DGZfP-JAHRESTAGUNG 2003

ZfP in Anwendung, Entwicklung und Forschung

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Die zerstörungsfreie Prüfung, ein notwendiges Übel für die Industrie, und die Rolle des Dienstleisters - Alibi oder Partner?

W. Beushausen, Bochum und G. Vogt, Burgwedel
Kontakt: Vogt Göran Dipl.-Ing.
Kontakt: Beushausen Willi

Bereits im Mai 1875 hat Bismarck anlässlich einer Tagung mit Vertretern der deutschen Schwerindustrie gesagt: "Ich bin nicht wohlhabend genug, um mir etwas Billiges leisten zu können".

Die Deutsche Industrie jedoch leistet sich billige Dienstleistung und handelt entgegen der Qualitätsnormen und ethischen Werte.

Gerade in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen, wie zur Zeit in Deutschland, sind Qualitätssicherung, Qualitätskontrolle und Qualitätsprodukte von entscheidender Bedeutung.

Populäre Beispiele aus der Automobilindustrie der vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, dass minderwertige Qualität das Image und den Absatz der Produkte nachhaltig stört und nur mit Millionen Aufwendungen beseitigt werden kann. Namhafte Automobilhersteller sind dafür konkrete Beispiele.

Auswertungen von Qualitätsdaten aus den vergangenen Jahren bei einer norddeutschen Werft, die jetzt nicht mehr existiert, ergaben Fehlleistungskosten von 13,5 %. So braucht man sich nicht zu wundern, wenn dieses Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig war.

Jüngste Untersuchungen aus der metallverarbeitenden Industrie legen offen, dass 25 % der Unternehmen entweder kein Qualitätssicherungssystem implementiert haben oder, wenn sie nach ISO 9000 ff zertifiziert sind, es nicht leben. Organigramme und Verfahrensanweisungen existieren nur auf dem Papier, Qualitätssicherungsabteilungen werden der Produktion untergeordnet.

Philosophien, wie z.B. die strategische Ausrichtung von Qualitätsmanagement - Systemen als ein Instrument zur Sicherstellung und Verbesserung von Produktionsabläufen, sind reine Lippenbekenntnisse. Die Dokumentation von Qualitätssicherungsmaßnahmen werden lediglich dazu benutzt, um Regressansprüche von Kunden abzuwehren. Vielfach wird bereits jetzt deutlich, dass man bei prozentualer Überprüfung nicht statistische Methoden in Ansatz bringt, sondern vielmehr Prüfunternehmen, die sich in wirtschaftlich schwieriger Situation befinden, auffordert, 10% fehlerfreie Nähte zu suchen. "Für ein paar Mark Filme nur schwarz machen" ist eine bekannte Floskel mit schwerwiegendem Hintergrund.

Im Laufe der letzten Jahre entwickelt sich das Geschäft der ZfP im Dienstleistungssektor auch immer mehr zu einem Geschäft mit "Feuerwehraufgaben". Jahresplanungen für zerstörungsfreie Prüfungen als Präventivmaßnahmen, wie Sie früher üblich waren, sind selten geworden. Es wird erst reagiert, wenn der Schaden eingetreten ist, eine Alibiprüfung ist ja zur rechtlichen Sicherheit des Herstellers oder Betreibers durchgeführt worden, jedoch meistens auf einem billigem und qualitätssicherndem sehr zweifelhaftem Niveau.

Es gab Zeiten, da war das Zeichen "Made in Germany" ein Siegel für hervorragende Qualität und für eine hohe Produktsicherheit. Die ZfP hatte in dieser Zeit kontinuierliche Einsätze in der Industrie, sei es im Bereich der Anlagenwartung und Instandhaltung oder zur Qualitätsüberwachung von Serienteilen.

Heute ist das Zeichen "Made in Germany" kein Garant mehr für hervorragende Qualität. Die ZfP wird nur noch selten zu präventiver Qualitätsüberwachung genutzt. Der Preisdruck in der Industrie Iässt kaum Möglichkeiten offen, präventive Qualitätsmaßnahmen die eine Erhöhung der Produktqualität und -sicherheit mit sich bringen, in ihr Jahresbudget mit einzuplanen.

Die ZfP wird nur berücksichtigt, wenn der Gesetzgeber dieses verlangt und dann nur zu geringsten Kosten mit oft schlecht ausgebildetem Personal, dass Akkordvorgaben für die Fertigstellung von Arbeiten erhält, und mit nicht kalibrierten Prüfgeräten, die nicht mehr Stand der Technik darstellen.

