Dieser Artikel beschreibt, daß die angewandte (in Betrieb oder Versuchsbetrieb?) Fa. Hegenscheidt Anlage (Ultraschalloberflächenwellenmethode) zu unzuverlässig arbeitet, um mögliche Risse am Radkranz wirksam zu erkennen.
Aus diesem Grunde wurden Maßnahme ergriffen [1]. Umarbeiten an der Diagnoseanlage Hamburg-Eidelsted erfolgten und die Erprobung wird vorbereitet.
Unsere Fragen: Sind diese in April 1997 eingeleiteten Untersuchungen erfolgt?
Wurden Maßnahmen zur regelmäßigen Anwendung ergriffen?
Neu eingehende Hintergründe und Klärungen können im Ultrasonic Testing Forum diskutiert werden.
Mit den Methoden der zerstörungsfreien Prüfung lassen sich Materialveränderungen nachweisen. Aus den Ergebnissen ergeben sich Erkenntnisse für die Bewertung von Laufflächenschäden an scheibengebremsten Radsätzen, insbesondere von schnellfahrenden Triebzügen. Außerdem können Schlußfolgerungen zur Instandhaltungsstrategie für derartige Radsätze gezogen werden.
Es kommt verstärkt darauf an, möglichst exakte Informationen zum Bauteilzustand mit einer Beurteilung der Schädigung zu erhalten, um mit den Erkenntnissen aus der Schadensforschung und werkstoffkundlichen Berechnungen, Restlebensdauerabschätzungen an sicherheitsrelevanten Bauteile vornehmen zu können. Eine Hauptvoraussetzung dazu ist der effektive Einsatz der zerstörungsfreien Bauteilprüfung als Diagnoseverfahren im Rahmen der turnusmäßigen Instandsetzung von Fahrzeug- und Anlagenteilen.
Vergleichsweise wurden die Laufflächen auch einer visuellen Begutachtung und einer Härteprüfung unterzogen. Durchgeführt wurden die Prüfungen im Ausgangszustand, nach 240, 360 und 480 Tkm Laufleistung. Einzelne Räder sind nach Abschluß der Versuche zerstörend untersucht worden.
Bild 1: Lage der geschädigten Zonen in der Lauffläche |
Nach 480 Tkm waren schon einige der überwachten Radsätze wegen verschiedener Schäden ausgesetzt. Bei den restlichen Rädern haben sich die Schädigungszonen nur noch unwesentlich verändert. Die Anzahl und Größe der Ausbröcklungen hat deutlich zugenommen.
2.2 Oberflächenkontrolle mit magnetinduktiven Wirbelströmen
Die Kontrolle von Oberflächen mit magnetinduktiven Wirbelströmen basiert auf den Nachweis von Veränderungen der magnetischen Induktionströme im Bauteil, hervorgerufen durch Veränderungen der Materialeigenschaflen und/oder durch Oberflächenrisse. Die Größe der Veränderung liefert ein Maß für die Schädigung. Deutlich wird dies bei der Justierung des Prüfsystems an einem Kontrollkörper mit Testschnitten unterschiedlicher Tiefe.
Bild 2: Anordnung der Wirbelstromsonden |
Die Ausgangsmessungen haben die relative Gleichmäßigkeit der Werkstoffeigenschaften nachgewiesen. Permeabilitätsveränderungen oder Schwankungen um den Umfang konnten nicht festgestellt werden. Nach 240, 360 und 480 Tkm Laufleistung weisen die Meßschriebe in y-t- Darstellung der Tastsonden 2 und 3 einen charakteristischen Rauschpegel auf, dessen Höhe ein Maß der Schädigung ist. Die Rauschpegelhöhe ist laufwegabhängig, hat seine größten Zunahmen zwischen 240 und 360 Tkm. Sehr hohe Störpegel mit entsprechenden Einzelanzeigen sind nach 360 und 480 Tkm festgestellt worden.
