DACH-Jahrestagung 2004 Salzburg

ZfP in Forschung, Entwicklung und Anwendung

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Neues aus dem Kunsthistorischen Museum

W. Prohaska, Kunsthistorisches Museum, Wien (A)
Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Prohaska

Kurzfassung

Das Kunsthistorische Museum - das grösste und bedeutendste Museum in Österreich - war eine der ersten musealen Institutionen - schon in den zwanziger Jahren - , die die damals für Kunstobjekte neue Methode der Durchleuchtung von Bildern mit Röntgenstrahlen mehr oder weniger systematisch anwandte. Es geschah dies auf Initiative eines einzelnen Kustos - Dr. Wilde - , der durch seine internationalen Kontakte in Italien, Deutschland und den USA Kenntnisse von den Möglichkeiten erlangte, kunsthistorische Erkenntnisse aus diesen Untersuchungsmethoden zu erlangen. Diese Forschungen kamen im KHM in der Nazi-Zeit und auch nach dem Krieg aus mannigfaltigen Gründen- ideologischen und finanziellen - zum Erliegen. Erst mit der Einrichtung einer neuen Restaurierwerkstatt für Gemälde in der Mitte der neunziger Jahre, einer besseren materiellen und personellen Ausstattung, der Bereitschaft der Restauratoren und Kunsthistoriker, sich mit naturwissenschaftlichen Fragestellungen zu beschäftigen - bedingt auch durch deren breitere Ausbildung an den Kunsthochschulen und z.T. an den Universitäten, ein anderes Berufsbild der Restauratoren, die sich zunehmend weniger als Handwerker oder - am anderen Ende der Scala - als Künstler sehen, sondern als Wissenschaftler - hat das KHM Anschluss an den internationalen Trend seit den 70iger Jahren gefunden. Diese Bemühungen hatten 1995 ein erstes von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommenes Ergebnis in einer Ausstellung "Restaurierte Gemälde".

Inzwischen gibt es kaum eine Ausstellung, wenige Museumskataloge, Künstlermonographien, denen nicht Abbildungen von Röntgen- Infrarotaufnahmen beigegeben sind, in denen die verwendeten Malmaterialien mit Hilfe von Röntgenfluoreszenz untersucht , Makroaufnahmen publiziert werden, die einen "unziemlichen" Blick auf und unter die Oberfläche, einen Blick ohne Bedacht auf den früher dominanten Zweck des Kunstwerks erlauben: zu erfreuen, zu erbauen, den Auftraggeber zu rühmen etc.. Ja es geht so weit, dass sich selbst Restauratoren darüber beklagen, dass sich die Naturwissenschaftler in den Museen weitgehend aus einer "dienenden" Funktion herauslösen, Untersuchungen anstellen, die mit der anstehenden oder geplanten Restaurierung der Gemälde kaum mehr etwas zu tun haben. Ziel dieses Vortrags ist es, einen nüchternen, vielleicht manchmal ernüchterten Blick auf die Ergebnisse dieser - nicht nur zerstörungsfreien, sondern oft invasiven - Untersuchungsmethoden für die Kunstgeschichte zu werfen. Anlass ist das vom FWF unterstützte Projekt des kritischen Katalogs der italienischen Barockmalerei im KHM, das seit Mitte 2003 läuft und für das Mittel zur naturwissenschaftlichen Untersuchnung der Gemälde bereitgestellt sind. Diese Untersuchungen werden in Zusammenarbeit mit der Restaurierwerkstätte der Gemäldegalerie und einer römischen Gruppe von Physikern und auf diesem Gebiet spezialisierten Kunsthistorikern durchgeführt und haben eine Reihe von interessanten Ergebnissen gezeitigt, die hier vorgestellt werden sollen.

STARTHerausgeber: DGfZPProgrammierung: NDT.net