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Die Entwicklung im Flugzeugbau ist durch das Streben nach höchster Betriebssicherheit und Wirtschaftlichkeit gekennzeichnet. Die gegenwärtige Generation von zivilen Passagierflugzeugen wird ausgelegt für eine Lebensdauer von mindestens 20 - 25 Jahren und bis zu 90.000 Flügen. Es ist das Ziel moderner Auslegungsphilosophie, diese Gegensätze in höchster Vollendung am Flugzeug zu vereinen, wobei die Sicherheit die höchste Priorität hat. Derzeit entspricht das "damage tolerance concept" diesen Ansprüchen am besten. Von einer "damage toleranten"-Struktur wird gefordert, daß sie fehlerbehaftet die zu erwartenden Belastungen so lange erträgt, bis die Fehler durch eine geplante Inspektion oder einen nicht sicherheitsgefährlichen Funktionsausfall entdeckt und repariert werden können. Alle Fehler, die über dieser Toleranzgrenze liegen, müssen durch zerstörungsfreie Prüfverfahren sicher festgestellt werden. Hieraus wird der enge Zusammenhang zwischen Flugzeugauslegung, Wartungsphilosophie und zerstörungsfreier Prüftechnik deutlich.

| Tabelle 1.1 Entwicklung der Luftfahrt-Zulassungsvorschriften in den USA | |
| 1953 - CAR 4b: | Keine speziellen Vorschriften in bezug auf Ermüdung |
| 1956 - CAR 4b Amendment 3: | Vorschriften in bezug auf "safe life" und "fail-safe" |
| 1962 - CAR 4b Amendment 12 | Vorschriften in bezug auf Ermüdung für Fahrwerke |
| 1966 - FAR 25 Amendment 10: | Schallermüdung |
| 1978 - FAR 25 Amendment 45: | Einführung der Vorschrift zum Nachweis der Fehlertoleranz |
| 1981 - FAR 25 Amendment 54: | Weitere Zulassungsvorschriften für Flugzeuge insbesondere zu Amendment 45 |
Die amerikanischen und europäischen Luftfahrtbehörden haben in verschiedenen Besprechungen die Vorschriften harmonisiert, so daß sie seit 1974 gleichwertig sind (Europa JAR 25).
Unter dem Schirm des "Aviation Rule-making Advisory Committee (ARAC)" treffen sich die Luftfahrtbehörden und Flugzeughersteller, um neue Zulassungsvorschriften zu diskutieren.
Ein neuer Aspekt für die Zulassung ist das Auftreten von vielen kleinen Anrissen, z. B. in einer Längsnahtnietverbindung "widespread fatigue damage (WFD)". Eine neu erarbeitete Vorschrift behandelt diese Thematik. Sie fordert eine Bewertung der im Bauteil auftretenden Spannungen aus Entwurf und Fertigung. Es muß nachgewiesen werden, daß ein katastrophales Versagen durch Ermüdung, Korrosion oder einen zufälligen Unfallschaden während des Fluges ausgeschlossen werden kann. Die Fehlertoleranzbewertung ist auch die Grundlage für die Erstellung eines Struktur-Inspektions-Programms.
Die Hauptforderungen der Schadentoleranzbewertung sind:
Fig 1.1: Prinzip einer Schadentoleranz - Untersuchung. Folie 1, Folie 2 |
Folgende Forderungen sind die wesentlichen Unterschiede zu den bestehenden Vorschriften:
Die Fig. 1.1 zeigt das Prinzip einer Schadentoleranz-Untersuchung
Die Anforderungen an eine Flugzeugstruktur sind in den verschiedenen Bereichen in bezug auf Funktion und Betriebssicherheit sehr unterschiedlich. Es müssen deshalb verschiedene Konstruktionsprinzipien angewendet werden, um eine schadenstolerante Struktur zu erhalten. In bestimmten Bereichen wird auch noch das "safe life principle" angewendet.
