DACH - Jahrestagung 2004 Salzburg

ZfP in Forschung, Entwicklung und Anwendung

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Die neue EN 10204. Metallische Erzeugnisse - Arten von Prüfbescheinigungen Auswirkungen auf die zerstörungsfreie Materialprüfung?

G. Balas, G. Balas jun., TÜV Österreich, Wien (A)
Kontakt: Ing. Günter Balas

Kurzfassung

Normen sorgen dafür, dass eines zum anderen passt; sei es als marktordnendes Instrument zur Beseitigung von Handelshemmnissen, sei es zur Entlastung von Routineaufgaben oder zur Sicherstellung von Sicherheit und Gesundheit durch Definition des Standes der Technik für Produkte und Dienstleistungen.

Im Jahre 1991 wurde die international sehr bekannte DIN 50049 "Bescheinigungen über Werkstoffprüfungen" durch die EN 10204 "Metallische Erzeugnisse - Arten von Prüfbescheinigungen" abgelöst. In Österreich wurde 1974 die ÖNORM M 3000 "Bescheinigungen über Werkstoffprüfungen" parallel aufgelegt, die gewünschte Akzeptanz ist dieser Norm, wohl durch den Bekanntheitsgrad der DIN 50049, versagt geblieben.

Die neue EN 10204, welche uns voraussichtlich Anfang 2004 vorliegen wird, bringt einige wichtige Neuerungen. Schon die Tatsache, dass diese Norm auch auf Erzeugnisse aus anderen Werkstoffen angewendet werden darf, wird zu vielen Diskussionen Anlass geben. Das diese Norm zusammen mit den Erzeugnisspezifikationen in denen die technischen Lieferbedingungen für Erzeugnisse festgelegt sind angewendet werden muss, ist von grundlegender Bedeutung.

Eine der wichtigsten Änderungen ist die Verringerung der Anzahl von Prüfbescheinigungen und der Entfall des früheren Werkszeugnisses 2.3. Auch werden neue Begriffe für "Hersteller", "Händler" und "Erzeugnisspezifikation" definiert. Die Werksbescheinigung 2.1 und das Werkszeugnis 2.2 werden weiterhin in vielen Bereichen nur von untergeordneter Bedeutung sein, da die Werksbescheinigung ausschließlich eine Bestätigung der Übereinstimmung mit der Bestellung dokumentiert, das Werkszeugnis darüber hinaus Ergebnisse nichtspezifischer Prüfungen ausweist. Beide Prüfbescheinigungen dürfen nur vom "Hersteller" ausgestellt und bestätigt werden.

Eine der wichtigsten Prüfbescheinigungen, das frühere Abnahmeprüfzeugnis 3.1.B, wird durch das Abnahmeprüfzeugnis 3.1 abgelöst. In dieser Prüfbescheinigung wird die Bestätigung der Übereinstimmung mit der Bestellung unter Angabe von Ergebnissen spezifischer Prüfungen durch den Hersteller ausgestellt. Schon die Definition des "unabhängigen Abnahmebeauftragten", früher unabhängiger Werkssachverständiger, wird neu zu überdenken sein. Kann der unabhängige "Werkssachverständige" gleichzeitig auch die werksseitigen zerstörungsfreien Prüfungen bestätigen, oder ist dafür die Ausbildung und Zertifizierung nach EN 473 als Stufe 3 Prüfer erforderlich?

Die immer noch sehr gefragten Abnahmeprüfzeugnisse 3.1.A und 3.1.C werden durch das Abnahmeprüfzeugnis 3.2 abgelöst. In dieser Prüfbescheinigung wird einerseits die Bestätigung des unabhängigen Abnahmebeauftragten des Herstellers und andererseits auch die Bestätigung des unabhängigen Abnahmebeauftragten vorgeschrieben. Diese Vorgehensweise wird in vielen Anwendungsfällen nicht mehr möglich sein, es bleibt daher die Frage offen, welche Bescheinigungen z.B. für zerstörungsfreie Prüfungen durch den "Third Party" oder die "Benannte Stelle" ausgestellt werden und welche Anerkennung und welchen Stellenwert solche Bescheinigungen zu erwarten haben. Da diese Norm als mandatierte Norm vorgesehen ist und dadurch die grundlegenden Anforderungen der EU-Direktive 97/23/EG unterstützt, werden auch für den Bereich der Druckgeräte neue Überlegungen erforderlich sein.

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