Erfolgreiche DGZfP-Jahrestagung in Bamberg
Unter dem Motto "70 Jahre ZfP von Schweißverbindungen" fand vom 7. bis 9. September die Jahrestagung 1998 der DGZfP in Bamberg statt.
Fast 500 Teilnehmer, über 55 Vorträge und 35 Plakatbeiträge ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann, insbesondere, da die 7. Europäische Konferenz für ZfP (ECNDT) im Mai dieses Jahres in Kopenhagen ebenfalls mit starker deutscher Beteiligung, stattgefunden hat.
Während der feierlichen Eröffnung der Tagung wurde der Berthold-Preis 1998 der DGZfP zu gleichen Teilen an Dipl.-Ing. Bernd Gohlke und Dipl.-Ing. Günter Guse von der Siemens KWU Erlangen für ihre Arbeiten zur "Entwicklung eines innovativen Ultraschallprüfsystems mit ALOK-, Gruppenstrahler- und HF-Funktionalität" vergeben.
Auch die Schiebold-Gedenkmünze 1998 der DGZfP wurde an zwei Nachwuchswissenschaftler verliehen: Dr. Wolfram Deutsch für seine Arbeit "Theoretische Untersuchungen und Experimente zum Selbst-Fokussieren von Oberflächenwellen mit Gruppenstrahlern" und Dipl.-Math. Alexander Olegovich Naumov für seine Arbeit "Softwareentwicklung zur Beschreibung der Verteilung gestreuter Photonen für die Radiographie".
Schiebold-Gedenkmünze 1998 verliehen
Prof. Dr. Ernst Schiebold (1894 bis 1963) gehört zu den Nestoren der ZfP in Deutschland. Zur Erinnerung an sein wissenschaftliches Werk und aus Dankbarkeit für seine Verdienste um die Betreuung des Ingenieur-Nachwuchses in der ZfP hat die DGZfP 1996 die mit 8.000,- DM dotierte Ernst Schiebold-Gedenkmünze gestiftet, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs vorbehalten ist. Sie wurde auf der Jahrestagung 1998 zum zweiten Mal vegeben und zwar zu gleichen Teilen an:
Dr.(USA) Wolfram A. Karl Deutsch erhielt die Gedenkmünze für seine Arbeit "Theoretische Untersuchungen und Experimente zum Selbst-Fokussieren von Oberflächenwellen mit Gruppenstrahlern".
Oberflächen- oder Rayleigh-Wellen sind für den Nachweis von Oberflächenfehlern sehr geeignet, denn die Eindringtiefe der Rayleigh-Wellen liegt in der Größenordnung ihrer Wellenlänge, und daher ist die ganze Ultraschallenergie in einem schmalen Bereich nahe der Oberfläche konzentriert. In dünnen Prüfobjekten, bei denen die Dicke in der Größenordnung der Wellenlänge liegt, werden mit den Plattenwellen oder Lamb-Wellen weitere Wellentypen erzeugt, die ebenfalls sehr effektiv zu zerstörungsfreien Prüfungen genutzt werden können.
Die Preiswürdigkeit der Arbeiten von Wolfram Deutsch besteht darin, die Oberflächenwellentechnik mit dem Gruppenstrahlerprinzip kombiniert und ein entsprechendes Prüfgerät entwickelt zu haben.
Wolfram Deutsch wurde am 21. November 1967 in Wuppertal geboren. Er absolvierte ein Studium der Elektrotechnik an der TU Hannover (Diplomarbeit am IKPH bei Prof. Stegemann).
Schon während des Studiums absolvierte er ein Fachpraktium bei einer amerikanischen Elektronik-Firma, ging nach dem Diplom an die Northwestern University in Illinois und arbeitete dort im Ultraschall-Labor des Center for Quality Engineering and Failure Prevention. Er promovierte beim Leiter des Institutes, Prof. Jan D. Achenbach, zum schon genannten Thema. Sein Doktorvater hat ihn für Auszeichnung mit der Schiebold-Gedenkmünze vorgeschlagen.
Dipl.-Math. Alexander Olegovich Naumov wurde für seine - im Alter von erst 22 Jahren vorgelegte - Diplomarbeit "Softwareentwicklung zur Beschreibung der Verteilung gestreuter Photonen für die Radiographie" (im Original russisch) mit der Schiebold-Gedenkmünze geehrt.
Zur Zeit arbeitet er am Institut für Angewandte Physik der Belorussischen Akademie der Wissenschaften als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor Adaptive Control, wo er sich mit der Simulation dynamischer Systeme und möglicher Anwendungen auf dem Gebiet der ZfP beschäftigt.
