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NDT.net Issue - 2008-08 - NEWS

Geltende Normen bei Radsatzwellen unzureichend?


Tageszeitung junge Welt3, Berlin [Germany]
railway, Train axle, disaster
NEWS  DE  
NDT.net Journal
Issue: 2008-08
Der folgende Beitrag wurde uns freundlicherweise von Tageszeitung junge Welt zur Verfügung gestellt. NDT.net ist nicht verantwortlich für die Richtigkeit des Inhalts

25.07.2008

Brisantes Fachchinesisch

Geltende Normen bei Radsatzwellen unzureichend?

Von Winfried Wolf

Spätestens 2006 gibt es in der Fachliteratur ernstzunehmende Hinweise auf die Tatsache, daß die geltenden Normen zur Auslegung der Radsatzwellen für Hochgeschwindigkeitszüge (EN 13103 und 13104) unzureichend sind. In Heft 3/2006 der Fachzeitschrift ZEVrail veröffentlichten die Wissenschaftler Dr. Ing. Gerhard Fischer und Professor Dr. Vatroslav Grubisic einen Aufsatz zum Thema »Versagen von Radsatzwellen und dessen Ursachen«. Sie beschrieben in diesem Beitrag eine Reihe Radsatzwellenbrüche. Sie unterstrichen dabei, daß »das Bemühen, für jeden Schaden Sondereinflüsse« geltend zu machen, zu »falschen Konsequenzen« führt. Auf Grundlage einer Reihe von Untersuchungen stellen die Autoren fest, daß »die im realen Betrieb auftretenden Betriebsbelastungen und Beanspruchungen oft deutlich höher liegen als die nach den Normen EN 13103 und EN 13104 ermittelten«.

Nach einer wenig qualifizierten Replik auf diesen Beitrag meldeten sich Fischer und Grubisic Anfang 2008 in derselben Fachzeitschrift (1-2/2008) erneut mit »Hinweisen zur Dimensionierung von Radsatzwellen« zu Wort. In diesem Beitrag »ent-anonymisierten« die Autoren ihre 2006 angeführten Radsatzwellenbrüche (die Anonymisierung wurde auf Druck der Bahntechnik-Hersteller vorgenommen). Ausdrücklich gehen sie auf die unzureichend ausgelegten Radsatzwellen der neuen ICE-3 ein und stellen explizit für diese neue ICE-Generation fest: »Die gemessenen Höchstwerte der Spannungen überschreiten die nach EN berechneten um ca. 19% am Laufradansatz und um ca. 17% am Treibradansatz.« Unzweideutig – und gemessen an der üblichen »Tonlage« eines fachwissenschaftlichen Beitrags fast provokativ – heißt es dann: »Es leitet sich hieraus unwillkürlich die Frage ab, ob diese Wellen mit den gemessenen Spannungshöchstwerten dann noch die Dauerfestigkeitskriterien nach der EN 13103 und EN 13104 erfüllen.«

Um es zu verdeutlichen: Die Autoren gaben zu Protokoll, daß die ICE-Radsatzwellen angesichts der von ihnen registrierten Belastungen, die deutlich über dem Niveau liegen, die bei den (neuen) EN-Normen als maximal angenommen werden, brechen – und damit schwere Unfälle auslösen – können.

Dr.-Ing Gerhard Fischer war Top-Mann am renommierten Fraunhofer Institut in Darmstadt; er ist seit 2002 Gutachter beim Eisenbahn-Bundesamt. Prof. Dr. Ing. Vatroslav Grubisic war bis 1996 stellvertretender Direktor des Fraunhofer Instituts in Darmstadt; er arbeitet seither als selbständig beratender Ingenieur. Wo erschienen die Beiträge? Die Zeitschrift ZEVrail wird herausgegeben u.a. von Dr. Karl-Friedrich Rausch. Dieser ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Bahn AG und in diesem verantwortlich für den Fernverkehr, so insbesondere für den ICE-Verkehr.

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