DGZfP-JAHRESTAGUNG 2002

ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung

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Entwicklung einer Gruppenstrahler-Sendeeinheit für Ultraschalluntersuchungen von Betonbauteilen

F. Mielentz, M. Krause und H. Wüstenberg
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), Berlin
Kontakt: F. Mielentz

Zusammenfassung

Die Ultraschall Phased-Array-Technik oder auch Gruppenstrahlertechnik wird erfolgreich in der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung an Metallen und Kunststoffen eingesetzt. Mit dieser Technik kann durch zeitlich gesteuerte Anregung der einzelnen Wandlerelemente des Arrays das Schallbündel im Probekörper verschoben, geschwenkt und/oder fokussiert werden. Der für Beton anwendbare Frequenzbereich liegt in der Regel von 50 kHz bis 200 kHz. Die Erzeugung der notwendigen Verzögerungen der Sendespannungen für die Schallbündelsteuerung kann in diesem Frequenzbereich durch kommerziell erhältliche Komponenten der Rechnertechnik erreicht werden. Die Hardware-Entwicklung beschränkt sich somit nur auf die Leistungssendestufen und das Interface zwischen dem Steuerrechner und dem Leistungsteil.

Die Phased-Array-Sendeapparatur besteht aus einem Steuerrechner mit eingebauten Timerbaugruppen und einem externen Leistungsteil mit 10 eingebauten Sendern für die Ultraschallprüfköpfe. Als Kompromiss zwischen Schaltungsaufwand und bestmöglicher Anregung werden z. Zt. Rechtecksendestufen mit einstellbarer Impulsbreite verwendet. Durch die variable Impulsbreite kann, je nach verwendeten Prüfköpfen, die Anregung optimiert werden.

Orientierende Messungen wurden an einem 50 cm dicken Betonprobekörper mit einem Größtkorn von 8 mm durchgeführt. Die Möglichkeiten des Fokussierens und des Schwenkens des Schallbündels sind in Durchschallung überprüft worden. Es erfolgte danach ein Vergleich der Ergebnisse mit einer Modellrechnung auf Grundlage der Punktquellensynthese.

Ultraschall, Beton, Ultraschallsender, Phased-Array-Technik

1 Einleitung

Die Anwendung von Ultraschallverfahren im Bauwesen zur zerstörungsfreien Prüfung von Bauteilen aus mineralischen Baustoffen weicht stark von der Ultraschallprüfung an Metallen ab. Die ausgeprägten Materialinhomogenitäten des Betons zwingen wegen der starken Schallschwächung durch Streuung und Absorption in der Regel zur Nutzung von Messfrequenzen von unter 200 kHz, was einer Wellenlänge l größer 2 cm entspricht. Die gängigen Ultraschall-Niederfrequenzprüfköpfe haben meist Schwingerdurchmesser D unter 6 cm, um die Ankopplung der Prüfköpfe auch auf nicht schalungsglatten Betonoberflächen ohne größere Schwierigkeiten zu ermöglichen. Dieses für die Ultraschallprüfung ungünstige Verhältnis D/l hat ein fast ungerichtetes Abstrahlungsverhalten für Longitudinalwellen der Prüfköpfe zur Folge. Außerdem kommt es zusätzlich zu einer intensiven Abstrahlung von Transversal- und Oberflächenwellen. Diese Voraussetzungen erschweren die Auswertung der klassischen Impuls-Echo-Prüfung erheblich und haben zu speziellen Verfahrensoptimierungen für Ultraschallprüfungen im Bauwesen geführt [11].

Ein Abtastverfahren nach dem Prinzip der synthetischen Apertur hat sich in der Praxis als geeignet erwiesen. Auf Basis dieses Verfahrens wurde in der BAM eine Messapparatur mit einem Array, bestehend aus 10 Prüfköpfen, für die Strukturuntersuchung von Betonbauteilen entwickelt, die sich bereits bei zahlreichen Messeinsätzen bewährt hat [6], [8].

Wenn beim Senden die einzelnen Prüfköpfe einer solchen Strahlergruppe mit unterschiedlichen Zeitverzögerungen belegt werden, kann das Schallfeld im Werkstoff gesteuert werden (Abb. 1).

