NDT.net • Jan 2006 • Vol. 11 No.1

Bad Reichenhall und ZfP im Bauwesen

Rolf Diederichs - NDT.net

Einleitung


.... and how? NDT.net's Jan 2006 issue focuses on NDT in the infrastructure - so called NDT-CE.
In Bad Reichenhall stürzte unter der Last des Schnees das 33 Jahre alte Dach der Eishalle ein. 15 Menschen, darunter 12 Kinder, der ca. 50 Verschütteten starben. Nach Medienberichten war in Bad Reichenhall das Dach schon viele Jahre in der öffentlichen Kritik, aber eine Sanierung wurde von der Stadt nie veranlasst. In Deutschland gibt es keine Vorschrift, welche Eigentümer von Gebäuden sie zu einer laufenden Kontrolle der Standsicherheit verpflichtet, dies sogar nicht von öffentlichen Gebäuden, in denen hunderte und mehr Menschen Platz finden. Dieses Unglück ist kein Einzelfall, jährlich stürzen in Deutschland Dächer ein, bei denen aber zum Glück in solchem Ausmaß noch nie Menschen zu Schaden kamen. Weltweit gab es allerdings schon des Öfteren Katastrophen ähnlicher Art. Jetzt fordern viele Experten eine Vorschrift für Gebäude, ähnlich wie sie mit der DIN 1076 für die Überprüfung von Brücken praktiziert wird. Die Tragödie löst allerdings auch eine Diskussion über die Sicherheit vieler maroden Brücken in Deutschland aus. Der Artikel schildert momentan vorliegende Erkenntnisse bzw. Spekulationen über die Unglücksursache und gibt einen groben Überblick über Aktivitäten bzw. Möglichkeiten der Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) im Bauwesen.

Den Ursachen auf der Spur

Das eingestürzte Dach war eine Flachdach-Konstruktion aus Leimholzkomponenten welches zum Zeitpunkt des Einsturzes von Schnee bedeckt war. Nach zwei Fachartikeln - in der Deutschen Bauzeitschrift des Jahres 1975 (Nummer 10) und im Holzbau-Atlas 1978 - betrug die Gesamtgröße der Halle 75 mal 48 Meter. Die 2,87 Meter hohen Kastenträger, die im Abstand von jeweils 7,50 Meter angebracht waren, hatten also die gewaltige Spannweite von 40 Metern und ragten beidseitig vier Meter aus, so dass sie die Breite der Halle ganz überspannten (FAZ) [1].

Die extrem nasse Schneemasse, aber von nur 30 cm, wird als alleiniger Grund für den Einsturz des Daches von vielen Bauexperten für unwahrscheinlich gehalten, denn Dächer müssen darauf ausgelegt sein. Wenn im laufe der Zeit Wasser durch die Isolierung des Daches eindringt, dann können die darunter liegenden Holzbalken Schäden erleiden, die ihre Tragfähigkeit reduzieren. Holz kann durchaus feucht werden, vorausgesetzt es hat die Chance wieder zu trocken. Da es sich hier um eine Kastenkonstruktion handelt, ist das Trocknen der Holzbalken aber nicht zweifelsfrei gewährleistet. Schäden können unsichtbar unter der Abdeckung liegen, d.h. wie so häufig bei Bauschäden von außen nicht sichtbar sein. Allerdings hätten die Anzeichen von Undichtigkeit, es wurden schon längere Zeit Eimer aufgestellt, auch jeden verantwortlich denkenden Menschen zum handeln bewegen müssen. Der Bürgermeister beteuert, dass ein Gutachten im Jahre 2003 gemacht worden wäre, welches die weitere Nutzung zugelassen hätte. Hier wird das Manko der fehlenden Regulierung deutlich, den erstens ist eine Überprüfung der Standfestigkeit dem Betreiber selbst überlassen und zweitens ist das Personal bzw. die Qualifikation der Prüfer nicht vorgeschrieben. So kann im Prinzip der Bürgermeister ein beliebiges "Ingenieurbüro", welches entsprechend der Versammlungsstättenverordnung den Brandschutz prüft, sagen: "schau doch bei der Gelegenheit mal nach, ob das Gebäude noch sicher genug ist". So stellte das ZDF im Interview mit dem Geschäftsführer der Eishalle Chemnitz es so dar, als wenn dieser gesagt hätte, die Damen und Herren vom TÜV prüften regelmäßig sein Dach. Dagegen sagt er NDT.net gegenüber, er hätte lediglich von der Überprüfung der Amoniakanlage gesprochen und nicht das Dach gemeint, also man hätte ihn "verschnitten" [2].

