DGZfP-JAHRESTAGUNG 2002

ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung

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Ein neues PC-basiertes Konzept zur Beurteilung moderner digitaler Röntgendetektoren mit Referenzbildern

Uwe Ewert, Uwe Zscherpel, BAM Berlin, Germany,
Mike Horky, Jim Kennedy, Mike Hutchinson, Boeing Commercial Airplanes, USA
Kontakt: U. Zscherpel, U. Ewert

Zusammenfassung

Neue digitale Detektoren, wie Flachdetektoren, Speicherfoliensysteme und Filmscanner werden zunehmend in der Durchstrahlungsprüfung eingesetzt. Allerdings muss hierbei berücksichtigt werden, dass diese Detektoren Bilder mit abweichender Bildqualität im Vergleich zu der klassischen Röntgenfilmtechnik liefern. Die Bildqualität ist im allgemeinen schlechter und muss durch geeignete andere Maßnahmen kompensiert werden (z.B. Vergrößerungstechnik). Die unbedachte Anwendung dieser neuen Medien kann zu einer erheblichen Reduktion der Auffindwahrscheinlichkeit von Anzeigen führen. Zwei Strategien werden zur Zeit verfolgt. Einerseits werden Regeln und Standards für ihre Anwendung in der industriellen Radiographie erarbeitet. Andererseits müssen auch neue Anwendungen, die erst mit diesen neuen Medien ökonomisch vertretbar werden, bezüglich ihrer Qualität eingeschätzt werden. Dazu wird im ASTM-International das Konzept der "elektronischen Referenzbilder" ausgearbeitet. Von speziellen Testkörpern werden Röntgenfilme hoher Qualität aufgenommen. Diese werden als Masterkopien digitalisiert. Dabei wird ein Spezialscanner verwendet, der mit 10 µm Ortsauflösung abtastet und einen opt. Dichtebereich von 0,5 bis 5 abdeckt. Mit Hilfe einer speziellen Bildverarbeitungssoftware werden die Detektoreigenschaften des zu bewertenden Detektors, wie Ortsauflösung, Rauschcharakteristik und übertragungskennlinie eingegeben. Die erhaltenen Bilder entsprechen der Bildqualität, die mit einem derartigen Detektor erreichbar sind und können bezüglich des Prüfproblems bewertet werden.

Keywords:
Radiographie, Röntgendetektoren, digitale Detektoren, Referenzkataloge, Referenzbilder, Flachdetektoren, Speicherfolien, Filmdigitalisierung, Bildverarbeitung.