Abb 1: Schallbündelsteuerung mit Gruppenstrahlern (schematisch)

Über die zerstörungsfreie Werkstoffprüfung mit Ultraschall-Phased-Array-Prüfköpfen im Metallbereich gibt es langjährige Erfahrungen. Mit dieser Technik können die Schallfelder eines Gruppenstrahlerprüfkopfes an die jeweilige Prüfgeometrie angepasst werden. Damit ist ein und derselbe Prüfkopf für die unterschiedlichsten Prüfprobleme einsetzbar. Moderne Gruppenstrahler-Geräte haben eine Vielzahl unabhängiger Sende- und Empfangsstufen, die ein stufenloses Schwenken und Fokussieren des Schallbündels ermöglichen [4], [9], [12].

Über den praktischen Einsatz von Gruppenstrahlern zur Untersuchung von Bauteilstrukturen aus Beton gibt es noch keine Erfahrungen. Erste Untersuchungen an kleinen Mörtel- und Betonradtestkörpern (300 mm Radius, 63 mm Dicke) ergaben vielversprechende Ergebnisse [1], allerdings steht bisher die Aussage über die Eignung der Gruppenstrahlertechnik an Betonbauteilen mit praxisüblichen Abmessungen und Betonrezepturen noch aus.

Nachfolgend wird ein Konzept einer Gruppenstrahler-Sendeeinheit vorgestellt, mit der durch zeitlich gesteuerte Anregung der einzelnen Wandlerelemente des Arrays das Schallbündel im Betonbauteil geschwenkt und/oder fokussiert werden kann.

2 Komponenten der Gruppenstrahlersendeapparatur

2.1 Ultraschall-Niederfrequenz-Prüfköpfe in Array-Anordnung
Übliche Gruppenstrahlerprüfköpfe besitzen eine rechteckförmige oder quadratische Schwingermembran aus schmalen Rechteckelementen, die sich einzeln ansteuern lassen. Niederfrequenz-Gruppenstrahlerprüfköpfe für den Frequenzbereich um 100 kHz für Betonanwendungen vergleichbarer Bauart stehen zur Zeit nicht zur Verfügung. Wie in der Einleitung beschrieben, ist in der BAM eine Messapparatur mit einem Prüfkopfarray, bestehend aus einzelnen Ultraschall-Niederfrequenzprüfköpfen, vorhanden. Die Prüfköpfe wurden bisher sequenziell als Sender und Empfänger benutzt, so dass ein Schwenken und Fokussieren nicht möglich war. Mit einem Rechner-Steuerprogramm und der notwendigen Elektronik zur Steuerung des Schallfeldes sollten diese Prüfköpfe für die Untersuchungen benutzt werden. Vorher musste geklärt werden, ob der Einsatz der vorhandenen Prüfköpfe in einem laufzeitgesteuerten Gruppenstrahler sinnvoll ist.

Abb 2: Richtcharakteristiken für unterschiedliche Anordnungen der Prüfköpfe

Mit Hilfe eines Rechenprogramms auf Grundlage der Punktquellensynthese kann die Eignung der Prüfköpfe aufgezeigt werden und eine Optimierung der Anordnung der Prüfköpfe erfolgen [2]. Abb. 2 zeigt die berechneten Richtcharakteristiken für zwei unterschiedliche Prüfkopfanordnungen mit demselben Fokuspunkt auf der Aufpunktlinie. Im rechten Bild erkennt man deutlich eine ausgeprägte Gitterkeule bei s = 280 cm, die bei einer Messung zu Fehlinterpretationen führen kann. Wegen der besseren Unterdrückung der Gitterkeule im linken Bild wird für den weiteren Einsatz in der Gruppenstrahler-Apparatur die versetzte Anordnung der Prüfköpfe bevorzugt (Abb. 3).

Abb 3: Arrayanordnung der Ultraschall-Prüfköpfe

2.2 Ultraschall-Sender
Für die Werkstoffprüfung im Baubereich benötigt man Spannungsimpulse von 100 V bis über 1000 V, um die Piezokeramiken der breitbandigen Niederfrequenz-Prüfköpfe für Betonanwendungen ausreichend anzuregen. Dabei sollte möglichst die Spektraldichte des Sendeimpulses an die Prüfkopfmittenfrequenz bzw. an die benötigte Prüffrequenz angepasst werden.

Bei den verschiedenen Ultraschall-Sendeimpulsen kann grob zwischen Nadelimpulssender, Rechtecksender und CS-Sender (Controlled Signals) unterschieden werden [3].