Was brachte die Balken zum Bruch - Fäulnis oder schadhafte Leimverbindungen?

Einige Tage nach dem Unglück wurde in den Medien [3] über Fachleute berichtet, die vor Ort aufklaffende Verbindungen der Leimholzbalken (Brettschichtholz) an den gebrochenen Balken bemerkt haben. Danach richtete sich die weitere Diskussion auf mögliche Schwachstellen der Leimverbindung von Brettschichtholzbalken. Es gibt zwei Leimsorten, eine für die Verwendung im Trockenbereich und eine weitere für den Feuchtbereich.

Eberhard Pfütze, Diplom-Holzwirt bei BASF, widerspricht gegenüber der FAZ den Mutmaßungen anderer Fachleute, eine fehlerhafte Verleimung der Holzlamellen, aus denen die Träger gefertigt waren, könnten für deren Einsturz verantwortlich gewesen sein. "Aus chemischer Sicht ist das schlicht nicht vorstellbar." [3]

Der Leim, der für tragende Gebäudeteile verwendet werde und aus Aminoplast- und Phenolharzen bestehe, sei wärme- und feuchtigkeitsresistent - im Gegensatz zum Leim des täglichen Hausgebrauchs. Die chemischen Eigenschaften würden auch durch extreme Witterungsbedingungen wie in Bad Reichenhall nicht verändert. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass bei der Leimproduktion etwas fehlgelaufen sei, so meint Pfütze, hätte die Halle nach wenigen Tagen und nicht nach Jahrzehnten einstürzen müssen. Die Leimmischungen, die heute verwendet werden, seien im wesentlichen dieselben wie schon vor 35 Jahren, als die Eislaufhalle gebaut wurde. Die Prüfung und die Normierung von Leimtechniken sei in jener Zeit schon so intensiv und genau gewesen wie heute. Im unterern Abschnitt 'ZfP an Leimholzelementen' wird auf die Prüfung von Leimverbindungen noch näher eingegengen.[3]

Der "BAU-TÜV" wird nun gefordert

So ziemlich alle Experten sind sich darin einig, dass es einen "BAU-TÜV" geben müsste. So äußert man sich auch in Kreisen der DGZfP bzw. Fachgruppenleiter und der VPI (Vereinigung der Prüfingenieure) sagt es in einer Presserklärungen [4]. Welche Gebäude allerdings unter einer neuen Regelung Fallen sollten, darin gehen die Meinungen noch auseinander. Auch scheinbar risikolos erscheinende Einfamilienhäuser können ein hohes Gefährdungspotential darstellen, meint Manfred Tiedemann vom VPI. In Deutschland gibt es tatsächlich häufiger Berichte über z.B. abgefallene Balkons, die auch schon Menschen erschlagen haben. Andere meinen dagegen, man könnte es auch ähnlich wie bei der Versammlungsstättenverordnung machen, dort wird bei Überschreiten einer Personenzahl eine regelmäßige Brandschutzprüfung vorgeschrieben. Aus eigener Erfahrung hält auch Rolf Diederichs die seit 13 Jahren abgeschaffte Prüfung im Hausbau für falsch. Es wird heute so vielaus Kostengründen am Bau gepfuscht, oder vom Bauherrn laienhaft "Do-It-Yourself" ausgeführt, da schleichen sich zu hohen Risiken ein. Bei einer rechts abgebildeten Balkonholzkonstruktion sind leicht kritische Punkte zu erkennen, welche nach vielen Jahren zu einem Sicherheitsrisiko werden können.

Welchen Beitrag kann ZfP im Bauwesen leisten?