Einführung

Neue digitale Detektoren, wie z.B. Flachdetektoren und Speicherfolien, finden mehr und mehr Verbreitung in der digitalen industriellen Radiologie. Die Filmdigitalisierung wird zunehmend zur Archivierung und Analyse von Filmradiographien eingesetzt. Hierbei entsteht aber das Risiko, Bildqualität zu verlieren und Anzeigen zu übersehen. Als Hilfsmittel zur visuellen Bewertung digitaler Aufnahmen können Referenzbilder dienen. Diese Referenzbilder sollten auf den vorhandenen Katalogen des ASTM oder IIW aufbauen. Dazu werden digitale Masterdaten (Master copies) mit hoher Ortsauflösung und Dynamik erstellt. Diese Datenfiles können verwendet werden, um Referenzbilder für alle derzeit bekannten Detektoren zu berechnen, wenn deren technische Parameter bekannt sind. Voraussetzung für geeignete Masterdaten sind qualitativ hochwertige Radiographien mit niedriger Unschärfe. In Abhängigkeit von der Strahlenquelle bzw. Strahlenenergie werden die Parameter zur Filmdigitalisierung gewählt. Radiographien von Film-Bleifolienkombinationen, die mit Röntgenenergien bei ca. 100 keV aufgenommen wurden, sollten mit einem Scanner digitalisiert werden, der eine Ortsauflösung von 10 µm in einem optischen Dichtebereich von 0,5 - 5 mit 16 bit digitaler Auflösung gestattet. Diese Masterkopien ergeben eine verlustfreie digitale Kopie der klassischen Filmradiographien. Neue digitale Detektoren stellen im allgemeinen digitale Radiographien mit höherer Unschärfe (50 µm - 600 µm) zur Verfügung. Diese Unschärfe ist entweder für spezifische Anwendungen ausreichend oder sie sollte durch Vergrößerungstechnik reduziert werden. Einige neue Detektoren ermöglichen die Datenerfassung bei deutlich kürzerer Belichtungszeit im Vergleich zum Film, was ein wirtschaftlicher Vorteil ist. Das kann aber auch zu einer Reduktion der Nachweisempfindlichkeit führen, wenn mit zu geringem Signal-Rauschverhältnis gearbeitet wird. Digitale Referenzbilder von Referenzobjekte für alle verfügbaren Detektoren wären sehr hilfreich für die Entscheidungsfindung des Anwenders, ob ein neues digitales Detektorsystem für seine Aufgabe anwendbar ist. Derzeit ist bereits eine breite Vielfalt von Detektoren verfügbar und es erscheint unmöglich, für alle verfügbaren und in Zukunft verfügbaren Detektorsysteme Referenzbilder bereitzustellen. Daher wurde ein Softwareprogramm entwickelt, das es gestattet, radiographische Referenzbilder aus den Masterdaten für jeden beliebigen Detektortyp zu berechnen, wenn dessen Parameter bekannt sind. Der Anwender wird dieses Programm (Imageviewer - IMV) von der BAM oder einer Organisation wie dem ASTM-International bzw. von entsprechenden Firmen erhalten. Die Daten können ausgedruckt oder auf einem Monitor bearbeitet und betrachtet werden. Es wird außerdem eine Anleitung bereitgestellt, um die Detektordaten zu messen, falls diese nicht durch den Hersteller zur Verfügung gestellt werden.

Basiskonzept

Digitale Referenzbilder haben unterschiedliche Bildqualität, wenn sie mit verschiedenen digitalen Techniken oder der Filmradiographie aufgenommen werden. Die Bildqualität industrieller Filmradiographien ist sehr hoch, was unter anderem auch durch diverse Standards zur Aufnahmetechnik, zum Filmmaterial und zu dem zugehörigen Entwicklungsprozess (Filmsystemklasse) gewährleistet wird. Nur wenige Parameter sind bei der Filmradiographie zu berücksichtigen. Das sind im wesentlichen die Belichtungsparameter, die Filmsystemklasse und der Vorder- und Hinterfolientyp. Die innere Unschärfe ist hierbei im allgemeinen sehr gering. Weiterhin hängt die Bildqualität von der erreichten optischen Dichte (Schwärzung) des Films und der eingestellten geometrischen Unschärfe ab. Die Gesamtunschärfe von Filmradiographien ist normalerweise sehr viel kleiner als die Unschärfe und/oder Pixelgröße von digitalen Systemen. Digitale Systeme können dafür in der Regel ein besseres Signal-Rauschverhältnis (SNR) und eine höhere Dynamik als Filme erreichen. Letzteres kann allerdings auch erreicht werden, wenn die hochaufgelösten digitalisierten Filmradiographien durch eine Average-down-Prozedure (Berechnung großer Pixelelemente durch Mittelung aus vielen kleinen) auf die digitale Bildgröße der Detektoren heruntergerechnet werden, wobei eine ausreichende Dynamik für die berechneten Bildelemente (Pixel) gewährleistet sein muss (z.B. 16 oder 24 bit Graustufenbild). Ein wichtiger Grund für die Verwendung von digitalisierten Filmradiographien als Masterdaten ist die Tatsache, dass das ZfP-Personal im allgemeinen durch Filmbetrachtung ausgebildet wurde.

