Wir haben einen großen Verlust erlitten. Am Abend des 22.
Oktober 1999 ist unser Vorsitzender, Prof. Dr.-Ing. Dierk
Schnitger, plötzlich und vollkommen unerwartet gestorben.
Wir alle sind betroffen und schockiert von der Plötzlichkeit dieses Todes. Seit 1992 war er Vorsitzender der DGZfP, jetzt mitten in seiner dritten Amtsperiode. Er hatte noch so viele Pläne, die er zum Wohle der DGZfP in Angriff nehmen wollte.
Es ist traurig, daß er unseren Umzug im kommenden Jahr in das neue Ausbildungs- und Kommunikationszentrum nicht mehr miterleben kann, hat er sich doch für den Standort Berlin-Adlershof so vehement eingesetzt.
Für immer wird sein Name verbunden sein mit der Einführung der akkreditierten Zertifizierung von ZfP-Personal und der Integration der Gütegemeinschaft Zerstörungsfreie Prüfung als Fachgesellschaft in die DGZfP, wie überhaupt Integration eines seiner Hauptanliegen war.
Drei Tage vor seinem Tod hat er im DGZfP-Arbeitskreis Dortmund inmitten langjähriger Kollegen und Weggefährten den 75. Geburtstag unseres ehemaligen Vorsitzenden, Prof. H. J. Kopineck, gefeiert. Hier hat er sich wohl gefühlt, wurde gemocht und respektiert, war einfach gut gelaunt. Zwar litt er ein wenig unter Jetlag, denn er war erst am Tag zuvor von der ASNT-Herbsttagung in Phönix, USA, zurückgekehrt, aber wie es wirklich um ihn stand, konnte keiner von uns ahnen – vielleicht nicht einmal er selbst.
Den DGZfP-Mitarbeitern war er immer ein guter Chef; stets ein offenes Ohr, wenn jemand Probleme hatte, immer bereit, auch andere Argumente als die eigenen gelten zu lassen. Stures Festhalten an einer als falsch erkannten Meinung, das kannten wir bei Dierk Schnitger nicht. Natürlich gab es auch Auseinandersetzungen, heftige sogar. Das bleibt nicht aus, wenn jemand sich so exponiert für gesellschaftliche Belange engagiert, wie Dierk Schnitger dies sein Leben lang getan hat. Nie jedoch hat er jemandem dies nachgetragen.
Am 15. Dezember dieses Jahres, seinem 65. Geburtstag, stand die Pensionierung als Direktor und Professor der Fachgruppe VIII.3, Zerstörungsfreie Prüfung und Charakterisierung; Strahlenverfahren, der BAM ins Haus. Einerseits hat er sich darauf gefreut, endlich mehr Zeit für seine Familie, besonders die Enkelkinder, zu haben, andererseits hat er keinen Hehl daraus gemacht, daß die Arbeit ihm fehlen wird. Die Arbeit - sie war immer der bestimmende Faktor in seinem Leben, dem er alles Persönliche untergeordnet hat, und er hat sich nie geschont.
Seine wohl größte Lebensleistung, auf die er mit Recht stolz war, war die Initiierung und Gründung des europäischen ZfP-Verbandes EFNDT, dessen erster Präsident er seit Mai 1998 war. Mit seinem ausgeprägten Demokratieverständnis, seiner Liberalität und dem absoluten Fehlen jeglicher Art von Vorurteil gegenüber Andersdenkenden und Anderslebenden war er die Idealbesetzung für dieses Amt, das er mit viel Kraft, Begeisterung und Leidenschaft ausgefüllt hat. Mit zuviel Kraft? Mitten in den Vorbereitungen für die Mitgliedervollversammlung des EFNDT im November dieses Jahres in Paris hat ihm sein Herz die Gefolgschaft verweigert. Er war ein begeisterter Europäer! Das ist sein Vermächtnis, dem wir uns verpflichtet fühlen.
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