Eine Regulierung für die Überwachung von Brücken im Straßenbau besteht schon viele Jahre mit der DIN 1076. Diese könnte jetzt auch für den Hochbau Pate stehen, meinen Experten der ZfP. Aber trotz der DIN 1076 wird ein in Deutschland vorhandenes Sicherheitsrisiko auch bei Brücken hoch eingeschätzt. Ein Ergebnis der Schadensbewertung zeigt, dass 2001 der Anteil an kritischen Brückenbauwerken im Bundesfernstraßennetz etwa 12 % des Gesamtbestandes ausmachte (BMVBW 2001). Die Zustandsbeurteilung von Ingenieurbauwerken erfolgt in Deutschland i.d.R. durch Inaugenscheinnahme; bei Brücken z. B. alle drei Jahre als "einfache Prüfung" und alle sechs Jahre als "Hauptprüfung". Kriterien sind dabei in der Regel die Standsicherheit, die Verkehrssicherheit und die Dauerhaftigkeit, mit deren Hilfe sich ein Bauwerk in Zustandsklassen eingruppieren lässt oder eine Zustandsnote vergeben werden kann [5].
[20]

Politiker und kommunale Spitzenvertreter haben sich besorgt über den Zustand der Eisenbahnbrücken und Straßenbrücken in Deutschland gezeigt. Mindestens 1000 der bundesweit 1500 unter kommunaler Verantwortung stehenden Brücken müssten mit Sofortmaßnahmen stabilisiert werden, sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Horst Friedrich, der "Bild am Sonntag" (DPA/AP) [6]. Auch auf der Internetseite der Gesellschaft für außergewöhnliche Ideen, wird starke Kritik am deutschen Brückenbau geübt [20].

Von ZfP im Brückenbau lernen

Auf der Homepage der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) [18], und in Vorträgen der BASt Wissenschaftler, zeigt man sich des Problems einiger kritischen Brücken bewusst. Nicht alles ist immer einwandfrei, man kann oder will aber nicht alles abreißen, auch lägen die meisten Probleme im Netz der Städte und Kommunen, da dort der Bund keinen direkten Einfluss hat.
[18]
Jeder kennt die chronisch leeren Kassen. Vor einem Abriss können viele Maßnahmen die Nutzungsdauer noch verlängern, eine Objektbezogene Schadensanalyse (OSA) wird durchgeführt, ab dann kommt verstärkt auch ZfP mit Geräten zum Einsatz. Die Leute fahren ggf. auch öfters als die vorgeschriebene vierteljährliche Inaugenscheinnahme an besonders kritische Baukörper. In solchen Fällen könnten auch neue Entwicklungen "Continious Health Monitoring" zum Einsatz kommen. Bei neuen Bauten sehen einige Experten allerdings ein Problem die Sensoren an den richtigen Stellen zu platzieren, d.h. am Ende wäre es fatal wenn der Bruch an einer anderen Stelle passieren würde. Für weitere Information erscheint in NDT.net der Vortrag "Erhaltungsmanagement der Bundesfernstraßen Bedeutung und Perspektiven der ZfPBau-Verfahren" [7]. Freundlicherweise haben wir die Genehmigung der DGZfP zur vorzeitigen Veröffentlichung der "Bauwerksdiagnose 2006" [8] erhalten.

Wie Regulierung von Geräte-ZfP im Bauwesen funktionieren kann, zeigt eine Prüfvorschrift seit 2003. Seit dem müssen bei der Herstellung der Tunnelinnenschalen, diese mit Impakt-Echo-Verfahren oder ähnlicher Echo Verfahren auf Fehlstellen bzw. Minderdicken überprüft werden (RI-ZFP-TU). Es dürfen nur von der BASt akkreditierte (gelistete) Firmen beauftrag werden. Zur Zeit sind 10 Firmen gelistet, wobei sieben Firmen Impakt-Echo und drei Ultraschall einsetzen [19]. Zu diesem Thema hält C. Roder (BASt) auf der Bauwerksdiagnose 2006 [8] den Vortrag: "Qualitätssicherung von Tunnelinnenschalen".

Bei der Zustandsbeurteilung bestehender Gebäude, i.d.R durch eine Sichtprüfung, können dem Prüfer versteckte Mängel entgehen. Die DGZfP unterstützt durch die Aktivitäten ihres Fachausschusses "Zerstörungsfreie Prüfung im Bauwesen" die Entwicklung und Anwendung von Verfahren für eine objektive, auf Messungen basierende Prüfung von Bauwerken. Richtig angewandt helfen diese Verfahren bei der Zustandsbeurteilung und tragen zur Vermeidung solch tragischer Unglücksfälle bei. Damit die Praxis den Einsatz von Prüfmethoden besser beurteilen kann, hat die Fachabteilung BAU-ZfP der BAM ein ZfP-Bau Kompendium [21] ins Internet gestellt. Zu diesem Thema gibt es vom Mitarbeiter A. Taffe auf der Baudiagnose 2006 [8] den Vortrag "Validierung von ZfP-Verfahren im Bauwesen", den wir in dieser Ausgabe schon veröffentlichen durften [22].