Konstruktionsprinzip "safe life"
Vor 1960 wurden Flugzeuge nach diesem Prinzip ausgelegt. Nach den heutigen Vorschriften
(JAR 25.571) darf nur noch das Fahrwerk nach diesem Prinzip konstruiert werden.
Eine Struktur, konstruiert in "safe life", hat nur einen Lastpfad, und es kann und darf sein, daß die detektierbare Rißlänge schon im Bereich der kritischen Rißlänge liegt. Für einen solchen Fall ist es nicht möglich, eine Inspektionsintervall zur Überwachung der Strukturintegrität zu definieren. Folglich kann der Bruch eines Strukturelementes zum kompletten Versagen einer "safe life" Struktur führen mit den entsprechenden Konsequenzen für das Flugzeug.
Fig 2.1: Vorderes Fahrwerk von der A320 - Beispiel für eine "safe life" Konstruktion
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Fig 2.2: Beispiel für eine schadenstolerante Konstruktion - einfacher Lastpfad
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Fig 2.3: Beispiel für das Rißwachstumverhalten einer schadenstoleranten Konstruktionzwei Lastpfade
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Die Fig. 2.1 zeigt ein Bauteil für eine "safe life" Konstruktion. Die Betriebssicherheit einer solchen Bauweise wird erreicht durch den Sicherheitsfaktor (Überdimensionierung).
Konstruktionsprinzip "damage tolerant"
Bei diesem Prinzip geht man von der realistischen Annahme aus, daß jede Struktur fehlerbehaftet
ist und Fehler bewußt toleriert werden, wenn sie eine festgelegte Größe nicht überschreiten. Die
tolerierbare Fehlergröße ist von den verwendeten Werkstoffen, den Bauweisen und den Belastungen
abhängig.
Bei der schadenstoleranten Konstruktion gibt es zwei Kategorien:
Die Fig. 2.2 zeigt ein Beispiel für eine Konstruktion mit einfachem Lastpfad. Zum Nachweis wird eine Schwingfestigkeitsrechnung durchgeführt und über einen Sicherheitsfaktor der Inspektionsbeginn festgelegt. Bei zukünftigen Projekten muß die Festlegung des Inspektionsbeginns auf einer Rißwachstumsanalyse basieren. Das Inspektionsintervall ist festgelegt durch Rißwachstumperiode zwischen detektierbarer und kritischer Rißlänge dividiert durch einen Sicherheitsfaktor.
Konstruktionen mit mehrfachen Lastpfaden werden in drei Untergruppen unterteilt:
Ein Beispiel für den Fall, angerissene Lastpfade sind detetierbar, wird in Fig. 2.3 gezeigt. Zum Nachweis der Betriebssicherheit wird auch hier eine Schwingfestigkeitsrechnung durchgeführt. Der Lastpfad mit der geringsten Schwingfestigkeit wird dür die Festlegung des Inspektionsbeginns verwendet. Das Inspektionsintervall basiert auf dem Rißwachstumsverhalten der beiden beteiligten Lastpfade, wobei für beide Pfade ein Anfangsriß von 1,27 mm angenommen wird. Das Intervall ist festgelegt durch die Rißwachstumperiode zwischen der detektierbaren Rißlänge im ersten Lastpfad und der kritischen Rißlänge in dem zweiten Lastpfad dividiert durch den Sicherheitsfaktor.
Die Fehler werden durch einfache generelle, visuelle Inspektionen mehr zufällig entdeckt. Die "fail safe" Bauweise ist mit adäquater Inspektion die Basis für die sogenannte "damage tolerant" Bauweise.
Fig 3.1: Faktoren für die Entwicklung eines Strukturinspektions - Programms
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Die Fakten für die Entwicklung eines Strukturinspektions-Programms werden in der Fig. 3.1 gezeigt. Für jedes sicherheitsrelevantes Bauteil (Strukturelement) ist diese Analyse durchzuführen. Folgende Daten sind für jedes zu inspizierende Bauteil festzulegen und in Handbüchern dem Betreiber zur Verfügung zu stellen.
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