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dpa-Meldung
Hamburg/Eschede (dpa/lni), - Im Zusammenhang mit dem ICE-Unglück von Eschede hat ein weiterer Experte Vorwürfe gegen die Bahn erhoben. Die Bahn habe zwar von der Notwendigkeit einer Ultraschallprüfung der Radreifen im Zyklus von zwei bis drei Tagen gewußt, die Entwicklung eines entsprechendes Gerätes aber zu nachlässig verfolgt, sagte Dipl.-Ing. Rolf Diederichs, Herausgeber einer Internet-Zeitschrift über Ultraschallprüfverfahren (www.ndt.net), am Mittwoch der dpa. "Obwohl die Notwendigkeit der Weiterentwicklung bekannt war, hat man diese zu zögerlich betrieben." Dabei seien andere Ultraschallmethoden vorhanden, die als sogenannter Stand der Technik bezeichnet werden.
Seit 1992 werde ein Ultraschallgerät getestet, das von der Firma Hegenscheidt geliefert worden sei. Es sei in den Hegenscheidt- Diagnose-Anlagen von Hamburg (1992) und München (1994) eingebaut, die die ICE-Züge alle paar Tage überprüfen. Anfangs wollte die Bahn nach Auskunft Diederichs mit der Hegenscheidt-Anlage die Radreifen auch per Ultraschall in diesem Zeitabstand inspizieren. Sie habe gewußt, das beim Zugbetrieb Fehler auftreten könnten, die zum Bruch eines Radreifens führen könnten. «Man hätte wohl kaum Ultraschallanlagen versucht zu etablieren, wenn nicht die Notwendigkeit dazu bekannt gewesen sei.»
Der Geschäftsführer der Firma Hegenscheidt, Klaus-Peter Schwarz, bestätigte auf Anfrage, daß 1992 in Hamburg und 1994 in München Geräte zur Überprüfung der ICE-Züge aufgebaut worden seien. Diese Meßgeräte zum Testen der Räder hätten drei Module: Zur Rundheitsmessung, Profilmessung und die Ultraschallkomponenten zur Überprüfung der Risse. Die Ultraschallmessung habe sich im Betrieb aber als unzuverlässig erwiesen, weil Signale von «harmlosen, oberflächlichen Abbröselungen die Spuren von möglichen Rissen überdeckten».
Daher sei diese Ultraschallmessung in Hamburg Ende 1993 abgeschaltet worden und in München gar nicht erst in die kontinuierliche Überwachung aufgenommen worden. Das Gerät ist Schwarz zufolge jedoch ständig weiter getestet worden. «Aus den Ergebnissen ist ein komplett neues Ultraschall-Modul zur Rißprüfung entstanden, das in den nächsten drei Wochen in Hamburg getestet werden soll.»
Derzeit diskutieren Experten im online-Forum der Fachzeitschrift «The e-Journal of Nondestructive-Testing and Ultrasonics» unter www.ndt.net über bessere Lösungen.
Unter der Internet-Adresse ist unter anderem ein Fachvortrag des DB-Mitarbeiters Hartmunt Hintze veröffentlicht, der auf Fehler in der Ultraschallkomponente der Hegenscheidt-Anlage hinweist und Verbesserungen aufzeigt. «Zwischenzeitlich wurden die technischen Veränderungen in Hamburg realisiert, und die Erprobung wird vorbereitet», heißt es darin. (dpa/lni hu yy ek)
Siehe auch:
Die Deutsche Bahn versucht abzulenken Bessere Lösungen der Ultraschalltechnik wurden jahrelang versäumt einzusetzen.
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