Forschung & Entwicklung auf dem Gebiet der Bau-ZfP

In Deutschland gibt es zur Zeit zwei wesentliche Forschungsprojekte auf dem Gebiet der ZfP im Bauwesen, der SFB477 [9] unter Federführung des Institut für Baustoffe, Massivbau und Brandschutz an der TU Braunschweig und FOR 384 unter Universität Stuttgart Institut für Werkstoffe im Bauwesen. Zum Januar 2001 wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn die Forschergruppe FOR 384 eingerichtet. Sie trägt den Titel Zerstörungsfreie Strukturbestimmung von Betonbauteilen mit akustischen und elektromagnetischen Echo-Verfahren. Die Gruppe besteht aus acht Institutionen, die zu den anerkannten Forschergruppen auf dem Gebiet der Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) im deutschsprachigen Raum zählen, sowie sechs Mitgliedern einer Unterstützergruppe, die im Wesentlichen die privatwirtschaftlichen Interessen an diesem Forschungsprojekt vertritt, jedoch keine Förderung von Seiten der DFG erhält. Das Ziel der Forschergruppe FOR 384 ist es, die Verfahren zur Strukturaufklärung von Betonbauteilen auf einen Entwicklungsstand zu heben, der ihre systematische Anwendung zur zerstörungsfreien Bauwerksdiagnose ermöglicht und auf die Validierung für möglichst viele Prüfaufgaben hinführt. [10,11]

Der Sonderforschungsbereich 477 hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebens- und Nutzungsdauer von Bauwerken durch eine innovative Überwachung sicherzustellen. Die Erhaltung und Umnutzung von Bauwerken wird in Anbetracht des riesigen Bauwerksbestandes in der Bundesrepublik zu einer wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsaufgabe. Mit Hilfe einer geeigneten Bauwerksüberwachung ist es möglich, die Nutzungsdauer von Bauwerken beträchtlich zu verlängern oder Umnutzungen zuzulassen, die nach den üblichen Regeln nicht möglich wären [9].

Structural Health Monitoring

[5]
Dr. Christian Grosse sieht für "Structural Health Monitoring" eine große Zukunft [5]. In Deutschland gibt es nur wenige, die sich mit der Überwachung von Bauwerken befassen. Neben den Kollegen von der TU Braunschweig und einer Abteilung der BAM ist das vor allem das ZfP Institut an der Uni Stuttgart. Dr Grosse hält sich zur Zeit in Berkeley auch wegen der Entwicklung von drahtlosen Überwachungsmethoden für das Bauwerk auf. Monitoring ist allerdings weniger ein Thema für die Inspektion wie mit klassischen ZfP Methoden Ultraschall, IR, Radar, etc. AE ist evtl. für das Monitoring geeignet. (5,12,13) Die Stuttgarter scheinen die einzigen in Deutschland zu sein, die kabelungebundenes Monitoring für Bauwerke entwickeln. Kabelgebundene Systeme hält Dr. Grosse im Regelfall viel zu aufwändig und vor allem zu teuer. Dr. Grosse glaubt nicht, dass für die Menge der Bauwerke ein ZfP-gestützes klassische Inspektions-Verfahren in Frage kommt. Das bietet immer nur eine Momentaufnahme und viele Schäden sind damit gar nicht messbar (insbesondere tieferliegende Schäden). Bei vielen Schadensfällen handelt es sich um Schäden in Holzelementen. Da gibt es sowieso wenige ZfP-Verfahren, die da helfen.

Das Monitoring (eben auch mit MEMS-Sensorik) bietet die Möglichkeit der Datenerfassung z.B. hinsichtlich Temperatur, besonders wichtig die Verformungen, Feuchte, etc. Die Stuttgarter arbeiten auch an der Integration von Schallemissionssensoren. Damit wären zuverlässig die ersten Verformungsgeräusche bei der Durchbiegung von Deckenträgern messbar gewesen. Grosse propagiert die Registrierung von mehreren physikalischen Messdaten gleichzeitig, da nur so eine zuverlässige Interpretation bereits im Sensor möglich ist. Kabellos werden dann lediglich Alarmmeldungen versand. In dem vorliegenden Fall muss man es sich so vorstellen, dass dieser Alarm ausgelöst worden wäre bei einer größeren Verformung unter gleichzeitiger erhöhter Schallemissionsaktivität. Auch eine erhöhte Feuchtigkeit im Balkeninneren hätte man registrieren können.