Es erscheint hier aus Sicht von Tradition und Standards verständlich, dass der ZfP-Experte die gegenwärtig erreichte Filmqualität als Mindestniveau für die ZfP-Praxis, und damit auch für neue Techniken anerkennt. Daher sollten digitale Radiographien im Vergleich zu Filmradiographien bewertet werden, um herauszufinden, ob sie geeignet sind, um zur Qualitätssicherung in Form von Akzeptanz-/Zurückweisungsentscheidungen in der Industrie verwendet zu werden. Wenn eine neue Technik im Vergleich zur Filmradiographie qualifiziert bzw. validiert werden kann, sollte sie auch für Anwendungen akzeptiert werden, die bisher aufgrund von Anforderungen in Standards speziell die Filmradiographie als ZfP-Methode fordern.

Im ASTM-Komitee E07.02.03 wurde vorgeschlagen, digitalisierte Filmradiographien zu Erstellung von "Elektronischen Masterkopien" zu verwenden. Die Bildqualität von Filmradiographien, die unter optimalen Bedingungen aufgenommen wurden, sind bekannt. Die Eigenschaften der neuen Detektoren können erheblich schwanken und sollten mit einem Standardalgorithmus gemessen werden. Folgende Vorgehensweise wurde vorgeschlagen:

  • Erzeugung der Masterdaten (durch Filmbelichtung von Originalteilen und Filmdigitalisierung).
  • Messung der Detektorparameter:
    • Charakteristische Detektorübertragungsfunktion (auch Antwortfunktion genannt, allgemein: Intensität als Funktion der Dosis).
    • Punktverwaschungsfunktion (PSF, Intensitätsverteilung der Abbildung eines "Punktobjektes").
    • Normiertes Signal-Rauschverhältnis (SNR).
  • Laden der Masterdaten in einen "Imageviewer" (IMV - Bildverarbeitungssoftware).
  • Laden der Detektorparameter mit der IMV-Software oder einer Transformationssoftware.
    • Korrektur der Detektorübertragungsfunktion mit Look-up-Tabelle (LUT).
    • Tiefpassfilterung um die Detektorunschärfe zu berücksichtigen (Faltung mit der Punktverwaschungsfunktion).
    • Mittelung über jeweils mehrere Pixel entsprechend der Detektorpixelgröße (average down procedure).
    • Addition von Rauschen zur Einstellung des richtigen SNR, wenn der Detektor ein kleineres SNR als das bisher transformierte Bild hat.
  • Betrachtung oder Druck des transformierten Bildes im Vergleich zum Originalbild, um die Bildqualität des neuen zu bewertenden Detektors zu präsentieren und zu bewerten.

Die detaillierte Beschreibung der einzelnen Schritte zur Digitalisierung der Originalfilme und der verwendeten Technik sowie die ausführliche Erläuterung der Messalgorithmen zur Ermittlung der Detektorparameter entsprechend obiger Aufzählung kann [1] entnommen werden.

Transformation der Masterdaten zu Referenzbildern

Ein entsprechendes Programm IMV befindet sich an der BAM in Entwicklung, um große Bilddateien darzustellen und Transformationen auszuführen. Das Programm wurde speziell für die Handhabung von 16-bit Graustufenbildern von digitalen Radiographien entwickelt. Als Datenformat wurde TIFF (*.tif) und AVS-Fieldformat (*.fld) gewählt. Die maximale verwendbare Dateigröße hängt im wesentlichen von der Speicherausstattung des verwendeten PC-s ab. Das Programm wurde mit einer Bilddatei von 512 Mbyte erfolgreich getestet. Die folgenden Werkzeuge sind verfügbar:

  1. Transformation der Masterdaten mit einer charakteristischen Detektorantwortfunktion (CDR), auch Detektorübertragungsfunktion genannt. Die Transformation basiert auf einer Look-up-Tabelle (LUT). Die LUT kann als ASCII-File extern generiert und eingelesen werden.
  2. Tiefpassfilterung des Masterbildes mit der Punktverwaschungsfunktion (PSF) oder einer ähnlichen Filterfunktion. Einige Detektoren haben sehr schmale PSF-s, wie z.B. der a -Se-Detektor. Beim a -Se-Detektor kann dieser Schritt ausgelassen werden.
  3. Mittelung über alle Pixel des Masterbildes, die jeweils in ein Pixel des zu beschreibenden Detektors fallen (auch Binning genannt), um den Grauwert (Intensitätswert) des entsprechenden neuen Pixels zu berechnen.
  4. Messung des SNR in einem Bereich konstanter Intensität des resultierenden Bildes. Wenn das SNR höher ist, als in der entsprechenden Systemklasse gefordert, kann zusätzliches Rauschen addiert werden.

Als Ergebnis der Prozedur sollte sich das berechnete bzw. transformierte Bild nicht signifikant von dem Bild unterscheiden, das mit dem zu beschreibenden Detektor registriert wird. Häufig benutzen Hersteller digitaler Detektoren ausgewählte Bildverarbeitungsprozeduren vor der Bildbetrachtung auf dem Monitor oder dem Druck des Bildes. Diese Prozeduren sollten dann auch auf die transformierten Referenzbilder angewendet werden, bevor diese bewertet, bzw. zur Bewertung von "digitalen" Anzeigen herangezogen werden.

Anwendung bei der Filmdigitalisierung

Die verfügbaren Film-Digitalisierungsgeräte (Filmscanner) basieren auf verschiedenen Arbeitsprinzipien. Die derzeit besten Geräte arbeiten mit einer punktweisen Abtastung des Films. Mit diesem Arbeitsprinzip werden die derzeit höchsten Bildschärfen erhalten [2]. Im Bereich der industriellen Radiographie gibt es unterschiedliche Standpunkte bezüglich der Anforderungen an die Abbildungsschärfe. Grundsätzlich gibt es zwei Wege zu einer Lösung dieses Problems. Ein Weg zur Festlegung der minimal erforderlichen Unschärfe beruht auf der Ermittlung der inneren Unschärfe der üblichen Film-Pb-Folienkombinationen in Abhängigkeit von der Energie der Strahlung. Diese Werte sollten dann die Grundlage für die Archivierung von digitalisierten Radiographien bilden. Weiterhin können die in Normen (z.B. EN444) geforderten geometrischen Abbildungsunschärfen als Stand der Technik betrachtet werden. Diese könnten dann den aktuellen Stand der Technik wiederspiegeln. Diese Betrachtungen stellen die Grundlage für die Festlegung der Anforderungen, wie z.B. in prEN14096-2 festgeschrieben, dar. Ein zweiter Weg zur Festlegung der minimal erforderlichen Unschärfe ist die Betrachtung von hochaufgelösten digitalen Radiographien (Archivierungsqualität!), die Transformation dieser Radiographien herunter auf die Unschärfe der einzusetzenden Technik und der abschließende Vergleich durch Experten. Das entspricht eher dem amerikanischen Weg der Beurteilung neuer ZfP-Techniken.

Bild 1: Berechnete Referenzbilder für Filmdigitalisierer:

a) Masterkopie mit 10 µm Ortsauflösung,

b) Digitalisierer mit 50 µm und

c) Digitalisierer mit 70 µm (simulierter CCD-Scanner mit etwas schlechterer MTF als bei entsprechendem Laser-Scanner).

Bild. 1 zeigt den Vergleich von radiographischen Bildern, die von Masterdaten (registriert mit 10µm Ortsauflösung, Primescan 7100, Heidelberg Prepress) auf Unschärfewerte von 50 µm und 70 µm transformiert wurden. Die Masterradiographie ist eine Aufnahme der Schweißnaht BAM5, die mit 160 kV, 1 m FFA und einem kleinen Brennfleck mit einem Agfa D4-Film (Klasse C3) aufgenommen wurde. Die Schweißprobe besteht aus 8 mm starkem Stahl. Das Bild mit einer Auflösung von 70µm zeigt den bereits beginnenden Datenverlust bei feinen Details. Das Bild mit 50µm Ortsauflösung scheint noch alle für die Analyse notwendigen Details wiederzuspiegeln.