Nadelimpulse werden üblicherweise durch eine Kondensatorentladung erzeugt. Die Impulse zeichnen sich durch eine kurze Anstiegszeit und einen langsamen Abfall der Spannung aus. Dieser Abfall wird durch die Entladung der Gesamtkapazität über einen parallel geschalteten Dämpfungswiderstand bestimmt.

Mit einem Rechtecksender kann die Impulsdauer der Sendespannung variiert und an die verwendeten Prüfköpfe angepasst werden. Bei zu kurzer Impulsdauer schwingt der Wandler nicht mit seiner Maximalamplitude; ist sie zu lang, wird die Schwingung verzerrt. Bei optimaler Einstellung der Impulsbreite führt die Verwendung eines Rechtecksenders gegenüber eines Nadelimpulssenders zu größeren Amplituden der Ultraschallsignale [5]. Allerdings ist der Schaltungsaufwand der Sendestufe beim Rechtecksender etwas größer als beim Nadelimpulssender.

Abb 4: Ultraschallmessung an einer 330 mm dicken Betonplatte (16 mm Größtkorn) mit Rechtecksendeimpuls; Impuls-Echo-Betrieb mit getrennten Sende- und Empfangsprüfkopf.
Oben: A-Bild des Sendeimpulses und zugehörige Spektraldichte
Unten: A-Bild des Empfangssignals und zugehörige Spektraldichte (R1, R2 Rückwandecho)

Abb. 4 zeigt eine Messung mit Rechtecksendeimpuls an einer 330 mm dicken Betonplatte mit getrennten Sende- und Empfangsprüfkopf in Impuls-Echo-Technik. Im Empfangssignal sind niederfrequente Störanteile zu erkennen, die sich mit den Mehrfachechos von der Rückwand überlagern (R1 und R2 in Abb. 4 links unten). Erst nach einer digitalen Filterung des Empfangssignals (fgu = 50 kHz, fgo = 200 kHz) ist im A-Bild das Rückwandecho deutlich zu erkennen (Abb. 5).

Abb 5: Gefiltertes Empfangssignal aus Abb. 4

CS-Sender benötigen den größten Schaltungsaufwand. Der Signalverlauf und die Frequenz ist jedoch beliebig wählbar, was eine optimale Anpassung des Sendesignals an den Prüfkopf und an das Prüfproblem ermöglicht. Abb. 6 zeigt eine Messung an einer 330 mm dicken Betonplatte mit getrennten Sende- und Empfangsprüfkopf in Impuls-Echo-Technik mit einer Mittenfrequenz fM des Sendesignals von 80 kHz. Im oberen Teil der Abbildung ist das Sendesignal und im unteren Teil das Empfangssignal dargestellt. Im Empfangssignal sind deutlich die Reflexe R1 und R2 von der Rückwand der Betonplatte zu erkennen; der Anteil an Oberflächenwellen ist gering. Bei gleicher Sendeimpulsspannung uss ist die Amplitude des Rückwandechos größer als beim Rechtecksendeimpuls in Abb. 4.

Abb 6: Ultraschallmessung an einer 330 mm dicken Betonplatte (16 mm Größtkorn) mit Schwingungssendeimpuls; Impuls-Echo-Betrieb mit getrennten Sende- und Empfangsprüfkopf.
Oben: A-Bild des Sendeimpulses und zugehörige Spektraldichte.
Unten: A-Bild des Empfangssignals und zugehörige Spektraldichte

Für eine Gruppenstrahlerapparatur benötigt man für jedes Prüfkopfelement eine zeitlich unabhängig triggerbare Sendestufe. übliche Gruppenstrahlergeräte für Anwendungen an Metallen arbeiten normalerweise im Frequenzbereich über 1 MHz mit Wandlerelementen geringer Masse, die auch mit Nadelimpulssendern nahezu optimal in Resonanz angeregt werden können [5]. Besonders aber bei niedrigen Prüffrequenzen und Prüfköpfen mit großer Masse lohnt ein höherer Aufwand der Sendestufen.

Durch Optimierung der Sendeimpulsdauer eines Rechtecksignals oder durch Anregung des Prüfkopfes mit einem angepassten Schwingungsimpuls kann also die Amplitude der Ultraschallsignale erhöht werden. Als Kompromiss zwischen Schaltungsaufwand und bestmöglicher Wandleranregung werden zur Zeit für die Untersuchungen an Betonbauteilen Rechtecksendestufen verwendet.