2.3 Ultraschallprüfung mit Oberflächenwellen
Bei der Ultraschallprüfung mit Oberflächenwellen werden mit elektrodynamischen Wandlern auf der Basis von Permanentmagneten Ultraschalloberflächenwellen (Rayleighwellen) im Radmaterial erzeugt (vgl. Bild 3). Diese breiten sich vom Wandler ausgehend beidseitig auf der Lauffläche des Rades aus. Am Auswertebildschirm erkennt man mehrere Umlaufechoanzeigen, wobei durch Streuung und Absorption die Echohöhe abnimmt. Querrisse sind als Einzelanzeigen zwischen dem ersten und zweiten Umlaufecho erkennbar. Dies setzt voraus, daß keine wesentliche Schallabsorption durch sonstige Schädigung auftreten darf. An einem Rad ohne sonstige Oberflächenschäden, wie starke Kaltverfestigung oder Ausbröcklungen, ist ein 3 mm tiefer und 30 mm breiter Testschnitt nachweisbar.
Der gleiche Testfehler ist nicht mehr nachweisbar, wenn sich das Schallfeld in der geschädigten Zone ausbreiten muß. Der Schall wird vollständig absorbiert und es kommt zu keinem Umlaufecho. Diesen Effekt ausnutzend, kann über die Abnahme der Umlaufechohöhe eine Aussage zum Schädigungsgrad der Lauffläche in der Fehlerzone 1 gemacht werden
Bild 4: Zusammenhang zwischen den Meßergebnissen der Ultraschall- und Wirbelstromprüfung |
Für die kontinuierliche Laufflächendiagnose an schnellfahrenden Triebzügen wurde im Auftrag der DB in den achtziger Jahren die Radsatzdiagnoseanlage ULM entwickelt. Mit dieser Diagnoseanlage steht die Lauffläche des Rades als systembedingtes Hauptverschleißteil an Schienenfahrzeugen ständig unter Überwachung, um Sicherheit, Komfort und Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten. In der Regel fährt jeder überwachte Zug alle 3 bis 5 Tage über eine derartige Anlage.
Zwei Diagnoseanlagen zur Laufflächenkontrolle sind gegenwärtig bei der DB AG in Betrieb. 1992 wurde die erste Anlage im ICE-Werk Hamburg-Eidelstedt und 1994 die zweite baugleiche Anlage im ICE-Werk München Hbf in Betreib genommen.
Neben der Erfassung von Verschleißparametern des Radprofiles und der Ermittlung der Rundlaufabweichung der einzelnen Räder ist auch eine Komponente zur Ermittlung von Oberflächenrissen vorhanden. Der Modul Riß wurde mit der Zielstellung entwickelt, gefährliche Querrisse und Ausbröckelungen zu erkennen. Dazu werden von EMUS-Prüfköpfen (elektromagnetische Ultraschallerzeugung) rayleighsche Oberflächenwellen erzeugt. Diese Oberflächenwelle hat eine Eindringtiefe von 7 mm und eine Frequenz von 410 kHz. Die Welle breitet sich in zwei Richtungen aus. Zur Übertragung der Welle vom Prüfkopf ins Bauteil und zurück wird kein Koppelmittel benötigt. Die Komponente U entspricht in ihrem Aufbau der Versuchsmeßeinrichtung Ultraschall.
Im Meßgleis der Diagnoseanlage ULM sind in jeder Schiene je zwei um 600 mm versetzte Ultraschallprüfköpfe angeordnet, die durch entsprechende Triggerung beim Überrollen des Rades je ein Ultraschallsignal erzeugen, das als Oberflächenwelle den Umfang des Rades in beiden Richtungen mehrmals durchläuft (Bild 5). Bei einer durchschnittlichen Meßaufnahmezeit von ca. 4 ms werden mindestens drei Umläufe des Ultraschall-lmpulses aufgezeichnet. Das Rad hat sich in dieser Zeit etwa um 11 mm bewegt. Der Zug muß dabei die Anlage mit einer Geschwindigkeit von 1,5 bis 8 km/h durchfahren.