Anwendung bei der Speicherfolientechnik

Speicherfoliensysteme (auch unter dem Begriff: "Computed Radiographie" bekannt), bestehend aus Speicherfolie und Scanner, [3] können eine nicht lineare übertragungsfunktion (Detektorantwortfunktion) aufweisen. Es sind Geräte mit linearer, logarithmischer und Quadratwurzelkennlinie bekannt. Derartige Kennlinien können zu einem erheblich verschiedenen Bildeindruck auf dem Monitor im Vergleich zu dem System Film-Lichtkasten führen. Die Bilder müssen zum Vergleich vorher korrigiert werden. Das wird bei der vorliegenden Software durch eine frei wählbare Look-up-Tabelle (LUT) erreicht. Diese gestattet es, sowohl die verwendete Digitalisierung, wenn kleiner 16 bit, als auch die Abweichung von der linearen übertragungsfunktion zu berücksichtigen.

Es ist unbedingt erforderlich das Signal-Rausch-verhältnis (SNR) zu messen, um die Bildqualität zu bewerten. Diese Messung liefert nur vergleichbare Daten, wenn die übertragungsfunktion vorher in Bezug auf die belichtete Dosis linearisiert wurde. Das bedeutet, die gemessenen Grauwerte (Intensitäten) müssen proportional der aufbelichteten Dosis sein. Wenn man digitale Radiographien verwendet, die mit einem Gerät mit logarithmischer Kennlinie aufgenommen wurden und in diesen Bildern das SNR misst, erhält man wesentlich zu hohe Werte (Beispiel: statt 130 wurde 500 gemessen). Auch Punkt- und Linienverwaschungsfunktionen (PSF, LSF) müssen von linearisierten Bildern ermittelt werden, um Verfälschungen zu vermeiden.

Bild 2 zeigt ein transformiertes Bild im Vergleich zu einem gemessenen. Den Profilen der Abbildung der Doppeldrahtstege (siehe EN462-5 oder ASTM E2002) kann man entnehmen, dass die Speicherfolienaufnahme eine etwas höhere Unschärfe als die simulierte Aufnahme (Bild2a) hat. Hier wurde die Unschärfe der verwendeten Speicherfolie zu gering angesetzt. Ansonsten sehen die Radiographien fast identisch aus. Daher wurde ein Hochpassfilter verwendet, um noch vorhandene Unterschiede sichtbar zu machen. Bild 3 zeigt den Vergleich von berechneter und gemessener radiographischer Abbildung. Es lässt sich jetzt erkennen, dass die gemessene Abbildung deutlich mehr Rauschen enthält als die berechnete. Dieses Rauschen weist auf Strukturrauschen in der verwendeten Speicherfolie hin. Es wird angenommen, das die Oberfläche der verwendeten Speicherfolie bereits beschädigt wurde oder der Scanner defekt war. Bild 4 zeigt das gleiche numerische Experiment im Vergleich zu einer Aufnahme, die mit einem AC-3-System von FujiFilm gemessen wurde. Die Ortsauflösung betrug hier 100µm. Beide Bilder zeigen nahezu keine Differenzen. Bei der gemessenen Speicherfolienaufnahme sind lediglich einige Punkte zu erkennen, die durch "Staubkörner" beim Auslesen verursacht wurden.