2.3 Zeitverzögerung
Bei dem Einsatz der Gruppenstrahlertechnik an Betonbauteilen sind Verzögerungszeiten Dt von bis zu 54 ms bei einem maximalen Abstand der Quellpunkte d nötig, um einen Schwenkwinkel von z. B. j = 45° der Wellenfront des Strahlerarrays zu erreichen. Bei der Abschätzung wird eine linienförmige Strahleranordnung von 10 Elementen mit einem Abstand der Schwingermittelpunkte von jeweils 34 mm (Schwingerdurchmesser der vorhandenen Prüfköpfe) und eine Schallgeschwindigkeit im Beton von cL = 4000 m/s zu Grunde gelegt und nach (Gl. 1) berechnet [10].

(Gl. 1)

Diese langen Verzögerungszeiten sind bei herkömmlichen Gruppenstrahler-Messapparaturen nicht nötig und daher in der Regel nicht vorgesehen. Die Zeiten liegen in einer Größenordnung, in der bereits kommerziell erhältliche Rechner-Steckbaugruppen, sogenannte Counter/Timer-Boards zur digitalen Zeitverzögerung der Sendeimpulse, eingesetzt werden können.

3 Gerätekonzept

Die Gruppenstrahler-Sendeeinheit ist aus den bereits beschriebenen Komponenten Prüfkopfarray, Rechtecksender und Counter/Timer-Boards mit dem entsprechenden Steuerprogramm aufgebaut. Abb. 7 zeigt ein übersichtsbild der Apparatur.

Abb 7: Schema und Foto der Gruppenstrahler-Sendeapparatur

Der Gruppenstrahlerprüfkopf, bestehend aus den einzelnen Ultraschall-Niederfrequenz-Prüfköpfen in Array-Anordnung, ist über ein mehradriges Kabel mit den Sendebaugruppen verbunden. Für jeden Prüfkopf wird eine Sendestufe benötigt, die extern getriggert werden kann. Die Verzögerungszeiten für die Sendeimpulse werden durch handelsübliche Rechner-Steckbaugruppen realisiert. Die Baugruppen sind über Steuerleitungen und Interface-Baugruppen mit den Sendestufen verbunden und lösen zeitversetzt die Sendeimpulse aus.

4 Messung am Betontestkörper

4.1 Berechnung der Richtcharakteristiken
Vor dem praktischen Einsatz des Gruppenstrahlers am Betontestkörper wurden die Richtcharakteristiken des vorhandenen Prüfkopfarrays berechnet. Eine Möglichkeit der Feldberechnung von ausgedehnten Quellen ist die Punktquellensynthese [7]. Dafür wird das Prüfkopfarray in einzelne Schwingersubelemente unterteilt und die Schallerregung im Aufpunkt durch komplexe Summation der Elementarwellenanteile berechnet [2].

Nach der Berechnung ist mit der Anordnung der Prüfköpfe nach Abb. 3 eine Erhöhung der Amplitude durch Fokussierung sowie ein Schwenken des Schallbündels im Bauteil möglich. Dargestellt sind in Abb. 8 die berechneten Schallfelder des Arrays ohne und mit Fokussierung und bei einem Schwenkwinkel von 11°. In Abb. 9 sind die entsprechenden Richtcharakteristiken abgebildet. Die Aufpunktlinie für die Berechnung liegt parallel zum Array in 500 mm Abstand (entspricht der Punktlinie in Abb. 8).

Abb 8: Berechnete Schallfelder des Prüfkopfarrays in der Einschallebene. Die Punktlinie gibt die Testkörperdicke an. Abb 9: Berechnete Richtcharakteristiken des Prüfkopfarrays (Aufpunktlinie in 500 mm Abstand, Punktlinie in Abb. 8)

4.2 Verwendete Messtechnik
Üblicherweise werden Richtcharakteristiken von Gruppenstrahlerprüfköpfen an halbzylinderförmigen Testkörpern überprüft. Solche Testkörper mit für das Bauwesen praxisüblichen Abmessungen und Betonrezepturen standen kurzfristig nicht zur Verfügung, so dass die Messungen an vorhandenen Betonbauteilen durchgeführt wurden. Das Prüfkopf-Sendearray wird mit Hilfe einer Schablone auf der einen Seite des Betontestkörpers befestigt. Auf der anderen Seite werden in Durchschallung entlang einer Linie mit einem Empfangs-Prüfkopf und mit einem Laser-Vibrometer die Richtcharakteristiken gemessen. Als Koppelmittel für die Ultraschallprüfköpfe wird Vaseline benutzt.