Seine Diplomarbeit entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) und dem Institut für Angewandte Physik in Minsk, Belarus.
Diese Arbeit eröffnet einen neuen Weg zu einer effektiven und an die Genauigkeitsanforderungen der ZfP angepaßten Modellierung, um den Einfluß der Streustrahlung bei radiographischen Verfahren untersuchen zu können. Es zeigt sich, daß beim Einsatz des vorgestellten Verfahrens der Rechenzeitaufwand im Vergleich zu Monte Carlo-Methoden erheblich reduziert wird (zwei Größenordnungen und mehr in Abhängigkeit von der geforderten Genauigkeit).
Schon jetzt ist ein breites Interesse an den erreichten Ergebnissen zu erkennen, die z.B. in von der EU aber auch durch die deutsche Industrie geförderten Projekten Anwendung finden werden.
Alexander O. Naumov wurde von Dr. Rüdiger Tillack (BAM) für die Preisverleihung vorgeschlagen.
Naumov wurde am 27. Juli 1974 in Minsk geboren. Nachdem er seine zehnjährige Schulausbildung beendet hatte, begann er ein Mathematikstudium an der Mechanisch-Mathematischen Fakultät der Belorussischen Staatlichen Universität in Minsk. Er beendete sein Studium als Diplom-Mathematiker mit Auszeichnung 1996.
Berthold-Preis 1998 verliehen
Rudolf Berthold (1898 bis 1960) gilt als einer der Nestoren der Zerstörungsfreien Prüfung in Deutschland und als Vater der DGZfP. Zur Erinnerung an ihn und aus Dankbarkeit für seine Verdienste hat die DGZfP 1973 den Berthold-Preis gestiftet und an bisher 31 Preisträger vergeben.
1998 hat das Berthold-Preis-Kuratorium den mit 8.000,- DM dotierten Preis Dipl.-Ing. Bernd Gohlke und Dipl.-Ing. Günter Guse zu gleichen Teilen zuerkannt.
Die beiden jungen Wissenschaftler von der Siemens KWU in Erlangen erhalten den Preis für ihre Arbeiten zur Entwicklung eines innovativen Ultraschallprüfsystems mit ALOK-, Gruppenstrahler- und HF-Funktionalität.
Bernd Gohlke (links) und Günter Guse (rechts) haben die bisher primär für die Reaktorsicherheit eingesetzte Gruppenstrahlertechnik der BAM mit der ALOK-Technik des IZFP zu einem fortschrittlichen System zusammengeführt. Es integriert die wesentlichen Eigenschaften dieser beiden Ultraschallvielkanaltechniken, wobei das Endgerät auf neuester Elektronik aufgebaut ist, wie z. B. auf modernsten Signalprozessoren und hochintegrierten programmierbaren Logikbausteinen, ergänzt durch einen integrierten Selbsttest für die Überwachung der Stabilität und Funktionalität des Systems während des Betriebes.
Das Berthold-Preis-Kuratorium anerkannte besonders, daß das System wesentlich wirtschaftlicher arbeitet als andere bekannte Systeme, einen wesentlich sicheren Prüfablauf durch den Einbau ausfallsicherer Bauelemente und durch den Selbsttest erzielt und wegen seiner Flexibilität auch für viele Aufgabenstellungen in anderen Industriesektoren wie der Luftfahrt oder dem Eisenbahnwesen geeignet und interessant sein kann.
Dr. Eberhard Fischer (Bildmitte) von der Siemens KWU in Erlangen hat den Preisvorschlag eingereicht.
Bernd Gohlke ist 40 Jahre alt und hat an der Fachhochschule Gießen Elektrotechnik studiert. Nach der Tätigkeit als Entwicklungsingenieur für die Elektronik von Ultraschall- und Wirbelstromprüfgeräten und -anlagen stieß er vor 10 Jahren zur Siemens KWU und erweiterte seine Entwickungstätigkeiten ganz allgemein auf Diagnose- und Überwachungssysteme. Bei dem SAPHlR-System war er verantwortlich für die Elektronik.
Günter Guse ist 38 Jahre alt und hat an der Fachhochschule Nürnberg Maschinenbau studiert, mit Schwerpunkt Energietechnik. Seit 12 Jahren ist er bei der Siemens KWU tätig, zunächst in der Abteilung "Rechnergestützte Meßtechnik und Diagnostik" als Auswertesoftwareentwickler für Großrechner, später mit der Stufe 3-Qualifikation in der Abteilung Prüftechnik als Projektleiter, Prüfaufsicht und Ausbilder. Bei dem SAPHlR-System hatte er die Projektleitung inne.