Bild 2: Vergleich der transformierten Bilder für
a) Ortsauflösung von 90 µm und
b) gemessenem Bild mit dem System Lumisys ACR 2000 von Agfa NDT mit 85 µm (300 dpi) Ortsauflösung.
Bild 3: Vergleich des transformierten Bildes für
a) eine Ortsauflösung von 90 µm mit
b) einem gemessenem Bild, aufgenommen mit Lumisys ACR 2000 von Agfa NDT mit 85 µm (300 dpi) Ortsauflösung nach Hochpassfilterung. Das ACR 2000 Bild zeigt zusätzliches Strukturrauschen.
Bild 4: Vergleich des transformierten Bildes für
a) eine Ortsauflösung von 100 µm mit
b) einem gemessenen Bild, aufgenommen mit AC-3 von FujiFilm mit 100 µm Ortsauflösung nach Hochpassfilterung. Das AC-3 Bild zeigt kein zusätzliches Strukturrauschen.

Flachdetektoren

Flachdetektoren (FPD) haben normalerweise eine lineare Detektorantwortfunktion [4, 5]. Daher ist keine LUT-Korrektur zur Korrektur der gemessenen Parameter erforderlich. Eine LUT kann allerdings verwendet werden um Digitalisierungseffekte zu berücksichtigen. Hierbei werden die 16 bit auf 12 oder 14 bit heruntergesetzt (es sind Systeme mit 12 und 14 bit verfügbar). Alle FPDs benötigen eine mehr oder weniger komplizierte Korrektursoftware, um die unterschiedlichen Kennlinien der einzelnen Detektorelemente zu korrigieren. Diese gehört zur Datenerfassungssoftware und ist im System integriert. Die Bewertung der Systeme kann nur unter Berücksichtigung dieser Software erfolgen. Einige FPDs erfordern das Auslesen bei abgeschalteter Strahlung. Das ist für einige Anwendungen eine erschwerende Bedingung, die nicht immer eingehalten werden kann. Außerdem können Flachdetektoren unempfindliche oder tote Pixel enthalten (bad or dead pixels), die üblicherweise durch Interpolation korrigiert werden, was zu lokalen Störungen der Abbildungsschärfe führen kann. Weiterhin können Geisterbilder auftreten. Es handelt sich hier um Bilder, die nicht ausreichend nach dem Ausleseprozess gelöscht wurden und noch als Untergrundbild bei der nächsten Aufnahme erscheinen. Sie klingen mit der Zeit ab und verschwinden nach einiger Zeit bzw. werden durch die Background-Shading-Korrektur kompensiert. Dieser Effekt, auch "Image lag" genannt, macht eine Simulation von Flachdetektorbildern relativ kompliziert.

Referenzbilder können unter den oben genannten Bedingungen berechnet werden (ohne Image lag und bad pixels) und geben die grundlegenden Abbildungseigenschaften der Flachdetektoren wieder. Der Vergleich eines amorphen Si-FPDs mit dem berechneten Referenzbild zeigt (siehe Bild 5) nach Hochpassfilterung, dass das FPD-Bild verrauschter ist, als das Masterbild. Dem Rauschen sind linienartige Störungen überlagert, die offensichtlich auf den Ausleseprozess mit nicht abgeschalteter Strahlung zurückzuführen sind.

Bild 5: Vergleich des transformierten Bildes für
a) eine Ortsauflösung von 130 µm mit
b) einem gemessenem Bild, aufgenommen mit dem Flashscan 20 (alte Version von dPix) mit 127 µm Ortsauflösung nach Hochpassfilterung. Das Bild des Flashscan 20 zeigt zusätzliches Rauschen und Linienartefakte.
Bild 6: Vergleich des transformierten Bildes für
a) eine Ortsauflösung von 140 µm mit
b) einem gemessenem Bild, aufgenommen mit dem a -Se-Detektor Radview DR mit 139 µm Ortsauflösung nach Hochpassfilterung. Das Bild zeigt kein zusätzliches Strukturrauschen, aber mehr Rauschen als die Filmaufnahme, die wiederum 12-mal länger belichtet wurde als die DR-Aufnahme.