Die großen Ankopplungsschwankungen des Empfangsprüfkopfes während der Abtastung der Betonoberfläche stellen sich als nachteilig heraus. Die Messergebnisse sind dadurch nicht reproduzierbar. Als Konsequenz werden die weiteren Messungen berührungslos mit einem Laser-Vibrometer durchgeführt. Abb. 11 zeigt den Messaufbau mit einem Laser-Vibrometer als Ultraschallsensor. Die Betonoberfläche wird dafür mit einer reflektierenden Farbe bzw. Folie im Bereich der Messlinie versehen. Das Abtasten der Messlinie mit dem Laserstrahl erfolgt dabei automatisch mit Hilfe eines rechnergesteuerten Spiegelscanners (Schrittweite 0,5 mm). Die gemessenen Ultraschallsignale werden digitalisiert und jeweils die Amplitude des ersten Maximums im Ultraschall-A-Bild ausgewertet. In den Auswertungen sind diese gemessenen Amplitudenwerte in Abhängigkeit vom Ort dargestellt (Abb. 10).

Abb 10: Mit einem Laser-Vibrometer in Durchschallung gemessene Richtcharakteristiken des Prüfkopfarrays (bl: Messpunkte, sw: Polynomapproximation)

Abb 11: Gruppenstrahlersendeapparatur mit Laser-Vibrometer zur Messung der Richtcharakteristiken in Durchschallung

4.3 Ergebnisse der Messungen an dem Betontestkörper und Ausblick
Der Betontestkörper hatte ein Größtkorn von 8 mm und eine Dicke von 500 mm. Die Betonoberfläche wurde vor der Messung geschliffen und mit Reflexionsfarbe versehen. Mit Hilfe eines Laser-Vibrometers wurde in Durchschallung entlang einer 400 mm langen Messlinie die Betonoberfläche mit einer Schrittweite von 0,5 mm abgetastet. Vor der Messung wurden jeweils dieselben Verzögerungszeiten, auf denen auch die Modellrechnungen basierten, für die Ultraschallsendeimpulse am Steuerrechner eingestellt. Analog zu den Berechnungen wurden so die drei Fälle unfokussiert, fokussiert und fokussiert mit einem Schwenkwinkel von 11° untersucht.

In den Auswertungen der Messungen in Abb. 10 ist deutlich die durch Zeitverzögerung der Sendeimpulse gesteuerte Veränderung der Richtcharakteristiken des Prüfkopfarrays erkennbar. Im oberen Bild ist die Richtcharakteristik ohne Fokussierung abgebildet. Alle Prüfköpfe des Arrays wurden gleichzeitig angesteuert. Das mittlere Bild zeigt die Richtcharakteristik bei fokussiertem Schallfeld. Die Ultraschallamplitude ist um 65 % größer als im nichtfokussierten Fall und das Schallbündel ist deutlich schmaler. Im unteren Bild ist das Schwenken und Fokussieren des Schallbündels kombiniert worden. Deutlich erkennt man die fokussierte Richtcharakteristik mit einer maximalen Amplitude bei s = 110 mm.

Zusätzlich treten sprunghafte änderungen der Ultraschallamplitude in den Auswertungen auf, die sich auf wenige Millimeter längs der Messlinie beschränken. Diese Stellen hoher Amplitude erscheinen reproduzierbar auch mit anderen Messanordnungen und werden wahrscheinlich durch die Zuschläge im Beton verursacht.

Es konnte durch Messungen gezeigt werden, dass es mit der entwickelten Gruppenstrahler-Sendeeinheit möglich ist, das Schallbündel des Prüfkopfarrays in einem Betonbauteil mit einem praxisüblichen Größtkorn zu fokussieren und zu schwenken. Die geringe Abweichung der Lage des gemessenen Ortes größter Ultraschallamplitude gegenüber des berechneten Fokuspunktes belegt die übertragbarkeit der im Metallbereich eingeführten Berechnungsmodelle auf Betonanwendungen. Der qualitative Vergleich der Messungen mit den Modellrechnungen ergeben unter Berücksichtigung der Inhomogenität des Werkstoffes Beton eine gute übereinstimmung der Richtcharakteristiken.

