NDTnet - October 1996, Vol.1 No.10

Reportage zum ersten US-Japan NDT Symposium in Oahu, Hawaii.

By H. Wüstenberg
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Vom 24. bis 26. Juni 1996 fand ein erstes bilaterales amerikanisch-japanisches Symposium über Fortschritte in der ZfF in Hawaii statt, das von den beiden nationalen ZfP-Gesellschaften (ASNT und JSNDI) organisiert worden war.

Die Erwartung, daß sich hier die Wissenschaftler beider Nationen gegenseitig zeigen würden, auf welch hohem Niveau sie arbeiten, wurde bestätigt.

Den beiden verantwortlichen Organisatoren, E. Rokhl'in von der Iowa State University für die Amerikaner und Prof. Kishi von der University of Tokyo für die Japaner, ist es gelungen, ein recht anspruchsvolles Vortragsprogramm zusammenzustellen, das alle derzeit aktuellen Themen der ZfP und viele zum Teil bisher noch nicht vorgestellte Arbeitsgebiete enthielt.

Die nach grober Schätzung rund 140 Teilnehmer kamen je zur Hälfte aus den USA bzw. aus Japan. Die verschiedenen Sitzungen der Konferenz zu jeweils bestimmten Themenkomplexen: z.B. über "Non-Contact-Ultrasonics" , über "Infrastructure" (=ZfP im Bauwesen und für die Überwachung von Versorgungs- und Verkehrssystemen) zeigten einige der Akzente, die Veranstalter setzen wollten. Es ging um Probleme der Alterung von technischen Geräten und Strukturen, insbesondere bei Flugzeugen, Brücken und Kernkraftwerken.

Das theoretische Modellieren von wurde in vielen Beiträgen als wichtige Säule der Verfahrensentwicklung herausgestellt, insbesondere bei Ansätzen zur Materialcharakterisierung mit Laser-Ultraschall. Ein Beitrag zur Schallemission aus Japan stellte eine tiefgehende Analyse der Ultraschall-Signale nach ihrer Richtungswirkung vor, um danach die Art der möglichen Rißbildung zu klassieren.

Den einführenden Plenarvortrag am zweiten Tag hielt Herr Yamanaka vom Mechanical Engineering Laboratory (Tsukuba City, Japan). Er berichtete über einen elektromagnetischen Höchstfrequenz-Wandler bis 250 MHz, der für Resonanz-Schichtdickenmessungen an dünnen Schichten verwendet wird. In seinem Vortrag stellte er auch eine neuartige Finite-Differenzen-Modellrechnung für die Ultraschallausbreitung in Austeniten vor, die ähnliche Resultate wie das in Deutschland von der GHT Kassel eingeführte EFIT-Programm liefert.

Überrascht war der Berichter auch über die Vorstellung einer richtungsselektiven Ultraschallerzeugung durch zwei in der Frequenz leicht gegeneinander verschobene Laserlicht-Bündel.

Beiträge zu Impulswirbel-Strom-Anwendungen aus Amerika beschäftigten sich mit Korrosionsproblemen in der Luftfahrt und an Tankgefäßen für radioaktive Abfälle.

Die Vorträge des dritten Tages konzentrierten sich auf Probleme bei Spezialwerkstoffen, zum Beispiel Diamantbeschichtung an Siliziumscheiben, poröse Keramikrohre für Wärmetauscher in kohlegefeuerten Kraftwerken oder faserverstärkte metallische Werkstoffe (z.B. Siliciumcarbidfasern in Titan), Hier ging es um entwicklungsbegleitende Grundlagenuntersuchungen zum Beispiel zum Bindungscharakter zwischen Faser und Matrix bei den Fasern in Titan, wobei Ultraschall und Ultraschallmikroskopie sehr stark in den Vordergrund gestellt wurden.

Die beiden letzten Tage des Symposiums waren wiederum im wesentlichen der globalen Schadensfrüherkennung an hoch beanspruchten Maschinenteilen (hochtemperaturfeste Schaufeln in Flugzeugturbinen, zum Teil keramikbeschichtete Schaufeln, aber auch Vollkeramik-Radscheiben mit Schaufeln) gewidmet.

Die Posterausstellung zeigte Plakate mit teils bekannten Arbeitsbereichen zur ZfP an Keramik mit hochauflösenden Abtastgeräten. Interessant hier der Einsatz von relativ tiefen Frequenzen (15, 20, 25 MHz) und Breitband-Signalprüfköpfen - hier auch Prüfköpfe mit Compositeschwingern - allerdings auf japanischer Seite nicht mit der gleichen hohen Empfindlichkeit wie bei den Amerikanern.

Die Tagung hatte relativ wenig Radiographie-Beiträge: Einen Vortrag zur Bildgüte bei der Neutronenradiographie und von japanischer Seite einen Beitrag zur Bildgüte bei Hochenergieradiographie mit Linearbeschleunigern. Interessant war dazu auch ein Beitrag über die Anwendung von Röntgen-Rückstreuverfahren, zum Beispiel, um bestimmte Schichten bei Composit-Materialien und deren Strukturen mit stark kollimierten Strahlen in der Tiefe zu analysieren. (Impact-Problem). Ein Vergleich dieses Verfahrens mit herkömmlicher Ultraschalltechnik zur Impact-Schadenfeststellung zeigt, daß hier ein Potential zur Detailcharakterisierung gegeben ist.

In mehreren Randgesprächen während des Symposiums äußerten die japanischen ZfP-Kollegen großes Interesse an der Durchführung einer ähnlichen bilateralen Veranstaltung Deutschland - Japan mit dem Tagungsort in Deutschland, vielleicht schon 1998.

Autor:

Prof.Dr. Hermann Wüstenberg ist Direktor der ZfP Abteilung VIII.4 (Akustische Verfahren) bei der BAM Berlin.
The Federal institute of Materials Research and Testing (BAM) is a scientific-technological institute under the authority of the Federal Minister of Economics. In accordance with a decree of the Federal Minister of Economins dates September 1, 1964, BAM promotes the development of german industry by carrying out research on materials and by further developing testing techniques and chemical safety engineering. The institute collects and makes the results of its own and others scientific work available to the general public in suitable form.

E-mail: Hermann.Wuestenberg@bam-berlin.de

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Rolf Diederichs 01. August 1996, info@ndt.net

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