Ein Vergleich eines gemessenen radiographischen Bildes mit einem amorphen Se-FPD der Firma Agfa-NDT zeigt, dass bei abgeschalteter Strahlung keine Artefakte auftreten. Das FPD-Bild ist allerdings immer noch verrauschter als das berechnete Bild, da die Datenerfassungssoftware nur eine maximale Belichtungszeit von 30 Sekunden gestattet, die im Vergleich zu den 6 Minuten Belichtung der Masterfilms (Agfa D4) eine ungünstige Quantenstatistik aufweist (siehe Bild 6). Mehrere FPD-Bilder müssen gemittelt werden, um das gleiche SNR zu erhalten wie das Filmmasterbild.

Zusammenfassung

Das Konzept der Transformation von Masterradiographien zu digitalen Referenzbildern für neue digitale Detektorsysteme konnte erfolgreich für Schweißnähte getestet werden. Dieses Konzept sollte die Bewertung und Optimierung neuer Detektorsysteme für praktische Anwendungen unterstützen. Insbesondere die Radiographie mit eingeschränkter Ortsauflösung wirft die Frage auf, inwieweit eine eingeschränkte Nachweiswahrscheinlichkeit für feine Details akzeptiert werden kann bzw. ob sie durch andere Vorteile wieder kompensiert werden kann. Digitale radiographische Kataloge sollten es dem Nutzer gestatten, die für sein Problem erforderliche Ortsauflösung zu finden und die Kontrastempfindlichkeit für sein Problem zu adaptieren. Dieses Verfahren wurde als ein Hilfsmittel zur Führung durch die neue Vielfalt der digitalen Detektoren entwickelt. Es gestattet den direkten Vergleich zur Filmradiographie, die immer noch den Qualitätsmaßstab in der Radiographie repräsentiert und Basis für die Ausbildung und Regelsetzung der letzten Jahrzehnte war. Sicherheitsrelevante Anwendungen benötigen immer noch diesen Vergleich als Entscheidungsgrundlage, ob eine neue Technik äquivalente Ergebnisse liefert, und von Experten anerkannt werden kann. Das entwickelte Prinzip der digitalen Transformation zur Bewertung der Bildqualität gestattet auch die Bewertung des Risikos, beim Einsatz neuer digitaler Detektoren Anzeigen zu übersehen.

Die ersten Experimente haben gezeigt, dass die transformierten Masterdaten bereits über ein ausreichendes SNR verfügen. Die hochpassgefilterten Bilder konnten benutzt werden, um Probleme beim Einsatz verschiedener neuer Detektorsysteme sichtbar zu machen.

Literatur

  1. Ewert, U., Zscherpel, U., Horky, M., Kennedy, J., Hutchinson, M.: A new computer based concept for digital radiographic reference images, 8th ECNDT-conference, 17-21, 2002 Barcelona (Spain), conference CD: Datei 268.pdf.
  2. Zscherpel, U.: "Film digitization systems for DIR: Standards, Requirements, Archiving and Printing", NDT.net, May 2000, Vol. 5 No. 05, http://www.ndt.net/article/v05n05/zscherp/zscherp.htm.
  3. Ewert, U. , Stade, J., Zscherpel, U., Kaling, M., Materialprüfung, 37, 1995, pp. 474-478.
  4. Soltani, P.K., Wysnewski, D., Swartz, K., "Amorphous Selenium Direct Radiography for Industrial Imaging", DGZfP-Symposium, Berlin, 1999, Proceedings on CD, see : http://ndt.agfa.com/bu/ndt/index.nsf/EN/techinfolibrary.htm.
  5. Casagrande, J.M., Koch, A., Munier, B., P.de Groot, "High Resolution Digital Flat-Panel X-Ray Detector - Performance and NDT Application", 15th WCNDT, Rome, 2000, see http://www.ndt.net/article/wcndt00/papers/idn615/idn615.htm.

Danksagung

Die Autoren danken Dr. K. Osterloh and Y. Onel für ihre Beiträge zur Speicherplattentechnologie und Softwareentwicklungen.

STARTHerausgeber: DGfZPProgrammierung: NDT.net