Das Prüfsystem wurde auf das Erkennen von einzelnen Querrissen ausgerichtet und entsprechend justiert. Es wurden umfangreiche Versuche durchgeführt, bei denen mit Hilfe von Testfehlern die Tiefe, Länge und Lage von Fehlern variiert wurden. Ebenso wird das Umlaufecho betrachtet. Hat dieses Umlaufecho eine bestimmte Höhe nicht erreicht, konnte man auf Zerrüttung der Lauffläche schließen. Zur Bewertung der Fehler sind die Fehlerklassen 1 bis 3 und der Zustand "Zerrüttung" eingeführt.
Die Erfahrungen beim Betrieb der beiden Anlagen haben aber gezeigt, daß die ursprüngliche Auslegung des Moduls Ultraschall für die sich einstellenden Oberflächenverändenungen an scheibengebremsten Rädem nicht optimal ist. Nach relativ geringer Laufleistung hat die sich einstellende Kaltverfestigung und die sich anschließend bildenden Fehlerzonen zu einer sehr hohen Schallschwächung geführt. Der umlaufende Schallimpuls wird dabei derart geschwächt, daß er nicht mehr als Umlaufecho aufgenommen werden kann. Auch Echos von möglichen Querrissen gehen unter. Dies führte dazu, daß die Komponente Ultraschall nach einem entsprechenden Laufweg viele Räder mit Oberflächenzerrüttung ermittelt. Eine weitere Beurteilung ist nicht möglich.
Bild 5: Funktionsaufbau der Komponente Ultraschall |
Mit den Erkenntnissen der Betriebsversuche, der Schadenentwicklung und der Schadensanalyse konnte die Komponente U zielgerichtet verändert werden. Diese Anlage muß sowohl in der Lage sein, die Entwicklung von Oberflächenschäden zu erkennen und deren Tiefe als geschädigte Zone abzuschätzen als auch weiterhin einzelne Querfehler nachzuweisen.
In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-lnstitut für zerstörungsfreie Prüfverfahren in Saarbrücken wurde nach Möglichkeiten zur Umgestaltung der Komponente U gesucht. Nach umfangreichen Laborversuchen an Rädern mit und ohne typischer Schäden, der Auswertung der Versuchsergebnisse von den Erprobungstriebzügen und der Schadenuntersuchung wurden folgende Veränderungen durchgeführt:
Im Ergebnis der Voruntersuchungen mit den genannten Veränderung wurde ein 3 mm tiefer Querfehler (Testschnitt) in einem geschädigtem Rad mit Fehler- und Umlaufsignal eindeutig nachgewiesen. Zwischenzeitlich wurden die technischen Veränderungen in der ULM Hamburg realisiert und die Erprobung wird vorbereitet.
Weiterhin erwähnte Herr Hintze den neuen online Hochgeschwindigkeits-Schienenprüfzug (SPE Schienenprüfexpress) welcher mit 100 km/h die Ultraschallprüfung an Schienen ausführt. Die hochentwickelte UT-Elektronik war von IRT geliefert worden. Das Thema ist hochaktuell und neu, d.h. wir werden darüber später noch berichten.
Weitere Themen:
1. H.-J. Salzburger, Saarbrücken; H. Hintze, Kirchmöser
Tiefenbestimmung von Laufflächenfehlern an Eisenbahnrädern unter Nutzung linear polarisierter Transversalwellen - Verfahrens-Optimierung und
-Erprobung. DGZfP Jahrestagung 1996.
(Die Grundlagen zu den hier angesprochenen eingeleiteten Verbesserungen)
2. Railway testing in the Ultrasonic Testing Encyclopaedia
The paper was presented at the German-French Workshop in Aachen in April '97. Published in Berichtsband 57 ISBN 3-931381-13-7: Vorträge 2. Deutsch-Französisches Seminar Automatisierung und Modellierung für die Zerstörungsfreie Prüfung. Page 105 - 112. DGZfP Deutsche Gesellschaft für Zerstörungsfeie Prüfung e.V. Berlin 1997.
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