Die Dienstleister werden dann gerufen, wenn Produktionsanlagen bereits still stehen, Unfälle aufgetreten sind oder Serienbauteile Fehler aufweisen. Schnelligkeit und Flexibilität ist in dem Fall vom Dienstleister gefragt, selbstverständlich auf billigstem Niveau, denn es sind ja nicht eingeplante Kosten und im Enteffekt reicht ein Prüfbericht zur "Sicherstellung der Qualität".

Es stellt sich die Frage, will der Hersteller und der Betreiber wirklich die Qualität sicherstellen, wenn ja, sollte er auch die Voraussetzungen schaffen, wenn eigenes Personal oder Dienstleister hierfür in Einsatz kommen. Es ist sicherzustellen, dass das Personal eine fundierte Basisausbildung hat, kontinuierlich weitergeschult wird, dass die zum Einsatz kommenden Gerätschaften dem Stand der Technik entsprechen und technisch überprüft sind, dass ein Qualitätssicherungssystem die Arbeitsweisen und Verantwortungen fixiert und dass ZfP - Arbeiten nicht nach Akkord oder mit gewünschten Ergebnisvorgaben ausgeführt werden.

Die Reaktion von immer mehr Dienstleistern auf den Preisdruck für die Ausführung der Qualitätssicherung, die nichts kosten darf, ist, teueres Personal abzuspecken, billiges einfaches, schlecht ausgebildetes und nicht verantwortungsbewusstes Personal einzustellen und die Investitionen in neue Gerätschaften zu stoppen oder aber bei entsprechendem ethischem Bewusstsein sich dem Preiskampf nicht auszusetzen und diese Geschäftsbereiche zu verlassen. Der Kunde verfährt oft nach dem Motto "Es schaut ja eh keiner auf die Qualität, und ein Unterschied im Prüfbericht ist nicht zu sehen". "Einzelkämpfer", sich selbst vermietende Einmann-Unternehmen ohne ISO-Zertifizierung und Haftungssicherheiten werden engagiert, wobei die direkte Abhängigkeit des doch normalerweise unabhängigen Prüfers klar ersichtlich ist. Diese Vorgehensweisen können von akkreditierten Unternehmen nicht unterstützt werden.

Wir als qualitätsbewusste Dienstleister empfehlen, dass auch hier die Prinzipien der ISO 9000 ff angewandt werden und die Aufträge für Qualitätskontrollen nicht von denen vergeben werden die auch die Fertigung zu verantworten haben. Deshalb raten wir immer wieder dazu, dass der Investor direkt die Qualitätssicherungs- und Kontrollmaßnahmen beauftragt.

Partnerschaft heißt deshalb für die Dienstleister der ZfP, Rahmenbedingungen zu schaffen, die sie in die Lage versetzen, ihre Mitarbeiter auch zu bezahlen, denn gerade durch den Wertewandel in der Gesellschaft wird es immer schwieriger, junges gut ausgebildetes Personal zu finden und zu motivieren, den eher nicht sehr attraktiven Beruf eines zerstörungsfreien Werkstoffprüfers zu ergreifen und auszuüben. Wenn man sich dann noch die Novellierung der Röntgen- und Strahlenschutzverordnung ansieht ist fraglich, ob man für die Zukunft den Personalbedarf decken kann, der notwendig wäre.

Es wird im Übrigen der deutschen Industrie nicht gelingen, mit welchen Methoden auch immer, Deutschland zum Billiglohnland zu machen sondern, wenn man Marktchancen wirklich nutzen, hochwertige Qualitätsprodukte dem Markt zur Verfügung stellen und Produktionsabläufe verbessern will bzw. Produktionsanlagen mit optimierter Verfügbarkeit nutzen möchte, stehen seriöse engagierte und akkreditierte Dienstleister der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung als Partner zur Verfügung.

Zu dieser strategischen Partnerschaft werden insbesondere die Vereinsmitglieder der DGZfP, der verarbeitenden Industrie und verfahrenstechnischen Großanlagenbetreiber aufgerufen, die Potenziale im eigenen Verband zu nutzen und Ihrer Dienstleistungen kaufmännisches Gewicht zu geben, um gemeinsam in eine qualitätsgesicherte Zukunft zu gehen.

STARTHerausgeber: DGfZPProgrammierung: NDT.net