !!!
    14. Prüfung faserverstärkter Leichtmetalle<= Volltext !!!
    15. Ultraschalluntersuchung von Verbundguß Verfahrens- und Werkstoffentwicklung und -optimierung =>Volltext!!! Im Bild Herr Pohl Sieger des besten Plakates
    16. Erhöhte Abbildungsgenauigkeit bei der Ultraschallprüfung von Beton durch SAFT mit nichtlinearen Zeitskalen
    17. Universelles digitales Prüfgerät für die ZfP mit Ultraschall und Impulswirbelstrom
    18. Über Probleme der Ortung mit Ultraschall in austenitischem Schweißgut - Das "scheinbare" Schielen des Prüfkopfs
    19. Sichere und kostengünstige Prüfung von austenitischen Lüfterschaufeln mit dem Ultraschallverfahren (UT)
    20. Prüfung von Wärmetauscherrohren mit hoher Genauigkeit mittels Ultraschall (B-Bild)
    21. Schmiedeteile, von der Ultraschall-Handprüfung zur mechanisierten Prüfung
    22. Dickenmessung mit Ultraschall - neue DGZfP-Richtlinie US 1
    23. Prüfung von Kernbehälterschrauben im eingebauten Zustand
    24. Prüfkonzept zur Schweißnahtprüfung mittels Ultraschall am Kernbehälter von Druckwasserreaktoren
    25. Erste betriebliche Erfahrungen mit einer neuen, modularen und flexibel einsetzbaren Ultraschall-Systemelektronik
    26. Quantitative Bestimmung von Prüfkopf- und Schallfelddaten mit zwei Methoden
    27. Miniaturisierung und Erhöhung des Frequenzbereiches von EMUS-Winkelprüfköpfen durch Einsatz von Hochfrequenzübertragern 2.Preis
    28. Gerät zur Linearabtastung mit Strahlergruppen (Real-Time-Scanner-Gerät)
    29. Untersuchungen zum Einsatz optischer Wandler zur berührungslosen Schallabnahme
    30. USSIM - Ein Simulationssystem zur Optimierung von Ankoppelschuhen und Einschallwinkeln in der Ultraschalltechnik =>Volltext!!!
    31. Winkelspiegel- und Rißspitzenecho in Abhängigkeit von der Reflektororientierung: Ein Vergleich von Messung und Modellrechnung in TD-Bilddarstellung
    32. Ultraschallmethoden zur Rißanalyse
    33. Nachweis kleinster Einschlüsse mittels Ultraschall
    34. Hochaufgelöste Oberflächeninspektion mit Rayleighwellen
    35. Demonstration der Ultraschallwellenausbreitung und der Wechselwirkung des Ultraschalls mit Defekten
    Bezugsquelle für diese und andere ZfP-Literatur: Die DGZfP-Berlin Email: 100335,3315@compuserve.com verfügt über einen umfangreichen Literaturdienst. Es wird auch in Zusammenarbeit mit der BAM-Berlin und der FIZ-Frankfurt einen Recherchedienst angeboten. Ein monatlicher bibliographischer ZfP-Literaturnachweisdienst, in Form eines Drucks oder auf Diskette, ist ebenso verfügbar.

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    Rolf Diederichs 01. June 1996, info@ndt.net