In den USA gibt es mehrere die derzeit getestet werden. Ausschließlich allerdings an Brücken. Die meisten Anwendungen der Systeme auf MEMS-Basis sind im Tagungsband der letzten "Structural Health Monitoring" Konferenz in Stanford (09/2005) beschrieben. [14]

ZfP an Leimholzelementen

[23]
Da wegen des Bad Reichenhall Unglücks die Leimholzbalken (Brettschichtholz) ins Gespräch kamen, hat sich NDT.net bei Prof. Hans-Wolf Reinhardt [15,23] zu diesem Thema informiert. Das Institut für Werkstoffe im Bauwesen an der Uni Stuttgart ist die einzige Stelle in Deutschland welche Holzbetrieben die Genehmigung zur Herstellung solcher Leimholzbalken erteilt. Ein Betrieb muss im Zuge der Gehmigung ein Musters herstellen um seine Fähigkeit nachzuweisen, ferner wird der Betrieb regelmäßig begangen um einen zuverlässigen Fertigungsablauf zu kontrollieren. Eine Qualitätskontrolle mit ZfP Verfahren wird der Produktion nicht vorgeschrieben. Prof. Reinhardt hält das Fertigungsverfahren für Zuverlässig genug, so dass man sich die Kontrolle sparen kann.

[17]
Im Labor der Bau-ZfP an der BAM, werden zur Zeit ZfP Methoden zur Untersuchung von Leimholzverbindung durchgeführt. Ausgewählte Beiträge der Wood-NDT 2005 erscheinen in NDT.net März 2006. In dieser Ausgabe haben wir einen Beitrag vorweggenommen, er lautet "Thermographic detection of defects in wood and wood-based materials" [16]. Peter Meinlschmidt ist Physicist am Process Technology Fraunhofer-Institute for Wood Research in Braunschweig. Sein Institut hat in letzter Zeit einige Anstrengungen in Bezug auf Leimfugenprüfungen unternommen. Ein Forschungsantrag beschäftigt sich mit Keilzinken an Konstruktionsvollholz, ein weiterer soll die Qualitätssicherung von hochfrequenzverleimten Brettschichthölzern sicherstellen. Ein anderes Forschungsvorhaben an der Uni Stuttgart ist das SFB 381 Teilprojekt A8 "Schädigung und ZfP von Realbauteilen aus dem natürlichen Faserverbundwerkstoff Holz". Hier werden u.a. mit Hilfe der Schallemissionsmessungen Delaminationsschäden im hochbeanspruchten Bereich von Brettschichtholz untersucht [17]. Auch bei der BAM Abt. Bau-ZfP beschäftigte man sich mit diesem Thema, dort wurden kürzlich Untersuchungen mit Ultraschallmessung an Leimholzelementen durchgeführt.

Fazit

Es ist nicht damit getan die Verantwortlichen von Bad Reichenhall zur Rechenschaft zu ziehen. Vor 13 Jahren wurde die Regulierung der Überwachung von Gebäuden während der Bauphase abgeschafft, zur Recht prangert der VPI diese fatale Entscheidung an. Das wieder zu etablieren wäre ein erster wichtiger Schritt. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sprach sich für schärfere regelmäßige Kontrollen öffentlich genutzter Bauten aus. "Es kann ja nicht vom Gusto der Verantwortlichen abhängen, ob reichliche Überprüfungen stattfinden oder nicht", sagte der SPD-Politiker dem Bayerischen Rundfunk. Er machte die Finanznot der Kommunen generell für mangelnde Kontrollen und schlechte Bausubstanz verantwortlich.

Bundesbauminister Tiefensee hatte betont, dass das tragische Unglück habe "uns allen noch einmal die Bedeutung einer ausreichenden Standsicherheit von Gebäuden vor Augen geführt". Leben und Gesundheit dürften durch Bauwerke nicht in Gefahr geraten. "Nun sind die Länder am Zug." Diese reagierten inzwischen: Die Bauminister der Länder werden voraussichtlich Anfang Februar auf einer Konferenz mögliche Konsequenzen aus dem Reichenhaller Unglück beraten.