Zukünftig sind Messungen mit der Gruppenstrahler-Sendeeinheit an Betontestkörpern mit anderen Sieblinien und anderen Bauteildicken mit den entsprechenden Simulationsrechnungen geplant. Die Ankoppelproblematik der Prüfköpfe könnte durch neuartige Punktkontaktprüfköpfe überwunden werden, da diese koppelmittelfrei auf die Betonoberfläche gedrückt werden. Durch Erweiterung des Linienarrays auf eine zweidimensionale Anordnung der Prüfköpfe könnte das Schallbündel in alle Richtungen im Bauteil geschwenkt werden.

5 Danksagung

Die vorliegende Arbeit wurde im Rahmen der Forschergruppe "Zerstörungsfreie Strukturbestimmung von Betonbauteilen mit akustischen und elektromagnetischen Echo-Verfahren" unter FOR 384 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Weitere Informationen zu diesem Projekt sind im Internet unter http://www.for384.uni-stuttgart.de/ zu finden.

Die Schallfeldberechnungen wurden mit einem in der BAM VIII.4 (Zerstörungsfreie Prüfung; akustische und elektrische Verfahren) entwickelten Programm durchgeführt. Insbesondere danken wir Dipl.-Phys. R. Boehm (BAM VIII.4) für die vielen wertvollen Hinweise und die tatkräftige Unterstützung bei der Berechnung der Richtcharakteristiken der Gruppenstrahler-Sendeeinheit.

6 Literatur

  1. Azar, L. und S.-C. Wooh: Experimental Characterization of Ultrasonic Phased Arrays for the Nondestructive Evaluation of Concrete Structures. Z. Materials Evaluation. 1999, Bd. 57, Heft 2, S. 134-140.
  2. Boehm, R., Erhard, A. und H. Wüstenberg: Dreidimensionale Modellrechnungen zum Einfluss von zylindrischen Bauteilkrümmungen auf das Schallfeld von Gruppenstrahlerprüfköpfen. In: DGZfP-Jahrestagung in Weimar. 2002.
  3. Deutsch, V., Platte, M. und M. Vogt: Ultraschallprüfung, Grundlagen und industrielle Anwendungen. 1. Aufl. Berlin, Heidelberg.:Springer-Verlag, 1997.
  4. Erhard, A., Wüstenberg, H., Haufe, U. und W. Möhrle: Berechnung und Bau von Gruppenstrahler-Prüfköpfen. In: 3rd European Conference on Nondestructive Testing in Florence: 1984. S. 156-170.
  5. Krautkrämer: Nadel oder Rechteck? Berichte und Meinungen. Hürth: Firma Krautkrämer GmbH & Co, 1998.-Firmenschrift Echo 37.
  6. Krieger, J., Krause, M. und H. Wiggenhauser: Erprobung und Bewertung zerstörungsfreier Prüfmethoden für Betonbrücken. In: BAST-Bericht Heft B 18, Bremerhaven: Wirtschaftsverlag NW (1998). 143 Seiten.
  7. Kühnicke, E.: Elastische Wellen in geschichteten Festkörpersystemen. 1. Aufl. Bonn: TIMUG e. V., 2001.
  8. Mielentz, F., Milman, B., Krause, M. und H. Wiggenhauser: Praxiseinsatz eines Ultraschallecho-Verfahrens zur Strukturuntersuchung von Betonbauteilen, in DGZfP (Hrsg.); Fachtagung Bauwerksdiagnose - Praktische Anwendungen Zerstörungsfreier Prüfungen, 21.-22.1.1999 in München, Poster Nr. 2.
  9. Schenk, G., Möhrle, W., Montag, H.-J., Erhard, A. und H. Wüstenberg: Ultraschall Real-Time-Scanner für die Schweißnahtprüfung. In: DGZfP-Jahrestagung in Innsbruck: 2000, S. 659-668.
  10. Tränkler, H.-R. und E. Obermeier (Hrsg.): Sensortechnik. 1. Aufl. Berlin, Heidelberg.: Springer-Verlag, 1998.
  11. Wüstenberg, H.: Möglichkeiten und Konzepte für Ultraschall-Prüfköpfe speziell für das Bauwesen. In: Symposium Zerstörungsfreie Prüfung im Bauwesen in Berlin: DGZfP (Hrsg.), 1991, S. 488-504.
  12. Wüstenberg, H.: Bewertung von ZfP-Verfahren, Leistungen und Grenzen. In: Fachtagung ZfP im Eisenbahnwesen in Wittenberge: DGZfP (Hrsg.), 2000, Vortrag 1.

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