Vorschriften einer wiederkehrenden Prüfung sind nun erforderlich, für welche Gebäude und in welcher Zeitfolge gilt es nun zu diskutieren. Die Versammlungsstättenverordnung (Brandschutz) ist ein Beispiel wie man die Sicherheit von öffentlichen Gebäuden erhöhen kann. Das gleiche gilt es nun auch für die Standsicherheit umzusetzen. Es wäre falsch nun eine neue Regulierung mit dem Argument abzulehnen, dass "schwarze Schafe" ohnehin jede Vorschrift umgehen würden. Manch Bürgermeister/in wäre sicher froh etwas an der Hand zu haben, d.h. ruhig schlafen zu können ohne mit einem Bein im Gefängnis zu stehen. Unser politisches Fazit aus Bad Reichenhall: Nicht nur die Schlamperei im Einzelfall sondern die fehlende Regulierung ist der Skandal.

Danksagung

Für ihre Fachauskünfte zu diesem Artikel möchte sich der Autor bei allen auch nicht genannten Personen bedanken. Ein besonderer Dank gilt Christian Grosse, Mitglied des NDT.net Editor Advisory Board, für seine wissenschaftliche Beratung an der gesamten NDT.net Januar Ausgabe. Ebenso danken wir der DGZfP für die vorzeitig Freigabe einiger Vorträge der Bauwerksdiagnose 2006 23-24 Februar in Berlin.

Literatur

  1. Bad Reichenhall Ursachensuche in Bad Reichenhall: Mehrfach gesicherte Hohlkästen als Träger FAZ
  2. Keine Feuchtigkeitsspuren im Holz Spiegel
  3. Statik Experten fordern Bau-TÜV ZDF
  4. Unglück Bad Reichenhall: Deregulierung gescheitert VPI
  5. Überwachung von Bauwerken – kabellose Sensornetzwerke für ein zuverlässiges Bauwerksmonitoring Institut für Werkstoffe im Bauwesen, Uni Stuttgart
  6. Maroder Zustand der Eishalle lange bekannt Die Welt
  7. Erhaltungsmanagement der Bundesfernstraßen – Bedeutung und Perspektiven der ZfPBau-Verfahren J. Krieger Bundesanstalt für Straßenwesen, Bergisch Gladbach (Germany), Bauwerksdiagnose Februar 2006 Berlin
  8. Bauwerksdiagnose 2006 2006 Feb 23- 24 - Germany, Berlin
  9. Sicherstellung der Nutzungsfähigkeit von Bauwerken mit Hilfe innovativer Bauwerksüberwachung (SFB 477) , English: Life Cycle Assessment of Structures via Innovative Monitoring (SFB 477)
  10. Sonderforschungsbereich 381: Charakterisierung des Schädigungsverlaufs in Faserverbundwerkstoffen mittels zerstörungsfreier Prüfung, English: Collaborative Research Center "SFB 381": Characterisation of Damage Evolution
  11. Anwendung von ZfP-Methoden im Rahmen einer gemeinsamen Forschungsinitiative der DFG in Fibre Reinforced Composites by Nondestructive Testing Methods Christian U. Große, Hans-Wolf Reinhardt; DGZfP 2002
  12. Inspection and Monitoring of Structures in Civil Engineering Christian U. Große, Markus Krüger, University of Stuttgart (Germany)
  13. Monitoring techniques based on wireless AE sensors for large structures in civil engineering Christian U. Grosse, Florian Finck, Jochen H. Kurz, Hans W. Reinhardt; EWGAE 2004
  14. "Structural Health Monitoring" Konferenz in Stanford (09/2005)
  15. Institut für Werkstoffe im Bauwesen Universität Stuttgart
  16. Thermographic detection of defects in wood and wood-based materials P. Meinlschmidt; Wilhelm-Klauditz-Institut (WKI), Fraunhofer-Institute for wood research, Braunschweig
  17. Schädigung und ZfP von Realbauteilen aus dem natürlichen Faserverbundwerkstoff Holz - SFB 381 Teilprojekt A8
  18. Bundesanstalt für Straßenwesen - Brücken- und Ingenieurbau
  19. Anerkennung der zerstörungsfreien Prüfung von Tunnelinnenschalen
  20. Brücken für die Ewigkeit? Philipp Schreck
  21. ZfPBau-Kompendium
  22. Validierung von ZfP-Verfahren im Bauwesen A. Taffe, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin H. Wiggenhauser, Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, Berlin
  23. Abteilung 12 Holzbau - Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart

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